Stuttgart 21: Bahn rechnet mit einer Milliarde Mehrkosten
Das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 dürfte deutlich teurer werden als geplant. Die Bahn rechnet offenbar damit, dass die Kosten um eine Milliarde Euro steigen. Die Bundesregierung kündigte bereits an, kein zusätzliches Geld zur Verfügung zu stellen.
Berlin - Es wird immer teurer. Das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 dürfte nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen der Bahn rund eine Milliarde Euro mehr kosten als bisher geplant. Der Aufsichtsrat wird sich mit den Kosten am 12. Dezember befassen. Wie es hieß, wurden die Aufsichtsräte bislang nicht über Details informiert. Diese sollen sie erst in der Sitzung des Kontrollgremiums erhalten. Nach bisheriger Kalkulation sollte der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs in einen Tiefbahnhof 4,5 Milliarden Euro kosten - nun werden es offenbar 5,5 Milliarden.
An ein Ende des Projekts denkt die Bahn trotz Kostenexplosion laut einem Zeitungsartikel nicht. "Ein Ausstieg ist ausgeschlossen", sagte ein Bahnmanager der "Welt". "Die Kosten, die uns dann entstünden, wären am Ende höher als die jüngste erwartete Kostensteigerung".
Am Wochenende hatte die "Bild am Sonntag" bereits von erwarteten Kostensteigerungen um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag berichtet. Den jüngsten Meldungen zufolge geht es nun um noch mehr Geld. Als Grund für die Mehrkosten gab die "BamS" die jahrelange Bauverzögerung an.
Der SPIEGEL hatte bereits im November 2011 berichtet, Landesbeamte aus Baden-Württemberg hätten auf Grundlage von Bahn-Unterlagen Gesamtkosten von mindestens 4,9 Milliarden Euro kalkuliert. Für wahrscheinlicher hielten sie sogar einen Endbetrag von bis zu 6,5 Milliarden. Dies ging aus einer internen Kostenrechnung und einem ausführlichen Vermerk vom Herbst 2009 aus dem damals zuständigen Innenministerium hervor.
Die Bundesregierung kündigte am Montag an, keine weiteren Gelder zur Verfügung zu stellen. "Der Bund gibt 563,8 Millionen Euro. Die stehen mit oder ohne Stuttgart 21 zur Verfügung", sagte der Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in Berlin. Das Geld sei für den Neubau der Strecke Wendlingen - Ulm vorgesehen. "Für den Bund besteht dieser Deckel", betonte der Sprecher.
Wenn Mehrkosten anfallen, müssten die dafür verantwortlichen Projektpartner klären, wie diese verteilt werden: die Deutsche Bahn, die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg. Die Bahn analysiere derzeit die Folgen möglicher Mehrkosten. "Die Signale, die wir aus dem Konzern hören, sind: Es ist nach wie vor wirtschaftlich", betonte der Sprecher Ramsauers.
Fritz Kuhn schloss nach seiner Wahl zum Stuttgarter Oberbürgermeister Ende Oktober in einem SPIEGEL-Interview Nachzahlungen der Stadt für den Bau von S21 kategorisch aus. Wenn schon das Geld knapp werde, bevor es mit dem Bau überhaupt richtig losgeht, sei das das Problem der Bahn.
ler/dpa
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