Strommarkt E.ON legt Atommeiler still

Wegen Überkapazitäten auf dem Strommarkt will der E.ON-Konzern rund 15 Prozent seiner Kraftwerkskapazitäten vom Netz nehmen. Darunter auch das AKW Stade.


München - E.ON wird rund 4800 Megawatt vom Netz nehmen und dabei bundesweit 1500 Arbeitsplätze abbauen. Dies geschehe überwiegend im Jahr 2001, sagte der E.ON-Energievorstandschef Hans-Dieter Harig am Montagabend in München. Das Atomkraftwerk Stade soll im Jahr 2003 abgeschaltet werden. Die Restlaufzeit bis 2004 würde damit nicht voll ausgenutzt werden. Der Grund: Erhebliche Überkapazitäten auf dem Strommarkt. Insgesamt sind neun Kraftwerksstandorte in Deutschland von den Stilllegungen betroffen.

Das AKW Stade geht früher als geplant vom Netz
DPA

Das AKW Stade geht früher als geplant vom Netz

Neben Stade werden einzelne Kohle-, Gas- und Öl-Kraftwerke sowohl in Nord- und Süddeutschland als auch im Ruhrgebiet abgeschaltet. Zu den betroffenen Standorten zählen Arzberg, Aschaffenburg, Franken II in Frauenaurach, die Kraftwerksgruppe West im Ruhrgebiet, das Kraftwerk Offleben und das Kraftwerk Schwandorf. Außerdem sollen verschiedene Kraftwerksblöcke in Arzberg, Emden, Pleinting und Teile des Kraftwerks Staudinger vorübergehend eingemottet werden. Harig erwartet über die nächsten zehn Jahre durch die Maßnahmen Ertragsverbesserungen von rund 1,4 Milliarden Mark.

Auch der größte deutsche Stromkonzern RWE will nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) mehrere Kraftwerke stilllegen. Neben einem Verzicht auf das bereits 1988 abgeschaltete Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich sollten zwei Blöcke des Kohlekraftwerks Westfalen in Hamm außer Betrieb genommen werden, schreibt das Blatt. Stillgelegt würden auch das Gaskraftwerk Meppen sowie einer der beiden Gasblöcke am Standort Emsland. Das Atomkraftwerk Lingen in unmittelbarer Nähe werde dagegen am Netz bleiben.

Stade wäre das erste Atomkraftwerk in Deutschland, das nach dem Atomausstiegskonsens zwischen der Bundesregierung und den Atomkraftwerksbetreibern stillgelegt wird. Es ist eines der ältesten deutschen Atomkraftwerke mit einer Leistung von 500 Megawatt. Beim Atomkonsens war für den niedersächsischen Meiler eine Restlaufzeit bis 2004 angegeben worden. Die verbleibende Stromproduktionsmenge kann auf modernere Atomkraftwerke übertragen werden.

In der Energiewirtschaft wird mit der Stilllegung von Kraftwerken auch bei den anderen Stromkonzernen gerechnet. Derzeit beträgt die Überkapazität in Europa nach Schätzungen rund 40.000 Megawatt, in Deutschland sollen es allein mindestens 10.000 Megawatt sein.



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