Prozess  in Stuttgart Mutmaßliche Terroristen stehen wegen Dutzenden Morden vor Gericht

In Stuttgart hat die Verhandlung gegen vier mutmaßliche Mitglieder einer ausländischen terroristischen Vereinigung begonnen. Die Syrer sollen einer Islamistenmiliz angehören - und für 36 Morde verantwortlich sein.

Einer der Angeklagten zu Prozessauftakt in Stuttgart
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Einer der Angeklagten zu Prozessauftakt in Stuttgart


Vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart hat der Prozess gegen mehrere Männer aus Syrien begonnen. Sie sollen für die Ermordung von 36 syrischen Regierungsmitgliedern verantwortlich sein.

Als Angehörige einer zur Terrormiliz Dschabhat al-Nusra zählenden Kampftruppe sollen drei der vier Angeklagten im Alter zwischen 24 und 35 Jahren auf einer Müllkippe in der Nähe der Stadt Tabka Angehörige des von ihnen verhassten Regimes getötet haben.

Die Opfer - Polizisten, Sicherheitsleute und Armeeangehörige - waren laut Anklage zuvor bei der Eroberung der Stadt Rakka gefangen genommen worden. Die meisten wurden demnach erschossen, jeweils in Gruppen von fünf oder sechs Männern, andere erschlagen oder erstochen. Die Leichen wurden verscharrt.

Die Angeklagten kamen nach den Taten im März 2013 als Flüchtlinge nach Europa. Sie lebten zuletzt in Leimen bei Heidelberg, Berlin, Reiskirchen nahe Gießen und Düsseldorf. Alle vier sind auch wegen Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung angeklagt. Nach SPIEGEL-Informationen halten sich neben den Angeklagten insgesamt rund 60 frühere Nusra-Kämpfer in Deutschland auf.

Ziel der Dschabhat al-Nusra ist es, den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu stürzen und einen auf islamischem Recht basierenden Gottesstaat zu errichten. Die Vereinigung gilt als eine maßgebliche Konfliktpartei im syrischen Bürgerkrieg. Die Bundesanwaltschaft bringt sie mit mehr als 1500 Anschlägen und 8700 Todesopfern in Verbindung.

Ausgerüstet mit Sturmgewehren, Panzerfahrzeugen, Raketenwerfern

Die Angeklagten sollen ihre Taten mit den Todesurteilen eines Scharia-Gerichts gerechtfertigt haben. Die Angeklagten sollen alle zur gleichen Großfamilie gehören. Der 29-jährige Hauptangeklagte soll laut Bundesanwaltschaft bereits 2011 eine kleine Kampfeinheit gegen Assad gegründet haben.

Ziel der Gruppierung war laut Anklage der Sturz des Regimes und die Errichtung eines auf islamischem Recht basierenden Gottesstaats. Die Anhänger trugen schwarze Kleidung und führten eine schwarze Flagge mit einem Glaubensbekenntnis.

Ausgerüstet waren die Kämpfer laut Bundesanwaltschaft mit Kalaschnikow-Sturmgewehren und später auch mit Handgranaten, Raketenwerfern, Maschinengewehren und Panzerfahrzeugen. Im November 2012 soll der mutmaßliche Haupttäter zwei syrische Regierungssoldaten mit einer Handgranate getötet haben.

Am ersten Verhandlungstag im Gerichtssaal am Gefängnis in Stuttgart-Stammheim wollten sich die Angeklagten nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Das Verfahren wird wohl noch mehr als ein Jahr dauern. 80 Termine bis Oktober 2018 sind laut Gericht geplant.

apr/dpa

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