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Studie: Jeder vierte Deutsche ausländerfeindlich eingestellt

In Sachen Ausländerfeindlichkeit hat der Westen den Osten Deutschlands eingeholt. Das hat eine Studie der Universität Leipzig ergeben. Jeder vierte Deutsche äußerte sich danach ausländerfeindlich. Viele Befragte gaben an, die Bundesrepublik sei "überfremdet".

Leipzig - Der Untersuchung der Universität Leipzig zufolge stimmen 38 Prozent der Bevölkerung der Aussage zu: "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maße überfremdet". Jeder vierte bejahte den Satz: "Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige, starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert."

Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass vielen rechtsextremen Aussagen mehr Westdeutsche als Ostdeutsche beipflichteten. So hätten 16 Prozent der Befragten im Westen der Aussage "ohne Judenvernichtung würde man Hitler heute als großen Staatsmann ansehen" zugestimmt. Dies sahen nur sechs Prozent der Befragten im Osten Deutschlands so.

Gerade antisemitische Positionen sind der Studie nach im Westen stärker verbreitet: Den Satz "auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß" bestätigten dort 21 Prozent, im Osten waren es nur zwölf Prozent. "In Sachen Ausländerfeindlichkeit hat der Westen den Osten eingeholt", konstatierten die den Autoren der Studie.

Als Hauptursache für diese "alarmierende Entwicklung" nannte Elmar Brähler, Leiter der Studie, die hohen Zustimmungswerte bei so genannten Modernisierungsverlierern. Die Wirtschaftskrise und der Umbau des Sozialstaates seien nun auch in bildungsnahen Schichten zu spüren, erklärte der Leipziger Psychologie-Professor. Der Mittelstand sei von sozialer Deklassierung bedroht, wie sie bisher in dieser Breite nur Angehörigen bildungsferner Schichten drohte. "Rechtsextremismus und Antisemitismus scheinen stabile Einstellungsmuster zu sein, die bei sozialen Krisen aus der Latenz treten", fügte der an der Studie beteiligter Psychologe Oliver Decker hinzu.

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass ältere Menschen rechtsextremen Aussagen eher zustimmen als jüngere. Das Geschlecht spielte dagegen als Einflussfaktor eine eher geringe Rolle. Für die Erhebung waren im vergangenen Jahr rund 2500 Bundesbürger befragt worden.

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