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Stuttgart 21: Bahn soll höhere Kosten verschwiegen haben

Die Bahn soll viel früher von höheren Kosten für Stuttgart 21 gewusst haben als bisher bekannt. Der "Stuttgarter Zeitung" zufolge rechneten die Planer schon Ende 2008 mit fast vier Milliarden Euro. Im Vertrag gaben sie Monate später aber noch drei Milliarden an. Die Bahn weist den Vorwurf zurück.

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Protest gegen Stuttgart 21: Die Bahn soll Erkenntnisse über Kostensteigerungen zurückgehalten haben

Stuttgart - Die "Stuttgarter Zeitung" erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bahn. Demnach soll sie bei der Unterzeichnung der Finanzierungsverträge über Stuttgart 21 im April 2009 deutliche Kostensteigerungen verschwiegen haben. Statt der im Vertrag genannten 3,076 Milliarden Euro hätten die Bahnplaner bereits Ende 2008 Kosten von 3,93 Milliarden Euro ermittelt, schreibt die Zeitung. Das gehe aus dem Bericht der Wirtschaftsprüfer hervor, die im Rahmen der Schlichtung die Kalkulation für den Bau des Tiefbahnhofs untersucht haben. Der Grünen-Verkehrsexperte Werner Wölfle sprach von Täuschung.

Die Bahn wies die Vorwürfe zurück. Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Verträge sei die Entwurfsplanung noch nicht abgeschlossen gewesen. "Deshalb konnte man auch keine Aktualisierung der Kostenberechnung vornehmen", sagte ein Sprecher. Die Entwurfsplanung sei im Juli 2009 fertig gewesen, und im Dezember 2009 seien die Kosten für den Bau des Bahnhofs und der Anbindung an die geplante Schnellbahnstrecke nach Ulm dann auf rund 4,1 Milliarden Euro korrigiert worden. Auch diese Kalkulation halten Kritiker für schöngerechnet.

Sollte die SPD nach der Landtagswahl regieren, soll es eine Volksabstimmung über Stuttgart 21 erst geben, wenn die Ergebnisse des Stresstests für den Tiefbahnhof vorliegen. "Wir hängen nach dem Schlichterspruch in der Luft", sagte SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid. Die Bahn hat das Resultat der vom Schlichter Heiner Geißler empfohlenen Computersimulation zur Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofes erst für Mitte kommenden Jahres angekündigt.

Schmid sagte, erst das Ergebnis des Tests gebe Klarheit über die endgültigen Kosten. Ein Resultat könnte sein, dass Nachbesserungen notwendig werden. Auch die Grünen im Landtag wollen erst nach dem Ende des Tests das Volk befragen, wenn sie nach der Wahl am 27. März an die Regierung kommen sollten.

ler/dpa

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genugistgenug 07.12.2010
Zitat von sysopDie Bahn soll*viel früher von höheren Kosten für Stuttgart 21 gewusst haben als bisher bekannt. Der "Stuttgarter Zeitung" zufolge rechneten die Planer schon Ende 2008 mit fast vier Milliarden Euro. Im Vertrag gaben sie Monate später aber noch drei Milliarden an.*Die Bahn dementiert den Vorwurf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,733415,00.html
Was denn sonst? Das die ganzen Zahlen politisch berechnet wurden ist klar erkennbar. Hauptsache der Auftrag wird vergeben und danach das werden die Kosten ganz überraschend explodieren. Gleichzeitig wird abkassiert auf Teufel komm raus. Übrigens die ganze Kohle kommt vom Bund - die Bahn zockt 15% Planungspauschale ab - den Umbau K21 müsste die Bahn alleine berappen.
2. Politische Zahlen
marasek, 07.12.2010
Der Mengenlehre müsste man eigentlich eine neue Zahlenklasse spendieren, politische Zahlen (P). Letzlich ist es eg fast egal. Die Politiker wollten an dieser Stelle belogen werden bzw. wussten Bescheid, und letzten Endes weiss ohnehin jeder, der nur ein paar Bauprojekte der Bahn anschaut, dass die Kosten ohnehin steigen werden. Das liegt allermindestens schon mal darin begründet, dass man mit einem halbfertigen Tunnel im Boden kaum mehr eine andere Wahl hat, als die Sache fertig zu bauen.
3.
pussinboots 07.12.2010
Ach, was für eine überraschende Nachricht ! http://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/geheime-akten-stuttgart-21-nichts-als-chaos-1608267.html Schildbürger am Werk ? Gruß der gestiefelte Kater
4. naja
Danex, 07.12.2010
die rechnung ist ganz einfach.... die geplanten kosten mit 2 multiplizieren. (sind wir schon bei 8mill.) Dazu werden noch kosten in höhe von 50% der ursprünglich geplanten konsten addiert. diese entstehen durch "unvorhersehbare" ereignisse/gegebenheite und verzögerungen (+2). Also wird der Bahnhof ca. 10mill. kosten!!!!! und wer zahlt es? der "dumme" steuerzahler natürlich! Die rechnung ist auf alle vom staat finanzierte bauvorhaben anwendbar!
5. Die Sache wird langweilig
Chirac, 07.12.2010
Zitat von sysopDie Bahn soll*viel früher von höheren Kosten für Stuttgart 21 gewusst haben als bisher bekannt. Der "Stuttgarter Zeitung" zufolge rechneten die Planer schon Ende 2008 mit fast vier Milliarden Euro. Im Vertrag gaben sie Monate später aber noch drei Milliarden an.*Die Bahn dementiert den Vorwurf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,733415,00.html
Ja und? Inzwischen kippt die Stimmung in Stuttgart und ganz BW. Die Mehrheit w i l l jetzt S21. Nach der Schlichtung gibt es keinen vernünftigen Grund weiter zu demonstrierenm zu räsonieren und alles besser zu wissen. Die Sache ist durch, nur die Grünen und die Parkschützer haben es noch nicht gemerkt.
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Interaktive Grafik
"Stuttgart 21": Um diese Flächen geht es

Stuttgart 21
Von der Abrissliste bis zum Zeitplan, ein Überblick über die Streitpunkte beim Milliardenprojekt
Abrissliste
DPA
Im August wurde mit den Abrissarbeiten begonnen. Ganz oben auf der Liste: Nord- und Südflügel des Hauptbahnhofs. Nur das Hauptgebäude steht unter Denkmalschutz. Stuttgart-21-Gegner wollen den Gesamtbau erhalten, ohne Erfolg. Der Nordflügel wurde vollständig abgetragen, den Abriss des Südflügels hat die Landesregierung aufgeschoben - als wohlwollendes Signal an die Demonstranten, so Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU).
Anhydrit
Laut der Stuttgart-21-Pläne sollen die Zugstrecken im Stadtgebiet unterirdisch verlaufen. Insgesamt 20 Bahntunnel müssen gebaut werden - im äußerst schwierigen schwäbischen Bodengestein. Vor allem das Mineral Anhydrit sorgt für Ärger. Wird es nass, entsteht ein aufquellender Gips mit Sprengwirkung: Der Boden kann sich anheben, umliegendes Gestein wird porös. Geologen fürchten, dass bei den umfangreichen Tunnelarbeiten Anhydrit den Boden in der Stadt absacken lässt. Befürworter verweisen auf die Stuttgarter U-Bahn - bei deren Bau habe es keine Probleme gegeben.
Baustopp
dapd
Das oberste Nahziel der Demonstranten. Protestgruppen aus dem Aktionsbündnis "gegen Stuttgart 21" fordern einen sofortigen Bau- und Vergabestopp - erst dann wollen sie mit Landesregierung und Bahn verhandeln. Doch diese lehnten die Bedingung stets kategorisch ab, weil sie der Bahn hohe finanzielle Verluste beschert. Streitschlichter Heiner Geißler verkündete erst, dass er einen Baustopp erreicht habe, wurde dann aber von Bahn und Regierung zurückgepfiffen.
Durchgangsbahnhof
DPA
Der Hauptstreitpunkt bei Stuttgart 21: Der Bahnhof soll unter die Erde verlegt werden, der alte Kopfbahnhof von einem unterirdischen Durchgangsbahnhof ersetzt werden. Die acht Gleise verlaufen in elf Metern Tiefe quer zu den alten Gleisen in Ost-West-Richtung. Für Tageslicht im Tiefbahnhof sollen Lichtaugen sorgen, die in den Schlossgarten eingebaut werden. Eine Verschandelung des Parks, sagen Kritiker. Eine Visitenkarte für die Stadt, sagt die Bahn.
Europaviertel
Auf der Fläche der alten Gleisanlagen soll ein neues Stadtviertel entstehen. Rund hundert Hektar Neubaufläche in bester innerstädtischer Lage. Investoren und Bauunternehmer können sich freuen, Stuttgart-21-Gegner befürchten ein seelenloses Büroviertel im Herzen der Stadt.
Kopfbahnhof 21
dpa
Es ist das Alternativkonzept der Gegner. Sie wollen den bestehenden Bahnhof modernisieren. Er bekäme zwei zusätzliche Gleise, die ihn mit der Neubaustrecke Richtung Ulm verbinden. Diese Variante würde Milliarden sparen, sagt die Initiative Kopfbahnhof 21, vor allem weil weniger Tunnel unter der Stadt gebaut werden müssten. Der Fahrzeitgewinn wäre dann allerdings geringer.
Kosten
ddp
Momentan sagt die Bahn, das Riesenprojekt koste 4,1 Milliarden Euro. Viel zu niedrig, sagen Kritiker. Schon der Bundesrechnungshof rechnete 2008 mit mindestens 5,3 Milliarden. Die geschätzten Kosten sind immer weiter angestiegen. Zuletzt wurde die Kalkulation für die Neubaustrecke nach Ulm um 865 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro erhöht. Die Schätzungen für die Gesamtkosten schwanken zwischen sieben und elf Milliarden. Weil Bauverträge seit Ende 2009 rechtskräftig sind, wäre auch ein Ausstieg teuer.
Magistrale
DPA
Der zweite große Pfeiler von Stuttgart 21: Zwischen Wendlingen im Südosten Stuttgarts und Ulm soll eine Hochgeschwindigkeitsstrecke entstehen. Damit wird die Fahrzeit von Ulm nach Stuttgart von 54 auf 28 Minuten halbiert. Bislang muss selbst der ICE mit Tempo 70 über die alte Strecke, die Geislinger Steige, schleichen. Die Trasse ist Teil der "europäischen Magistrale Paris-Bratislava", einer internationalen Hochgeschwindigkeitsstrecke. Deshalb sei ein Ausbau wichtig für ganz Europa, sagen Befürworter.
Schlossgarten
AFP
Die grüne Lunge Stuttgarts. Die 600 Jahre alte Parkanlage grenzt an die Gleise des alten Bahnhofs. Für den neuen Tiefbahnhof sollen hier knapp 300 alte Eichen, Platanen und Rosskastanien gefällt werden. Als die Rodung Ende September beginnen sollte, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten. Die Bahn hat zugesagt, nach Ende der Bauarbeiten neue Bäume zu pflanzen.
Zeitplan
DPA
Bereits 1994 stellte die Bahn das Projekt Stuttgart 21 vor, der Entwurf für den Tiefbahnhof stand drei Jahre später. Seitdem hat es zahlreiche Verzögerungen gegeben. Im Februar 2010 begannen die Bauarbeiten am Hauptbahnhof. Laut Bahn soll im Sommer 2012 mit der Baugrube für den Tiefbahnhof begonnen werden. Nach heutigem Zeitplan sollen die Stuttgart-21-Arbeiten Ende 2019 abgeschlossen sein.

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