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Ausgabe 5/2015

Studie: Deutsche sehen Israel immer kritischer

Kundgebung gegen Judenhass in Berlin (Archivbild): Israelbezogener Antisemitismus wächst Zur Großansicht
DPA

Kundgebung gegen Judenhass in Berlin (Archivbild): Israelbezogener Antisemitismus wächst

Während Israel zunehmend positiv über Deutschland denkt, blicken die Deutschen immer negativer auf das Land im Nahen Osten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie. Experten warnen: Antisemitismus nimmt zu.

Berlin - 50 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen beider Nationen haben 48 Prozent der Deutschen eine schlechte Meinung über Israel. Das geht aus einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung hervor. Bei den Menschen zwischen 18 bis 29 Jahren sind es sogar 54 Prozent. Fast zwei Drittel der Deutschen bewerten die Arbeit der israelischen Regierung als negativ.

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Ganz anders der Blick Israels auf Deutschland: Laut der Studie haben 68 Prozent der befragten jüdischen Israelis ein positives Bild von Deutschland.

Die Forscher stellen außerdem fest: Israelbezogener Antisemitismus wächst. Ein Beispiel: Während 2007 rund 30 Prozent der Deutschen die israelische Politik gegenüber den Palästinensern mit dem Nationalsozialismus gleichsetzten, waren es zuletzt schon 35 Prozent.

Der Israel-Experte der Bertelsmann Stiftung, Stephan Vopel, sagt, Deutschland und Israel hätten aus der Geschichte andere Schlüsse gezogen: "Für die Deutschen gilt die Maxime 'Nie wieder Krieg', für die Israelis heißt es 'Nie wieder Opfer'."

Bereits vor wenigen Tagen war eine Studie im Auftrag der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zu dem Ergebnis gekommen, dass mehr als zwei Drittel der Israelis positiv über die Bundesrepublik denken.

Unterdessen hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, aus Anlass der Auschwitz-Befreiung vor 70 Jahren gefordert, dass alle Schüler in Deutschland eine KZ-Gedenkstätte besuchen müssten. "Theorie und Unterricht sind schließlich die eine Sache, das konkrete Erleben vor Ort, die plastische Anschauung die andere", sagte Schuster. Schuster schlug vor, dass "jeder Schüler ab der neunten Klasse verpflichtend eine KZ-Gedenkstätte besucht".

Die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau in Polen durch die Rote Armee jährt sich am Dienstag zum 70. Mal. Zwischen 1940 und 1945 wurden dort rund 1,1 Millionen Menschen ermordet, die meisten von ihnen Juden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt am Montag in Berlin an einer zentralen Auftaktveranstaltung des weltweiten Gedenkens teil.

mka/dpa/AFP

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