Streit um Islamkonferenz: Friedrich sieht keinen Grund für Aufregung

Innenminister Friedrich wehrt sich gegen Vorwürfe, er sei eine "Fehlbesetzung" für die Islamkonferenz - und schießt zurück: In Wahrheit sei es die SPD, die einen Keil in die muslimische Gemeinschaft treibe. Auch die Kritik von Muslimen-Verbänden hält er für ungerechtfertigt.

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Innenminister Friedrich: "Niemand hat Grund, verärgert zu sein"

Berlin - Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat sein Vorgehen bei der Islamkonferenz verteidigt und einen Boykottaufruf aus der SPD zurückgewiesen. Bei der Konferenz müsse man "Probleme wirklich ansprechen und sie nicht politisch korrekt ausblenden", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Friedrich hatte unter Hinweis auf das Attentat von Frankfurt von den Muslimen Mitarbeit beim Aufspüren gefährlicher Islamisten verlangt. Diese sogenannte "Sicherheitspartnerschaft" soll dazu führen, dass in Vereinen, bei Predigten und Gesprächen über den Islam radikale Ansichten früh entdeckt werden. Viele Muslime fühlen sich davon verprellt.

Die Integrationsbeauftragte der SPD-Fraktion, Aydan Özoguz, forderte die SPD dazu auf, die Veranstaltung zu boykottieren und bezeichnete Friedrich als "absolute Fehlbesetzung". Einige muslimische Vertreter warfen dem Minister vor, er wolle die Konferenz zur eigenen Profilierung nutzen.

Friedrich wehrt sich nun gegen die Front der Kritiker: Der Boykottaufruf zeige, "dass die SPD die Muslime spalten will". Wer den Dialog abbrechen wolle, leiste der Integration keinen guten Dienst. "Die kritische Stellungnahme der unabhängigen muslimischen Mitglieder der Deutschen Islamkonferenz zeigt mir, dass der Dialogprozess unbedingt fortgesetzt werden muss. Ich bin zum Dialog bereit."

Friedrich wies zudem Vorwürfe von Muslimenverbänden zurück, er habe die Islamkonferenz an den Rand des Scheiterns gebracht. "Es hat niemand Grund, verärgert zu sein", sagte er in einem Interview mit Bild.de. Er habe die Zugehörigkeit der Muslime zur deutschen Gesellschaft ausdrücklich angesprochen und niemanden ausgeschlossen.

"Auch im Interesse der Muslime"

Zugleich verteidigte er seine Aufforderung, die Muslime sollten wachsam gegenüber extremistischen Bestrebungen in ihren Reihen sein. "Es ist wichtig, dass die gesamte Bevölkerung sensibel und wachsam ist für radikalisierte Einzelgänger. Bei solchen Anschlägen ist auch das Leben von Muslimen bedroht. Ich denke, es ist auch im Interesse der Muslime, dass ihre Religion nicht missbraucht wird", sagte er weiter. Es gehe um "Wachsamkeit, wie wir sie von jedem Bürger erwarten. Wer Hinweise auf Anschlagspläne als Denunziation bezeichnet, hat den Rechtsstaat offenbar nicht verstanden."

Friedrich sagte, die Islamkonferenz sei "keine Sicherheitskonferenz" und solle es auch nicht werden. Erstes Ziel der Islamkonferenz sei es, "einen breiten Dialog zwischen Staat und Muslimen zu pflegen". Ferner erklärte Friedrich, dass alle befristeten Anti-Terror-Gesetze auf ihre Notwendigkeit überprüft würden. In den kommenden Wochen werde entschieden werden, ob sie aufgehoben werden könnten.

Andere muslimische Verbände nahmen den neuen Ressortchef gegen die Kritik in Schutz und betonten ihren Willen, die Konferenz fortzusetzen. Die Empörung über Friedrich sei insgesamt überzogen und rücke die Arbeit der Konferenz in den Hintergrund. Friedrich habe die Kritik bei der Islamkonferenz offen angenommen.

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, etwa zeigte sich zwar nach wie vor irritiert von Friedrichs Äußerungen, der gleich zu Amtsantritt mit der Aussage für Furore sorgte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland . "Es geht aber nicht um Boykott", sagte Kolat. Die Türkische Gemeinde werde weiter an der Islamkonferenz teilnehmen. Der Minister solle nun Zeit bekommen, "um über die Kritik nachzudenken".

amz/dpa/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 189 Beiträge
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1. Friedrich ist CSU
herbert 31.03.2011
und die CSU hat mit Migranten und Muslime nichts, aber absolut nichts am Hut ! Folglich dann abgeschwächt auch die CDU ! Also vertritt der Friedrich die Position der CSU und somit kommt es zu diesen Reibereien.
2. Glanzvoller Start
Klaschfr 31.03.2011
Er ist eben so aufgetreten, wie er ist: Ungebildet und von sich selbst furchtbar überzeugt. Das passt ja auch zusammen.
3. Kein Titel...
Thosaurus 31.03.2011
Zitat von sysopInnenminister Friedrich wehrt sich gegen Vorwürfe, er sei eine "Fehlbesetzung" für die Islamkonferenz - und schießt zurück: In Wahrheit sei es die SPD, die einen Keil in die muslimische Gemeinschaft treibe.*Auch die Kritik von*Muslimen-Verbänden hält er für ungerechtfertigt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,754177,00.html
Ein Satz, welcher tief blicken lässt, denn die Frage ob jemand einen Grund hat verärgert zu sein ist ja wohl eine, welche ausschliesslich rein subjektiv zu beantworten ist. Dass ein Innenminister Friedrich der Meinung ist, selbst einschätzen zu dürfen, wann sich andere durch sein Tun und Lassen verärgert fühlen dürfen oder nicht zeigt doch, dass es ihm am hier notwendigen Feingefühl mangelt.
4. die kritik der muslimen verbaende ist .............
otto huebner 31.03.2011
Zitat von sysopInnenminister Friedrich wehrt sich gegen Vorwürfe, er sei eine "Fehlbesetzung" für die Islamkonferenz - und schießt zurück: In Wahrheit sei es die SPD, die einen Keil in die muslimische Gemeinschaft treibe.*Auch die Kritik von*Muslimen-Verbänden hält er für ungerechtfertigt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,754177,00.html
NICHT gerechtfgertigt. und wem es in deutschland nicht gefaellt kann ja gehen. und mit der spd ist es wohl auch vorbei. waehlbar sind die nicht mehr.
5. #1
Kurt2, 31.03.2011
Zitat von sysopInnenminister Friedrich wehrt sich gegen Vorwürfe, er sei eine "Fehlbesetzung" für die Islamkonferenz - und schießt zurück: In Wahrheit sei es die SPD, die einen Keil in die muslimische Gemeinschaft treibe.*Auch die Kritik von*Muslimen-Verbänden hält er für ungerechtfertigt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,754177,00.html
Recht hat er, der Herr Friedrich.
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Die Islamkonferenz
Für wen gibt es sie?
In Deutschland leben nach Angaben des Innenministeriums etwa vier Millionen Muslime, knapp die Hälfte von ihnen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Seit 1961 hatte Deutschland bis zum Anwerbestopp 1973 aus islamisch geprägten Ländern Arbeitskräfte ins Land geholt, vor allem aus der Türkei. Die meisten Zuwanderer kamen damals aus der bildungsfernen Unterschicht. Ihre Integration war lange kein Thema. Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) wurde 2006 vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufen.

Wer sind die Teilnehmer?
In den vergangenen sechs Jahren hat sich die Zusammensetzung der Teilnehmer der Islamkonferenz mehrmals verändert. Friedrichs Vorgänger Thomas de Maizière hatte die zehn muslimischen Einzelpersonen, die an der Konferenz teilnehmen, ausgetauscht - etwa die Soziologin Necla Kelek nicht mehr eingeladen. Friedrich hat erneut neue Leute ins Plenum gerufen. Von muslimischer Seite nimmt der Verband Ditib, der Verband der Islamischen Kulturzentren, die Alevitische Gemeinde, die Türkische Gemeinde, die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken, der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland. Die beiden konservativen Verbände Islamrat und Zentralrat der Muslime sind seit dem Jahr 2010 nicht mehr dabei. Der Islamrat darf nach einer Entscheidung von de Maizière nicht mehr teilnehmen, weil strafrechtliche Ermittlungen gegen hohe Funktionäre seines größten Mitglieds Milli Görüs liefen. Von staatlicher Seite gibt es 17 Vertreter: jeweils sechs von Bund und Ländern sowie fünf von Kommunen.

Worum geht es?
Die zweite Phase der Islamkonferenz, die 2010 begann, soll stärker praktisch ausgerichtet sein und konkrete Fragen behandeln. Dazu gehören die Schaffung islamisch-theologischer Lehrangebote an deutschen Hochschulen, islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, die Prävention radikaler Formen des Islam und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Bis zur nächsten Plenumssitzung im Jahr 2013 will sich die Islamkonferenz mit dem Thema Prävention von Extremismus beschäftigen, ein Schwerpunkt soll der Kampf gegen Islamfeindlichkeit sein.


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Innenminister Friedrich: Der Strippenzieher
Das sagen die Parteien zum Thema Integration
Hehre Ziele, schwammige Konzepte: Beim Thema Integration haben die Parteien ehrgeizige Pläne, doch Ideen zur Umsetzung sind rar. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die verschiedenen Positionen.
CDU: Zuwanderung nur in Maßen
"Deutschland ist ein Integrationsland", hält die CDU in ihrem Grundsatzprogramm fest. Darin sprechen die Christdemokraten von einem "fortschreitenden positiven Prozess in der Verantwortung der Migranten, der Politik und der gesamten Gesellschaft".

Im Integrationskonzept der Partei heißt es: "Integration bedeutet nicht, dass alle gleich werden, sondern dass alle gleiche Chancen auf Bildung und Wohlstand besitzen." Der Grundsatz laute "Fördern und Fordern". Zuwanderung müsse gesteuert und begrenzt werden. Zudem fordert die CDU von Migranten gute Deutschkenntnisse ein und will dies mit Integrationskursen und dem Ausbau von Ganztagesschulen erreichen.

Bei zwei Themen zeigen sich die Christdemokraten strikt: Ein generelles kommunales Wahlrecht für Ausländer lehnt die Partei ab. Auch die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft will sie nicht generell zulassen: "Die Einbürgerung ist das Bekenntnis zu Deutschland. Wer Rechte beansprucht, muss auch Pflichten erfüllen."
CSU: Integrationsfähigkeit hat Grenzen
Die CSU will beim Thema Integration eigene Akzente setzen und pocht auf die Anstrengung der Migranten: "Die CSU steht dafür, die Integrationsverpflichtung der Zuwanderer klar auszusprechen und einzufordern", heißt es.

Die Partei sieht die Bundesrepublik keinesfalls generell als Zuwanderungsland. "Die Integrationsfähigkeit unseres Volkes hat Grenzen", schreibt die Partei. "Unser Land muss für Spitzenkräfte zugänglich sein. Wir wollen aber keine Zuwanderung, die unsere Sozialsysteme einseitig belastet."
SPD: Integration betrifft nicht nur Migranten
"Es geht um die Schaffung einer Kultur der Anerkennung", schreiben die Sozialdemokraten in der Einführung zur "Zukunftswerkstatt Integration". "Integration heißt für uns, dass Menschen in unserem Land unabhängig von ihrer Herkunft am Haben und Sagen teilhaben können."

Die Sozialdemokraten fordern, das Thema nicht ausschließlich auf Menschen mit Migrationshintergrund zu beschränken. "Integration ist in erster Linie eine soziale Frage." Konkret will die Partei kostenfreie Bildungs- und Betreuungsangebote: "Wir wollen Aufstieg fördern und dort, wo er aufgrund von Herkunft nicht entwickelt ist, den Aufstiegswillen wecken", kündigt die SPD an. "Bildung, Sprache, Qualifizierung, Arbeit und kulturelle Anknüpfungspunkte sind dabei die entscheidenden Stellschrauben."

Beim Thema Integration sieht die SPD noch viel Diskussionsbedarf, den sie in ihrer "Zukunftswerkstatt" kanalisieren will. Das hehre Ziel der SPD: "Langfristig geht es uns um nicht weniger als eine grundsätzliche Veränderung des gesellschaftlichen Klimas."
Grüne: Besonderes Augenmerk auf Frauen
Für die Grünen steht fest, dass Deutschland ein "Einwanderungsland" ist. "Förderung des Spracherwerbs und Zugang zum Arbeitsmarkt sind Schlüsselaufgaben der Integrationspolitik", erklärt die Partei auf ihren Internetseiten. Sie will ein besonderes Augenmerk auf Migrantinnen legen, denn diese Frauen sind nach Ansicht der Grünen "Hauptträgerinnen des Integrationsprozesses".

Die Grünen fordern das kommunale Wahlrecht für Zugewanderte und die doppelte Staatsbürgerschaft. Zudem verlangen sie eine großzügige Bleiberechtsregelung. "Kettenduldungen", also die immer wieder verlängerte Aussetzung der Abschiebung, sollen der Vergangenheit angehören.
FDP: Gezielt Fachkräfte ins Land holen
Auch die Liberalen sehen die Bundesrepublik als Einwanderungsland. "Menschen unterschiedlicher Herkunft sind fester Bestandteil einer zukunftsweisenden liberalen Gesellschaft und unserer kulturellen Vielfalt", heißt es. Ziel der FDP sei es, Menschen mit Migrationshintergrund gleiche Bildungs- und Berufschancen in Deutschland zu verschaffen, schreibt die Partei. Sie greift in einem Positionspapier zur Integrationspolitik zum selben Slogan wie die CDU: "Fordern und fördern." Es müsse verdeutlicht werden, "dass der Aufenthalt im Zuwanderungsland nicht nur mit Rechten, sondern auch mit Pflichten verbunden ist".

Auch Selbstkritik ist in ihrem achtseitigen Papier aus dem Jahr 2007 enthalten: "Lange Jahre hat die Politik - auch die FDP - geglaubt, Integration geschehe von allein. Dies hat sich als Irrglaube erwiesen. Auch der deutsche Pass ist keine Gewähr für Integration."

Konkret schlagen die Liberalen eine gezielte Sprachförderung ab dem Kindergarten vor, aber auch für Erwachsene. Anders als der Koalitionspartner CDU spricht sich die FDP für ein kommunales Wahlrecht aus. Mit einem Punktesystem will die Partei gezielt Fachkräfte ins Land holen.
Linke: Lohndumping bei Migranten stoppen
Die Linkspartei fasst ihre Ziele weit: "Deutschland braucht eine offene Migrations- und Integrationspolitik, die auf Ausgrenzung verzichtet und die Rechte und soziale Lage von Migrantinnen und Migranten verbessern will."

Für die Linke gibt es "keine deutsche Leitkultur, sondern Grund- und Menschenrechte, die alle binden".

Die Partei sieht Migranten vor allem auf dem Arbeitsmarkt durch Lohn- und Sozialdumping benachteiligt und fordert dagegen gesetzliche Regelungen. Als konkrete Integrationsmaßnahme fordert die Partei für alle dauerhaft in Deutschland Lebenden ein Wahlrecht über die kommunale Ebene hinaus.

"Jeder, der in der Bundesrepublik geboren wird und dessen Eltern hier leben, soll die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten", heißt es weiter. Einbürgerungen sollen nach Ansicht der Linkspartei erheblich erleichtert und mehrfache Staatsbürgerschaft ermöglicht werden. Migranten sollten in Schule, Ausbildung und Beruf besonders unterstützt werden, meint die Linke.

Islam
Geschichte
Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.
Islam , Christentum und Judentum eint vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer, und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam.
Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka ( Hadsch ). Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten , fast alle übrigen Sunniten .
Mohammed
Mohammed war der Empfänger des Koran : Ihm erschien der Erzengel Gabriel, er gab Gottes Offenbarung an die Mekkaner weiter. Die freilich wollten von der aufrührerischen neuen Lehre zunächst nichts wissen und ihren Polytheismus nicht aufgeben. Mohammed verließ seine Heimatstadt daraufhin und zog mit seinen ersten Unterstützern ins rund 300 Kilometer entfernte Yatrib, das spätere Medina. Dort stieg Mohammed bald zum Führer seiner stetig wachsenden Gemeinde auf. Schließlich schlossen sich auch die Mekanner dem Islam an.
Mohammed war Prophet, Richter, Heerführer und Herrscher in einer Person. Aber anders als etwa Jesus für die Christen ist er nach islamischer Ansicht weder sündenfrei noch göttlichen Ursprungs gewesen. Gleichwohl gilt er den Muslimen als das beste Vorbild. Außer dem Koran sind die Sammlungen von Mohammeds Taten und Aussprüchen deshalb wichtige Texte für die islamische Glaubenspraxis und Rechtsfindung.
Mohammed entstammte einem verarmten Zweig eines wichtigen mekkanischen Stammes, den Koreischiten. Schon bevor ihm der Engel Gabriel erschien, soll er sich regelmäßig als Eremit zum Kontemplieren und Meditieren zurückgezogen haben - eine damals nicht völlig unübliche Praxis. Mit welchen anderen religiösen Vorstellungen Mohammed vertraut war, ob er Umgang mit christlichen oder jüdischen Religionsgelehrten hatte, ist ungewiss. Aber Mohammed war auch Kaufmann, er begleitete Karawanen, zum Beispiel in den syrischen Raum. Es ist wahrscheinlich, dass er dabei mit einer Vielzahl von Glaubensvorstellungen in Berührung kam.
Koran
"Koran" bedeutet in etwa "Das Vorzutragende" und beschreibt die Summe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von Gott empfing - übermittelt durch den Erzengel Gabriel.
Bald nach dem Tod des Propheten (632 n. Chr.) begannen die Versuche, aus den bis dahin vor allem mündlichen Überlieferungen einen gemeinsamen, authentischen und schriftlich kodifizierten Koran zu kompilieren - ein Unternehmen, das erfolgreich war, denn heute gibt es zwar noch einige abweichende Lesarten des Koran, aber im Wesentlichen beziehen sich alle Muslime, egal ob Sunniten oder Schiiten , auf denselben Text.
Der Koran ist in Suren gegliedert, die wiederum aus Versen bestehen. Der Koran ist nach Länge der Suren geordnet - aber auch eine zeitliche Ordnung lässt sich einigermaßen sicher rekonstruieren. So unterschieden sich die sehr früh geoffenbarten Suren stilistisch und inhaltlich deutlich von den späteren, die weniger poetisch sind und zahlreiche klare Anweisungen enthalten.
Nach orthodox-islamischer Vorstellung ist der Koran (anders als die Bibel ) die wörtliche Rede Gottes - er ist deswegen unveränderlich und überall und zu jeder Zeit gültig. Das heißt aber nicht, dass er nicht der Interpretation zugänglich wäre: Zahllose islamische Gelehrte haben dem Koran in 14 Jahrhunderten immer wieder neue Facetten abgerungen und ihn für das tägliche Leben anwendbar gemacht.
Mekka
Mekka ist als Geburtsort des Propheten Mohammed die heiligste Stadt und der wichtigste Wallfahrtsort des Islam . Mittelpunkt Mekkas ist die Kaaba im Hof der Hauptmoschee. Jeder Moslem muss einmal im Leben dieses Heiligtum im Westen von Saudi-Arabien besuchen - vorausgesetzt, seine Gesundheit und finanziellen Mittel lassen die Reise zu. Nicht-Moslems dürfen die nähere Umgebung der Stadt nicht betreten.
In der ganzen Welt richten sich die Gebetsnischen der Moscheen nach Mekka und zeigen damit den Betenden die Richtung an, in die sie sich niederzuwerfen haben.
Mekka ist ein reines Kult- und Kulturzentrum ohne Industrie oder Landwirtschaft.
Kaaba
Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude in Mekka , das heute von einer riesigen Moschee umbaut ist. Sie ist das Zentrum der islamischen Religion, zu ihr wenden sich alle Muslime beim Ritualgebet, zu ihr pilgern alljährlich Millionen Gläubige. Sie umkreisen den Bau und versuchen, den in die Ostecke eingelassenen schwarzen Stein (möglicherweise ein Meteorit) zu küssen.
Schon in vorislamischer Zeit war die Kaaba ein bedeutendes Heiligtum. Nach islamischer Vorstellung ist sie "das erste Haus Gottes auf Erden" (Sure 3, Vers 96), erbaut vom Propheten Abraham. Jedes Jahr zum Ende des Hadsch wird die Kaaba mit einem Überzug aus schwarzem Brokat neu eingekleidet.
Hadsch
Hadsch , die Pilgerfahrt nach Mekka im heutigen Saudi-Arabien ist eine der fünf Säulen des Islam . Sie findet im letzten Monat des islamischen Mondjahres statt. Fast drei Millionen Gläubige nehmen an den Riten teil, zu denen außer dem Umkreisen der Kaaba auch der Aufenthalt am Berg Arafat und eine symbolische Steinigung des Satans gehören. Nach dem Opferfest und der Rückkehr nach Mekka mit erneuter Umrundung der Kaaba endet der Weihezustand (arab. "Ihram"), in dem sich die Pilger befinden, und sie legen das Pilgergewand ab. Fortan dürfen die Männer den Ehrentitel Hadsch bzw. Hadschi führen, Frauen werden Hadscha genannt.
Bilderfeindlichkeit
Der Koran kennt kein Verbot der bildlichen Darstellung. Allerdings bezeichnet eine Vielzahl von Prophetenworten (Hadith) die Nachbildung von Mensch und Tier als blasphemisch und daher als verboten: Gott allein dürfe Lebewesen erschaffen. Daher vertraten sunnitische wie schiitische Rechtsgelehrte seit dem 8. Jahrhundert eine bilderfeindliche Haltung.
Trotzdem entwickelte sich in der islamischen Welt eine reiche Maltradition, die im 12. Jahrhundert in der Buchkunst ihren Ausgang nahm. Im 14. Jahrhundert entstanden sogar Illustrationen, die Szenen aus dem Leben des Propheten Mohammed zeigen. Nur der Koran wurde nie bildlich verziert.

Der Islam an Unis und Schulen
Wo lässt sich Islamische Theologie studieren?
Der Bund fördert den Aufbau von vier Zentren für Islamische Studien mit einigen Millionen Euro: An den Universitäten Tübingen und Erlangen-Nürnberg und an den Doppelstandorten Münster/Osnabrück und Frankfurt/Gießen sollen künftig Religionslehrer und Imame ausgebildet werden, ebenso sollen islam-theologische Wissenschaftler hier studieren und forschen. In Osnabrück begann bereits im vergangenen Herbst ein Weiterbildungsprogramm für Imame.
Wo gibt es islamischen Religionsunterricht?
Wie weit die Bundesländer bei der Einführung des islamischen Religionsunterrichts sind, unterscheidet sich sehr. Modellversuche laufen in Bayern, Berlin, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen; Hessen plant noch, dort gibt es aber an einigen Schuken alevitischen Religionsunterricht.
Welche Probleme gibt es beim Religionsunterricht?
Schon seit 1999 gibt es in NRW die "Islamkunde in deutscher Sprache" - das Fach unterscheidet sich aber von einem bekenntnisorientierten Religionsunterricht im Sinne des Grundgesetzes. Für Islamkunde braucht ein Bundesland keinen Ansprechpartner einer anerkannten Religionsgemeinschaft, für den bekenntnisorientierten Unterricht schon. Sie soll die Grundsätze des Religionsunterrichts definieren, denn der Staat darf die Inhalte nicht vorgeben. Die Religionsgemeinschaft muss aber gewährleisten, dass sie fundamentale Verfassungsprinzipien wie das Rechtsstaats- oder Demokratieprinzip nicht gefährdet. Doch oft fehlt der Ansprechpartner - ein Problem ist der geringe Organisationsgrad, zudem gibt es unterschiedliche Glaubensrichtungen (beispielsweise Sunniten, Schiiten und Aleviten) und ethnische Abgrenzungen zwischen Muslimen verschiedener Herkunftsländer.