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Stromausfall im Bundestag Toilettenverbot für Abgeordnete

Wartende vor dem Reichstag: Auch die Sicherheitssysteme für Besucher fielen ausZur Großansicht
DPA

Wartende vor dem Reichstag: Auch die Sicherheitssysteme für Besucher fielen aus

Ausgefallene Toiletten, nutzlose Steckdosen: Ein Stromausfall im Bundestag hat den politischen Betrieb gelähmt. Schuld waren defekte Kabel. Wer arbeiten wollte, verzweifelte. Und so entschieden sich viele für den frühen Feierabend - noch vor der Mittagspause.

Ausnahmezustand im Bundestag: Wer an diesem Nachmittag das Reichstagsgebäude betritt, wird empfangen wie in einem Hotel: Die elektrischen Türen sind außer Betrieb, stattdessen stehen die Empfangsmitarbeiter am Eingang und halten den Ankommenden die Tür auf - viele sind es nicht. Am gegenüberliegenden Ausgang staut es sich, immer mehr Mitarbeiter der Fraktionen machen um 11.30 Uhr Feierabend.

Den Mitarbeitern der Unionsfraktion sei nahegelegt worden, nach Hause zu gehen, sagte ein Sprecher. Die FDP-Fraktion ordnet für 13 Uhr eine "Dienstbefreiung" an. Mehrere Büros stellen ihre Telefonleitungen auf die Wahlkreisnummer um.

Der Grund für das Durcheinander: Bei Tiefbauarbeiten beschädigte eine Baufirma drei Stromkabel in Berlin-Mitte, wie eine Sprecherin des Berliner Energiekonzerns Vattenfall mitteilte. Die Folgen: Im gesamten Bundestag und seinen Nebengebäuden ist der Strom ausgefallen. Das Unternehmen erklärte zwar, die defekten Kabel schnell reparieren zu wollen. Bis 16 Uhr würden die Bundestagsmitarbeiter jedoch ohne Strom auskommen müssen. Dank Notstromversorgung war die Regierungszentrale aber kaum betroffen. "Kanzleramt und Presseamt nicht betroffen, alles funktioniert bestens", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Auf dem Flur der Grünen-Fraktion herrscht geschäftiges Treiben: Viele Mitarbeiter laufen scheinbar ziellos umher, stehen vor den Büros und unterhalten sich. Ein Großteil ihrer Arbeit lässt sich nicht erledigen: Computer, Internet, Steckdosen - alles ohne Funktion. Lediglich das Telefon und die Aufzüge funktionieren noch.

Im Büro vom Grünen-Abgeordneten Wolfgang Wieland ist die Stimmung trotzdem gut. Auf dem Tablet-Computer verfolgt er die Nachrichtenlage. "Man muss heute ohnehin wireless sein, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben", sagt Wieland - den Stromausfall nimmt er gelassen. "Ich stamme noch aus der Aktenordner-Zeit, und es gibt immer genug Papier wegzuheften", sagt Wieland.

Glück für Wieland: Der Stromausfall kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. In dieser Woche finden keine Sitzungen im Bundestag statt. Eine Woche später wäre vermutlich das Chaos ausgebrochen unter den Abgeordneten. "Momentan sind die Büros spärlich besetzt, und wer aus dem Rheinland kommt, feiert ohnehin Karneval", sagt Wieland.

Ein technischer Mangel setzt jedoch auch politische Routiniers unter Druck: Die Toiletten dürfen nicht mehr bedient werden, die Bundestagspolizei hat es verboten. Per Lautsprecherdurchsage informiert sie die Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen: "Achtung Durchsage, hier spricht die Polizei des Bundestags. Wegen Stromausfall ist die Benutzung der Toiletten untersagt." Vom Stromausfall seien auch die Klospülungen betroffen.

"Ein nicht zu unterschätzendes Problem", sagt eine Mitarbeiterin der Grünen. In diesem Punkt verliert auch Wieland seine Gelassenheit. Er findet, dass die Polizei zu weit geht. "Sie kann den Abgeordneten nicht einfach vorschreiben, wann sie aufs Klo zu gehen haben und wann nicht", sagt Wieland, der bis 2002 Berliner Justizsenator war. Immerhin habe die Polizei nun auch einen Lösungsvorschlag gemacht. Bis auf weiteres seien die Toiletten in den Gebäuden Luisenstraße und Unter den Linden zu benutzen.

Auch im Internet stößt der Stromausfall auf großes Interesse: Auf Twitter sammeln sich bereits Hunderte Einträge, im Minutenrhythmus kommen neue hinzu: "'Wir sind arbeitsunfähig' ist eine prima Selbstreflexion", schreibt der User "SU2001" mit Blick auf eine Stellungnahme der Grünen-Fraktion vom Vormittag. "Aber was hat das mit dem Stromausfall zu tun?"

mit dpa

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