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Stuttgart 21: Grube setzt auf Entweder-oder-Strategie

Von , Stuttgart

Es ist eine Kampfansage an Stuttgart-21-Gegner. Bahn-Chef Grube hat einen Baustopp kategorisch ausgeschlossen. Bei einer Podiumsdiskussion verteidigte er das Projekt leidenschaftlich - und machte klar, dass es für ihn keinen Kompromiss gibt: "Es geht nur um ein Ja oder Nein".

Bahn-Chef Grube: Verfechter von Stuttgart 21 Fotos
dapd

Dann haben sie ihm doch noch das Mikrofon gegeben. Klaus Steinke, Unternehmer aus Stuttgart, tritt vor das Podium und sagt: "Ich möchte dem Eindruck entgegenwirken, dass alle Unternehmer für Stuttgart 21 sind." Ein Murren geht durch die Menge im Mozartsaal, auf den hinteren Rängen klatschen einige wenige wild.

Bahn-Chef Rüdiger Grube streckt den Rücken durch. Steinke trägt einen weinroten Schal mit Paisleymuster um den Hals, eine randlose Brille und am Revers den grünen "Oben bleiben"-Anstecker, der ihn als Gegner des umstrittenen Bahnprojekts identifiziert.

Überhaupt genügt an diesem Montagabend in der Stuttgarter Liederhalle ein Blick auf die Revers der dunklen Anzüge, um zu wissen, welches Ziel diese Veranstaltung hat. Schon an der Garderobe liegen die "Für S21"-Buttons parat, manche Kostümträgerinnen im Saal haben die lilafarbene "Frauen für S21"-Variante gewählt oder die mit dem roten Herz.

"Es gibt kein Dazwischen", sagt Rüdiger Grube. Er trägt ein silbernes DB-Logo am Jackett. "Es geht nur um ein Ja oder Nein."

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) der Region Stuttgart hat zur Fragestunde mit dem Bahn-Chef eingeladen, rund 750 Gäste waren akkreditiert, darunter viele Mittelständler, treue Mitglieder, die überwiegende Mehrheit davon erklärte Befürworter des milliardenschweren Infrastrukturprojekts. Für die versammelten schwäbischen Markführer unter ihnen, die "Hidden Champions" der Dübel-, Schrauben- oder Elektrometall-Branche, ist die Tieferlegung des alten Bahnhofs ein "Standortfaktor" und "einmaliges Generationenprojekt".

Die Nachricht des Abends wird daher mit Applaus begrüßt: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, lehnt einen Baustopp für das Bahnprojekt Stuttgart 21 kategorisch ab - auch für die Zeit möglicher Schlichtungsgespräche: "Es kann und darf keinen Bau- und Vergabestopp geben."

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Stuttgart 21: Ein Bahnhof wird tiefergelegt
Normalerweise finden solche Diskussionsabende in der Stuttgarter IHK-Geschäftsstelle statt. Normalerweise stehen dort keine misstrauischen Sicherheitsleute mit Walkie-Talkies am Eingang. Normalerweise gilt eine fristgerechte Anmeldung automatisch als Eintrittskarte. Doch die Zahl der Interessenten überstieg schon kurz nach Bekanntgabe des Termins mit Grube vor wenigen Wochen die gewohnten Kapazitäten. "Ja, das ist schon außergewöhnlich", sagt Bernd Engelhardt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, "normalerweise müssen wir niemanden abweisen."

Aber was ist schon normal in diesen Tagen in Stuttgart. Seit Wochen demonstrieren Zehntausende in der Stadt gegen das milliardenschwere Bahnprojekt, fordern ein Moratorium und den Rücktritt von Ministerpräsident Stefan Mappus. Und so wurde die Runde mit Grube kurzerhand in die Liederhalle verlegt. Hier hat schon so mancher Schlagerstar gastiert. Nebenan im Beethoven-Saal spielt an diesem Abend das Stuttgarter Staatsorchester Brahms. Von draußen ertönt gedämpft das Vuvuzela- und Trillerpfeifen-Konzert der Gegner.

Ein leidenschaftlicher Bahn-Chef

Was dem Stuttgarter "Vogel Strauß"-Oberbürgermeister Wolfgang Schuster fehlt, was CDU-Landesvater Mappus über Wochen zu vermitteln versäumt hat, Konzernchef Grube schenkt es seinen Zuhörern: Leidenschaft. In einer sachlichen, aber mitreißenden Tour de Force reitet Grube ohne Punkt und Komma durch die S-21-Themenpalette.

Gleisverlegungen, Grundwasser, Gipskeuper. Grubes Arme sind ausgebreitet, seine Finger greifen in die Luft, als würde er die Tunnelröhren durch den Stuttgarter Untergrund am liebsten eigenhändig graben.

Taktzeiten, Kostenplanungen, Kannibalisierungsängste. "Kommen wir eigentlich noch zum Thema Europa?", fragt er den Moderator in einer Atempause.

Fakten, Fakten, Fakten. Am Ende greift Grube erschöpft zum Wasserglas, seine Botschaft: Ich stelle mich jeder Frage. "Es ist immer schwerer, dafür zu sein als dagegen."

Grube will Geißler-Schlichtung unterstützen

Die Schlichtungsgespräche, die der ehemalige CDU-Generalsekretär und heutige Attac-Aktivist Heiner Geißler moderieren soll, nennt Grube "einen längst überfälligen Dialog". Er gibt sich sichtlich Mühe, trotz aller Aufregung den zarten politischen Waffenstillstand in Stuttgart nicht unnötig zu torpedieren. Es gelingt ihm nicht immer. Denn auch wenn die Befürworter des Projekts nicht zur Sirene oder dem Topfdeckel greifen, das Thema Stuttgart 21 ist auch auf ihrer Seite längst so emotional wie eine Achterbahnfahrt.

Daher nutzt Grube seinen Auftritt vor allem, um klarzustellen, "dass ich als Vorstandsvorsitzender gar nicht alles machen darf, was die Gegner von mir fordern". So könne er beispielsweise kein laufendes Ausschreibungsverfahren unterbrechen oder mittendrin alle Zahlen öffentlich machen. "Da freuen sich natürlich alle beteiligten Bewerber", die Geschäftsleute im Mozartsaal grinsen, als Grube weiterspricht, "aber ich mache mich strafbar". Doch auch wenn Grube, zum Beispiel in Sachen Grundwasserregulierung, auf stur stellt - "vier Wochen Baustopp kosten rund zehn Millionen Euro" - will er die Geißler-Gespräche unterstützen.

"Wir haben keine Geheimnisse"

Alle Fakten müssten nun strukturiert durchdekliniert werden, findet der Bahn-Chef. "Wir haben keine Geheimnisse vor Herrn Geißler", erklärt Grube. Er schlägt vor, dem unparteiischen Schlichter einen von beiden Seiten akzeptierten Wirtschaftsprüfer an die Seite zu stellen. "Der soll eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben, und dann setzen wir ihn in ein Zimmer und legen alle Papiere vor ihm offen auf den Tisch. Dann soll er sein fachkundiges Urteil über die Wirtschaftlichkeitsrechnung dieses Projekts fällen."

Grube gibt sich überzeugt davon, dass sich Stuttgart 21 selbst bei einem Kostenaufwand jenseits der politischen "Sollbruchstelle" von 4,5 Milliarden Euro "rechnet": "Ich versichere Ihnen, und da bin ich viel zu sehr Cent-Fuchser, es rechnet sich sogar bis zu 4,8 Milliarden." Die Planungen zum jetzigen Zeitpunkt zu stoppen, sei überhaupt keine Alternative: "Das Geld ist projektgebunden. Wenn Stuttgart es nicht nimmt, landet es irgendwo bei Herrn Schäuble im Bermudadreieck."

Aus dem Kampf der Zahlen, den Grube seit Monaten, seit Jahren kämpft, ist längst ein Kampf um Glaubwürdigkeit geworden. Zwischendurch, wenn er den Moderator herausfordernd ansieht, gewinnt man den Eindruck, er würde statt zustimmendem Applaus gerne noch ein paar Widerworte hören.

"Ein zweites Stuttgart 21 wird es mit mir als Bahn-Chef nicht noch einmal geben", ruft Grube in den Saal, als wende er sich an die Protestierenden vor der Tür, "wir können nichts mehr ohne den Willen der Bürger machen - aber wir werden es nie allen recht machen können".

Dann tritt doch noch der Unternehmer Klaus Steinke nach vorne. Grube wirkt begeistert. Laut einer aktuellen SPIEGEL-Umfrage sind 46 Prozent der Baden-Württemberger grundsätzlich für das Bahnprojekt, 43 Prozent sprechen sich dagegen aus.

Steinke, zusammen mit 130 Unternehmern aus Stuttgart und der Region, hat vor wenigen Tagen die Initiative "Unternehmer gegen Stuttgart 21" gegründet. Er plädiert für die Kopfbahnhof-Alternative. "Unternehmerische Verantwortung und Lebensqualität stehen für uns vor Profitgier und Spekulationsgeschäften", heißt es in der Mitteilung, die Steinke später verteilt. "Prestigeprojekte, die gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung nur mit Hilfe brutaler Polizeieinsätze durchgesetzt werden können, lehnen wir ab."

Im Foyer der Liederhalle vermischen sich Klavierklänge mit Trillerpfeifen. Ein Mann mit "Für S21"-Button am Revers stellt sich zu "Oben bleiben"-Steinke und nimmt ihm einen Zettel aus der Hand: "Und was müssen wir tun, damit wir auch Sie für dieses tolle Projekt begeistern können?"

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Forum - S21 - kann die Schlichtung gelingen?
insgesamt 1514 Beiträge
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1. Nachdenken
ewspapst 12.10.2010
Zitat von sysopDie Gegner des Milliardenprojekts wollen nur verhandeln, wenn es einen zeitweiligen Baustopp gibt. Doch Bahn-Chef Grube lehnt das ab. Heiner Geißler soll zwischen beiden Seiten schlichten - kann ihm das gelingen?
Kann mir jemand erklären was es da zu verhandeln gibt. Wenn Gruber ablehnt, den Bau zu stoppen, muss die andere Seite doch in ihren Handlungen weiter machen.
2. Schlichtung
siedler09 12.10.2010
Zitat von sysopDie Gegner des Milliardenprojekts wollen nur verhandeln, wenn es einen zeitweiligen Baustopp gibt. Doch Bahn-Chef Grube lehnt das ab. Heiner Geißler soll zwischen beiden Seiten schlichten - kann ihm das gelingen?
Wenn ich Mappus oder Grube wäre, würde ich es genau so machen. Schnell Fakten schaffen bevor ich im März eventuell abgewählt werde. Mutti habe ich ja hinter mir...
3. Grube hat nichts verstanden...
adam68161 12.10.2010
Das Verhalten von Grube zeigt, dass er absolut nichts verstanden hat. Ein neuer Bahnhof kann allenfalls in der übernächsten Legislaturperiode gebaut werden - wenn es bis dahin gelingt, die unschlüssigen, ängstlichen Projektgegner durch Aufklärung zu überzeugen und die Wähler der bis dahin regierenden grün-roten Koalition zurückzugewinnen. Der jetzige Kurs führt ins Nirwana.
4. Placebo
Rainer Daeschler, 12.10.2010
Heiner Geißler wurde nicht zum Schlichten geholt, sondern um hinterher sagen zu können: "*Wir* haben uns bemüht, unversöhnlich waren die anderen". Wobei ich glaube, dass Geißler selber die Absicht hat, diese Aufgabe auch ernsthaft durchzuführen, was erklären würde, warum er gelegentlich aus Sicht einer Seite dem Ruder läuft.
5. Grube zu S21
radwal 12.10.2010
Der Mann hat Recht.Mit der Vorbedingung eines Baustopps während einer möglichen Schlichtung wäre die Grundlage für eine solche nicht mehr gegeben. Im Übrigen ist kaum einsehbar dieses Projekt S21 nur deswegen in Frage zu stellen,weil politisch motivierte Aktivisten die Straße mobilisieren konnten,um ein unbestreitbar legitimiertes Bauvorhaben zu Fall zu bringen und damit die verfassungsgemäßen Regelungen außer Kraft zu setzen. Die mehrheitlichen Mitläufer bei den Protesten machen sich offenbar nicht klar,dass sie damit unsere Grundordnung der parlamentarischen Demokratie,in der die Bürger durch gewählte Abgeordnete und Politiker repräsentiert werden,aushebeln werden.Das mögen die Aktivisten der überbordenden Proteste wollen,um im Trüben zu fischen,es ist jedoch sicherlich kein Anliegen der Bürger im allgemeinen.
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Stuttgart 21 in Zahlen
Außer dem Projekt Deutsche Einheit mit dem Aus- und Neubau der Strecke Nürnberg-Berlin ist Stuttgart 21 samt der Trasse nach Ulm das größte Bauvorhaben der Bahn AG. Die Kennzahlen:
Höchstgeschwindigkeit
250 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke
Schienen
117 Kilometer neue Strecke, davon 60 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrasse von Wendlingen (Kreis Esslingen) nach Ulm und 57 Kilometer für einen neuen Ring in Stuttgart, die Talquerung und die Anbindung über die Filderebene an die Strecke nach Ulm
Stuttgart
100 Hektar freie Fläche in der Stuttgarter Innenstadt durch die Verlegung des Bahnhofs unter die Erde
Tunnel
63 Kilometer Tunnel, von denen 33 Kilometer Stuttgart 21 und 30 Kilometer der Neubaustrecke nach Ulm zuzuordnen sind. 26 Tunnel, davon 16 bei "Stuttgart 21" und zehn auf der Neubaustrecke
Brücken
55 Brücken, davon 18 bei Stuttgart 21, 37 auf der Neubaustrecke
Fahrzeiten
- 41 statt 61 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Tübingen
- 28 statt 54 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm
Kosten
Mehr als sechs Milliarden Euro Kosten, wovon gut 4,1 Milliarden auf Stuttgart 21 und mehr als zwei Milliarden auf die Neubautrasse entfallen
Bahnhöfe
Drei neue Bahnhöfe: der unterirdische Hauptbahnhof in Stuttgart, ein ICE-Halt an der Messe und am Flughafen und die S-Bahnstation Mittnachtstraße zur Erschließung des geplanten Rosensteinviertels

Chronik
Im April stellt Bahn-Chef Heinz Dürr das Projekt Stuttgart 21 mit der Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes vor.
Im Januar bescheinigt eine Studie die technische Machbarkeit von Stuttgart 21. Umweltschützer und Grüne protestieren.
Im November unterzeichnen Bahn, Bund, Land und Stadt eine Rahmenvereinbarung, in der auch die Finanzierung des auf fünf Milliarden D-Mark veranschlagten Projekts festgelegt wird.
Im November erhält das Düsseldorfer Architektenbüro von Christoph Ingenhoven den Zuschlag für den Umbau in einen Durchgangsbahnhof mit Lichtaugen.
Im Februar erteilt das Eisenbahn-Bundesamt die Baugenehmigung für die Umwandlung des Bahnhofs.
Im April weist das oberste Verwaltungsgericht Baden-Württembergs drei Klagen gegen den geplanten Umbau des Hauptbahnhofs ab.
Im Oktober vertagt der Bund die Entscheidung über seine Beteiligung an dem 2,8 Milliarden Euro teuren Bahnhofsvorhaben.
Im November verlautet aus Bahn-Kreisen, der Umbau des Bahnhofs und dessen Anbindung an die Neubaustrecke nach Ulm könne wegen Baukostenrisiken bis zu eine Milliarde Euro teurer werden.
Im Februar weist der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg vier Klagen gegen den Fildertunnel ab.
Am 19. Juli verständigen sich Bund, Bahn, Land und Stadt in Berlin auf die Finanzierung - eine bindende Finanzierungsvereinbarung steht noch aus.
Am 11. November präsentieren Naturschützer, Bürgerinitiativen und Grüne das Ergebnis einer Abstimmung: 67.000 Menschen stimmten für einen Bürgerentscheid über Stuttgart 21.
Am 20. Dezember lehnt der Stuttgarter Gemeinderat einen Bürgerentscheid über das Milliardenprojekt mit großer Mehrheit ab. Die grundsätzlichen Beschlüsse seien schon vor Jahren gefallen.
Am 19. August räumt die Landesregierung Mehrkosten ein. Das Vorhaben soll nicht wie geplant 2,8 Milliarden Euro kosten, sondern 3,076 Milliarden Euro.
Am 3. November prophezeit der Bundesrechnungshof Mehrkosten von über zwei Milliarden Euro.
Am 28. November macht der Bundestag mit der Verabschiedung des Haushaltes den Weg frei für Stuttgart 21.
Am 2. April unterzeichnen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und Bahn-Vorstand Stefan Garber die Finanzierungsvereinbarung.
Am 7. Juni profitieren die Grünen von ihrem jahrelangen Widerstand gegen Stuttgart 21 und werden bei der Kommunalwahl die stärkste Fraktion im Rathaus der Landeshauptstadt.
Am 17. Juli entscheidet das Verwaltungsgericht Stuttgart: Der Gemeinderat hat den Bürgerentscheid 2007 zu Recht abgelehnt.
Am 26. Oktober findet die erste Montagsdemonstration gegen den neuen Bahnhof statt - mit vier Teilnehmern. Eine Woche später sind es 20.
Am 8. November räumt Bahn-Chef Rüdiger Grube erstmals ein, dass das Projekt teurer wird als 3,076 Milliarden Euro.
Am 25. November fordern Architekturliebhaber die Aufnahme des Bahnhofsgebäudes in das Unesco-Weltkulturerbe. Beide Seitenflügel des Gebäudes von 1922 sollen den Umbauplänen zum Opfer fallen.
Am 9. Dezember geht Bahn-Chef Rüdiger Grube mit einer Kostenschätzung von 4,1 Milliarden Euro in den Bahn-Aufsichtsrat. Dieser billigt trotz der Kostensteigerung von einer Milliarde Euro das Vorhaben.
Am 10. Dezember stellen nach der Bahn alle anderen Geldgeber die Weichen für das Milliardenvorhaben.

Am 2. Februar beginnen die Bauarbeiten.
Am 20. Mai unterliegt Peter Dübbers, Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz, vor dem Landgericht Stuttgart im Urheberrechtsstreit gegen die Bauherrin Bahn. Er wehrt sich gegen den Abriss der Seitenflügel des Bahnhofs und geht in Berufung.
Am 7. Juli wird eine bisher nicht veröffentlichte Studie der Zürcher Firma SMA bekannt, die Probleme mit dem Regionalverkehr vorhersieht.
Am 27. Juli gibt Bahn-Chef Grube eine Kostensteigerung um 865 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro für die Schnellbahntrasse nach Ulm bekannt.
Am 30. Juli werden die Abrissarbeiten am Nordflügel vorbereitet: Ein erster Bagger rollt an, ein Bauzaun wird errichtet.
Am 7. August demonstrieren mehr als 10.000 Menschen und fordern einen Baustopp.
Am 11. August wird ein Gutachten für das Umweltbundesamt bekannt, das eine weitere Kostenexplosion auf bis zu elf Milliarden Euro für Stuttgart 21 und erhebliche Verkehrsprobleme vorhersagt.
Am 13. August wird das Bahnhofsgebäude erstmals sichtbar beschädigt: Ein Vordach am Nordflügel wird abgerissen. Am Abend bilden 20.000 Menschen eine Kette um Teile des Bahnhofs und fordern einen Baustopp.
Am 14. August berichtet der SPIEGEL, dass die Landesregierung mit einem Großauftrag an die Bahn deren Zustimmung zu Stuttgart 21 erkauft hat. Das Verkehrsministerium dementiert.
Am 23. August verteidigt Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven seinen - in einigen Punkten optimierten - Entwurf. Er weist Aussagen zurück, der Tiefbahnhof könne auch mit Erhalt der Seitenflügel gebaut werden.
Am 25. August stoppen sieben Aktivisten die Baggerarbeiten am Nordflügel. Sie besetzen das Dach für 22 Stunden, ehe ein Spezialkommando der Polizei das Dach räumt.
Am 6. September lässt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 ein Spitzengespräch zu dem Projekt platzen. Zu dem Treffen hatten Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und der Grünen-Fraktionschef in Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, geladen. Gegner und Befürworter des Projekts sollten diskutieren. Doch das Aktionsbündnis forderte zuvor einen Baustopp - Mappus lehnte ab.
Am 8. September warnt ein neues Gutachten vor einer Kostenexplosion bei Stuttgart 21. Das Münchner Ingenieurbüro Vieregg & Rößler hat im Auftrag der Grünen ausgerechnet, dass sich die Ausgaben für die neue ICE-Trasse nach Ulm auf mindestens 5,3 Milliarden Euro belaufen werden und nicht - wie von der Bahn berechnet - auf 2,9 Milliarden Euro. Im ungünstigsten Fall könne die Strecke sogar zehn Milliarden Euro kosten.
Am 9. September sagt Bahnchef Rüdiger Grube dazu in der "Wirtschaftswoche": "Bei Infrastrukturprojekten kann man nie sagen, was am Ende auf Heller und Pfennig herauskommt."
Am 17. September verteidigt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) das umstrittene Bauprojekt: Es gebe keinerlei Zweifel an dessen Legitimation, sagt er im Bundestag. Stuttgart 21 sei "über 15 bis 20 Jahre nach allen Regeln rechtsstaatlicher Kunst" zustande gekommen. Die Bundestagsfraktionen von SPD, Linke und Grüne fordern mit unterschiedlichen Anträgen dagegen einen Baustopp. Die SPD setzt sich für einen Volksentscheid ein.
Am 30. September eskaliert die Situation. Die Polizei geht mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die das Fällen von Bäumen im Schlossgarten verhindern wollen. Noch am späten Nachmittag versucht der BUND, die Rodung per Eilantrag beim Verwaltungsgericht zu stoppen. Die Organisation befürchtet Verstöße gegen den Artenschutz: So gilt unter anderem der Lebensraum des seltenen Juchtenkäfers als gefährdet. Eine entsprechendes Verbot der Rodung durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) liegt der Bahn vor - nicht aber dem Gericht. Bahn und EBA einigen sich eigenen Angaben zufolge noch am selben Abend, das Gericht entscheidet: nichts.
In der Nacht auf den 1. Oktober werden im Schlossgarten die ersten Bäume gefällt - nur wenige Meter von Tausenden Demonstranten entfernt.
Am 2. Oktober steigt der bislang größte Protest im Schlossgarten: Über 100.000 Menschen demonstrieren nach Veranstalterangaben gegen Stuttgart 21 und Ministerpräsident Mappus. Die Polizei spricht von 50.000 Teilnehmern.
Am 6. Oktober stimmt Heiner Geißler zu, den Posten des Schlichters zu übernehmen - darum war er zuvor von Mappus gebeten worden. Am selben Tag bestätigt das OLG die Entscheidung des Landgerichts, nach der das Abtragen der Bahnhofs-Seitenflügel rechtens ist.
Am 7. Oktober verbietet das Eisenbahnbundesamt der Bahn vorerst, weitere Bäume im Schlossgarten zu fällen. Bevor die Arbeiten fortgesetzt werden, muss das Unternehmen Pläne zum Schutz des gefährdeten Juchtenkäfers vorlegen. Allerdings sind vorerst ohnehin keine weiteren Rodungen vorgesehen.
Am 11. Oktober lehnt Bahn-Chef Grube einen kompletten Baustopp kategorisch ab - auch für die Zeit der Schlichtungsgespräche.
Am 14. Oktober gibt das Verwaltungsgericht bekannt, es hätte dem BUND-Antrag zum Stopp der Rodung mit "großer Wahrscheinlichkeit" stattgegeben - wenn die Bahn nicht wichtige Unterlagen vorenthalten hätte.
Am 18. Oktober räumt Grube ein, er habe in der Kommunikation zu Stuttgart 21 "vielleicht den einen oder anderen Fehler gemacht".
Am 22. Oktober beginnt unter Leitung von Heiner Geißler die Schlichtung. Die Gespräche werden live im Fernsehen übertragen, Phoenix meldet die zweitbeste Quote in der Geschichte des Senders. Gegner und Befürworter des Projekts kommen sich in den Gesprächen allerdings nicht näher - auch in den kommenden Wochen nicht.
Am 27. Oktober setzt der Landtag einen Untersuchungsausschuss ein, der die Hintergründe des Polizeieinsatzes vom 30. September klären soll.
Am 28. Oktober lehnt die schwarz-gelbe Koalition mit ihrer Mehrheit im Landtag einen Volksentscheid über Stuttgart 21 ab. Einen entsprechenden Antrag hatte die SPD gestellt. Unabhängig davon reichen vier Demonstranten Klage beim Verwaltungsgericht ein - sie hatten bei dem Polizeieinsatz am 30. September schwere Augenverletzungen erlitten.
Am 2. November löst die Polizei eine Sitzblockade am Bahnhof auf - trotz der Schlichtungsgespräche gehen die Protestaktionen weiter.
Am 11. November räumt die Polizei Pannen beim umstrittenen Einsatz im Schlossgarten ein. Aufgrund von Missverständnissen seien die Beamten zu spät eingetroffen und hätten deshalb Absperrungen nicht rechtzeitig aufstellen können; der Widerstand der Demonstranten sei unterschätzt worden.
17. November: Nach einem Bericht des "Stern" hat das Eisenbahnbundesamt im September die Baufreigabe für die Strecke von Wendlingen nach Ulm verweigert.
Am 19. November sagt Bahn-Vorstand Volker Kefer im Schlichtungsgespräch, die Freigabe für die 60 Kilometer lange Trasse werde erfolgen, wenn die Bahn die Nachweise für die höheren Kosten vorgelegt habe. Grünes Licht erwarte er Ende des Jahres.
Am 30. November verkündet Heiner Geißler seinen Schlichterspruch. Er spricht sich für Stuttgart 21 aus, fordert aber in mehreren Punkten Korrekturen an den Bahn-Plänen. Die Gegner des Projekts sind trotzdem unzufrieden.

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