Grüner Abgeordneter: Ströbele distanziert sich vom Lebensstil der 68er

Ende der sechziger Jahre gingen die Studenten auf die Barrikaden und Hans-Christian Ströbele zum Heiraten in die Kathedrale Notre-Dame: "Das war damals ein aufmüpfiger Akt", sagte der Grünen-Abgeordnete dem SPIEGEL.

Hans-Christian Ströbele: Der 68er Fotos
dapd

Berlin - Hans-Christian Ströbele war schon vieles. RAF-Anwalt, "taz"-Gründer, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Revolutionär, wenn auch nicht unbedingt im Privaten.

Im Jahr 1967 sei er während der beginnenden Studentenproteste nach Paris gereist, um dort in der Kathedrale Notre-Dame zu heiraten, sagte der 73-Jährige dem SPIEGEL. "Das war damals ein aufmüpfiger Akt", sagte Ströbele. "Ich war nicht mal religiös, aber ich fand, zur Hochzeit gehört eine Zeremonie."

Zwar habe er das "Grundprinzip der Apo, alles Hergebrachte auf den Prüfstand zu stellen", für richtig gehalten, sagte Ströbele. "Für mein Privatleben aber habe ich mich anders entschieden."

In Wohngemeinschaften zu leben, wie viele seiner Mitstreiter, sei für ihn auch nichts gewesen: "Ich habe einmal als Student in einer WG gewohnt und dann nie wieder." Schon 1967 habe er sich als Rechtsreferendar eine 1,5-Zimmer-Wohnung "am Rande vom Grunewald" gekauft - "mit Geldern eines Bausparvertrags". Dort lebe heute seine Frau, er selbst wohne seit 26 Jahren in Tiergarten, weil das näher am Kriminalgericht in Moabit gelegen sei.

"Wenn ich das überwunden habe, möchte ich wieder kandidieren"

Vor wenigen Tagen hatte der Altlinke aus Kreuzberg eine erneute Kandidatur für den Bundestag angekündigt. Er hatte seine Partei lange im Unklaren gelassen, weil er an Prostatakrebs erkrankt sei. "Wenn ich das überwunden habe, möchte ich wieder kandidieren", sagte er. Er sei von seiner Genesung bis Ende November überzeugt und wolle sich dann seiner Kandidatur widmen.

Im Jahr 2009 hatte Ströbele den Wahlkreis Kreuzberg-Friedrichshain mit 46,7 Prozent gewonnen - zum dritten Mal in Folge. Er ist der einzige direkt gewählte Bundestagsabgeordnete der Grünen.

Die Begründung des Abgeordneten für seinen Verbleib in der Politik fiel gewohnt selbstbewusst aus: "Ich möchte die Bundestagsfraktion nicht allein lassen", sagte Ströbele. Bei der Aufklärung der Sicherheitspannen rund um die NSU-Morde wolle er weiter mitwirken. Vor allem aber sei in wichtigen Streitfragen wie dem Afghanistan-Einsatz oder der Euro-Rettung seine Rolle "zu sagen, was ist".

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jjc

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1. ach, der schon wieder, oder?
TangoGolf 16.09.2012
Zitat von sysopREUTERSEnde der sechziger Jahre gingen die Studenten auf die Barrikaden und Hans-Christian Ströbele zum Heiraten in die Kathedrale Notre Dame: "Das war damals ein aufmüpfiger Akt", sagte der Grünen-Abgeordnete dem SPIEGEL. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,856094,00.html
Ströbele steht für fast alles, was ich politisch ablehne. Seine Doppelmoral und selektive Weltsicht lassen mich ein ums andre mal fast wütend werden. Allerdings ist er sich immer treu geblieben und dadurch nicht nur autentisch, sondern für einen Politiker auf seine Weise in sich stimmig, ja glaubwürdig. Dafür bekommt er meinen höchsten Respekt.
2. Viel Glück, Herr Ströbele
dontbelievethehype 16.09.2012
Er ist einer der Letzten Grünen, die noch wirklich grün sind. Ich würde es begrüssen, wenn er für eine andere Partei in den Bundestag geht. Ich kann nicht nachvollziehen, wie er es mit diesen Heuchlern a la Trittin aushält. Aber vielleicht mag er ja den Konsens.
3. jetzt..
dekalb 16.09.2012
..konzentriere dich erstmal auf deine gesundheit, christian. alles weitere besprechen wir später.
4. .....
jujo 16.09.2012
Zitat von sysopREUTERSEnde der sechziger Jahre gingen die Studenten auf die Barrikaden und Hans-Christian Ströbele zum Heiraten in die Kathedrale Notre Dame: "Das war damals ein aufmüpfiger Akt", sagte der Grünen-Abgeordnete dem SPIEGEL. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,856094,00.html
Das ist ja schon Ironie, nach aussen den Weltverbesserer geben, durchaus positiv gemeint! Im Privatem aber die Fessln der Bürgerlichkeit seiner Abstammung nicht abstreifen zu können. Andere nennen so etwas Salonsozialistisches Verhalten, s. Lafontaine, Wagenknecht und andere. Ein guter Freund sagte seinerzeit (1968) man muss sich seine soziale Gesinnung auch leisten können! Also bitteschön, mit EW und warmen Brötchen zum Frühstück! Zur Revolution aber mit eigenem Auto, nicht per Anhalter oder gar zu Fuss! Ströbele fährt nicht Fahrrad in Berlin weil es opportun ist, sondern aus rationalen praktischen Gründen!
5. Weiter so
halodri666 16.09.2012
Hans-Christian Ströbele ist einfach unverzichtbar für die deutsche Politik. Einer der sich nicht unterordnet und kosequent seinen Weg geht. Hoffentlich bleibt er der Politik noch lange erhalten.
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