Stuttgarter Flughafen Ausspähversuch könnte Terrorhintergrund haben

Laut Medienberichten könnte ein geplanter Terroranschlag hinter einem Ausspähversuch am Flughafen in Stuttgart stecken. Der marokkanische Geheimdienst soll "konkrete" Hinweise gegeben haben.

Polizisten am Flughafen in Stuttgart
DPA

Polizisten am Flughafen in Stuttgart


Mehrere Verdächtige haben offenbar den Stuttgarter Flughafen ausgespäht. Mittlerweile gibt es den Verdacht, dass der Vorfall einen terroristischen Hintergrund haben könnte. Mindestens einer der Verdächtigen ist nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa als islamistischer Gefährder eingestuft.

Auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) erfuhr aus Sicherheitskreisen, dass die Verdächtigen in Deutschland als Gefährder geführt und im Schengen-Informationssystem gelistet seien.

Insgesamt sucht die Polizei nach vier Personen. Sicherheitskreise bestätigten der dpa entsprechende Informationen. Zuvor hatte der Südwestrundfunk (SWR) darüber berichtet. Zwei der Gesuchten seien Vater und Sohn und stammten aus Nordrhein-Westfalen. Sie seien bereits vergangene Woche der französischen Polizei aufgefallen, als sie am Pariser Flughafen Charles de Gaulle Fotos vom Terminal machten.

Das waren laut dem SWR-Bericht auch die beiden Männer, die am Stuttgarter Flughafen gesichtet wurden. Sie konnten demnach anhand von Videoaufzeichnungen identifiziert werden. Das zuständige Polizeipräsidium in Reutlingen wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die sich aber auf Anfrage der dpa nicht äußerte.

Medienbericht: Bundespolizei warnt alle großen deutschen Flughäfen

Die Tagesschau berichtet ganz ähnlich über den Fall und spricht dabei von "konkreten" Hinweisen des marokkanischen Geheimdienstes. Demnach gebe es Pläne für einen Selbstmordanschlag im deutsch-französischen Grenzgebiet, an einem Flughafen. Der marokkanische Geheimdienst nannte auch Namen.

Die genannten Namen passten dem Bericht zufolge zu den zwei Personen - Vater und Sohn - die erst in Paris und dann in Stuttgart die Flughäfen ausgespäht haben sollen. Das hätte eine Überprüfung des Fahrzeugs ergeben, das die beiden Männer benutzt hätten. Laut RND ergab eine Abfrage beim Gemeinsamen Zentrum der deutsch-französischen Polizei in Kehl bei Straßburg, dass es sich bei dem Halter des Wagens um einen 48-jährigen Islamisten handelt, den die deutschen Sicherheitsbehörden als Gefährder führen.

Laut der "Tagesschau" übergaben die marokkanischen Behörden auch Chatprotokolle zwischen insgesamt vier Personen an die deutschen Ermittler. Der Bericht zitiert daraus: "Sie führen Krieg gegen den Islam, meine Brüder und ich sind hier, um sie zu bekämpfen." Und weiter: "Werde ich alleine sein?" Die Antwort lautete demnach: "Nein, wir sind mehrere!"

Wegen der Ausspähversuche hat die Bundespolizei ihre Sicherheitsmaßnahmen auch an den Flughäfen Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Mannheim verschärft. Am Flughafen Stuttgart wurden sie wiederum "massiv verstärkt". Das sagte ein Sprecher der Bundespolizei der Nachrichtenagentur Reuters. Die Kollegen an den anderen großen deutschen Flughäfen seien "sensibilisiert" worden, fügte er hinzu. Die "Bild"-Zeitung berichtete ebenfalls, dass die Bundespolizei eine Warnung an alle 14 großen Flughäfen ausgesprochen und diese "sensibilisiert" habe.

aev/dpa/Reuters



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