Die Rechte gegen NPD: Rempeleien am rechten Rand

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Anhänger der NPD in Ludwigshafen (Archivbild): Terroranrufe gegen Funktionäre

Von wegen Kameraden: In Nordrhein-Westfalen verstärken die NPD und die neugegründete Partei Die Rechte ihren erbitterten Konkurrenzkampf. Sogar von Anschlägen auf führende Kader ist die Rede.

Düsseldorf/Hamburg - Wie viel Platz ist am äußersten rechten Rand? Um diese Frage streiten sich zwei Parteien seit einiger Zeit: Auf der einen Seite steht die NPD, finanzschwach, zerstritten und von einem Verbot bedroht, auf der anderen eine vergleichsweise neue Truppe, die sich Die Rechte nennt. Gegründet von dem Berufsdemonstranten und Neonazi Christian Worch ist sie zum Sammelbecken von frustrierten NPD-Kadern, ehemaligen DVU-Mitgliedern und Autonomen Nationalisten geworden. Jetzt scheint der Extremisten-Zwist vollends zu eskalieren.

Der nordrhein-westfälische Landesverband der NPD beklagt in einem offenen Brief "kriminelle Handlungen, Schikanen und unkameradschaftliche Handlungsweisen". In dem Schreiben listet er zudem eine Reihe von Attacken gegen Parteifunktionäre auf, für die offenbar Anhänger der rechten Konkurrenz verantwortlich gemacht werden sollen. So seien die Dortmunder NPD-Stadträte Matthias Wächter und Axel Thieme angegriffen und bedrängt worden, nachdem zwei führenden "Rechte"-Funktionären, Dennis Giemsch und Michael Brück, im vergangenen Jahr die Aufnahme in die NPD verweigert worden sei.

Die NPD nennt folgende Vorkommnisse:

  • Das Haus und das Auto des Kreisvorsitzenden Wächter sei im vergangenen Juli und im Februar mehrfach besprüht worden, unter anderem mit den Worten "Jude", "Du Ratte", "Spitzel, Spalter, Hurensohn".
  • Das komplette Haus des NPD-Kaders Thieme sei im September 2012 "entglast" worden, heißt es.
  • Die NPD berichtet von "Terroranrufen" gegen ihre Funktionäre. Bis zu 200 sollen es täglich gewesen sein. Wächter soll Drohnachrichten "von bekannten Personen der Partei Die Rechte" bekommen haben, eine lautete: "An deiner Stelle würde ich schnellstens ins Exil verschwinden!" Eine andere nach NPD-Angaben: "Verräterschwein, du mieses Verräterschwein. Verpiss dich, du Bullenspitzel."
  • Bestellungen auf den Namen Matthias Wächter seien bei Pizzadiensten, und Internetwarenhäusern eingegangen.
  • Unter Wächters Auto sei Mitte März ein "selbstgebastelter pyrotechnischer Sprengsatz" explodiert.

"Distanzierung bisher nicht erfolgt"

Der nordrhein-westfälische NPD-Landeschef Claus Cremer bezeichnete die Aktionen gegenüber SPIEGEL ONLINE als "kriminelle Handlungen". Man habe Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet. "Ross und Reiter" wolle man erst nennen, wenn die Staatsschützer Ergebnisse vorlegten. In einem Fall hätten die Beamten vier bis fünf Personen auf frischer Tat ertappen können.

"Wir haben Gespräche mit dem Landesvorstand Die Rechte geführt", so Cremer weiter. Die NPD habe die Führungskader aufgefordert, in den sich verschärfenden Konflikt mäßigend einzugreifen. "Doch eine Distanzierung ist bisher nicht erfolgt."

Christian Worch war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der "Westdeutsche Allgemeinen Zeitung" zufolge bezeichnet seine Partei die Konflikte mit der NPD lediglich als "Reibungspunkte", dies bestätigte Cremer.

"Die Rechte" Dortmund schrieb am Donnerstagabend auf ihrer Facebook-Seite: "Das Niveau sinkt: Nach Staatsschutzaussagen folgen Spiegel-Interviews zu 'innerrechten' Vorgängen." Es sei an der Zeit, dass einige Personen aufwachten und "mit einem Selbstreinigungsprozess in ihrer Partei" begönnen.

Maulkorb für Thorsten Heise

Die Rechte hat für den 1. Mai eine Demonstration in Dortmund angemeldet, die die Polizei allerdings verbieten will. Auf der Kundgebung sollte neben Worch auch der Neonazi Thorsten Heise als Redner auftreten - sehr zum Unmut des NPD-Vorstands. Der erteilte ihm einstimmig einen Maulkorb. Heise ist Vize-Landesvorsitzender der NPD in Thüringen.

"Wir haben Herrn Heise aufgefordert, dies zu unterlassen", so NPD-Sprecher Frank Franz auf Anfrage. "Es ist völlig obskur, dass ein Funktionär der NPD bei der Konkurrenz auftritt." Franz nannte die Rivalitäten zwischen Kadern seiner Partei und der Rechten ein "regionales Phänomen": "Das ist begrenzt auf NRW."

NPD-Chef Holger Apfel versucht seit geraumer Zeit, die Bedeutung der Konkurrenzpartei runterzuspielen: "Herr Worch ist sicher die schlechteste Alternative für die NPD, sich eine neue Zukunft zu suchen."

Allerdings tritt Christian Worch aggressiv auf, wirbt offen um NPD-Anhänger. "An den NPD-Landesverbänden Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen habe ich Interesse, die nähme ich gerne auf", sagte der Neonazi SPIEGEL ONLINE im Dezember. Gleichzeitig nutzt Worch jede Gelegenheit, um Apfel und seine Leute zu provozieren. "Ich habe die NPD lange unterstützt, musste aber feststellen, dass ihre Mängel nicht zu beheben sind. Sie verfolgt einen dogmatischen Alleinvertretungsanspruch, der protostalinistische Züge trägt." Die NPD interessiere sich nur für sich selbst. Von Verfassungsschützern wird Die Rechte als mögliches Auffangbecken der NPD-Mitglieder gesehen, wenn deren Partei verboten werden sollte.

In Nordrhein-Westfalen wird Die Rechte von Giemsch und Brück angeführt, den ehemals bestimmenden Figuren der inzwischen verbotenen Dortmunder Kameradschaft "Nationaler Widerstand". Beide sind keine dumpfen Glatzen, sondern verkörpern einen neuen, vielleicht aber sogar gefährlicheren Typus des Rechtsextremisten: Sie treten smart und gewandt auf und sind dennoch Fanatiker.

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