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Terrorverdacht gegen Salafistenprediger: Bundesanwaltschaft verhaftet Sven Lau

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Salafist Sven Lau: Lieferung von Nachtsichtgeräten Zur Großansicht
DPA

Salafist Sven Lau: Lieferung von Nachtsichtgeräten

Der Verdacht lautet auf Unterstützung einer terroristischen Vereinigung: Der Generalbundesanwalt hat am Morgen den Salafistenprediger Sven Lau verhaften lassen.

Staatsschützer der Polizei haben am Dienstagmorgen in Mönchengladbach den Salafistenprediger Sven Lau gefasst. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt den Initiator der "Scharia-Polizei", die Terrororganisation Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar (Jamwa) in Syrien unterstützt zu haben. So soll Lau, 35, in vier Fällen einem Flügel der Gruppe geholfen haben, der sich dem "Islamischen Staat" (IS) angedient hatte. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE lockten Beamte ihn unter falschem Vorwand ins Polizeipräsidium Mönchengladbach und setzten ihn dort fest.

Konkret geht es darum, dass Lau nach Auffassung der Bundesanwaltschaft als Jamwa-Anlaufstelle im Rheinland fungiert, zwei Dschihadisten vermittelt sowie logistische und finanzielle Unterstützung geleistet haben soll. Demnach übergab er einem vermeintlichen Gotteskrieger im Herbst 2013 in Syrien 250 Euro und kaufte später drei Nachtsichtgeräte im Gesamtwert von 1440 Euro für Jamwa. Der Verteidiger von Lau, der Bonner Rechtsanwalt Mutlu Günal, wollte sich zunächst auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

Islamist Lau hatte bundesweit Bekanntheit erlangt, als er mit seiner "Scharia-Polizei" durch die Straßen Wuppertals patrouilliert war. Zuletzt hatte das dortige Landgericht jedoch die Eröffnung eines Hauptverfahrens in der Sache abgelehnt. Von den handelsüblichen grellorangen Warnwesten mit der Aufschrift "Shariah-Police" sei keine einschüchternde, militante Wirkung ausgegangen, teilte das Gericht in der vergangenen Woche mit.

Kämpfe in Aleppo

Das aktuelle Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen Lau resultiert aus Ermittlungen, die bereits zu Verurteilungen geführt haben. Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte im März den Islamisten Ismail I. und zwei Komplizen wegen der Unterstützung von Jamwa für mehrere Jahre ins Gefängnis geschickt.

Laut Urteil reiste I. im August 2013 nach Syrien. Er war demnach fest entschlossen, sich dem Dschihad anzuschließen. Nach einer vierwöchigen Militärausbildung wurde er - wohl mithilfe des Salafistenpredigers Sven Lau - einer deutschen Gruppe innerhalb von Jamwa zugeteilt. Im Anschluss nahm Ismail I. an mindestens einer Kampfhandlung in dem Gebiet um die nordsyrische Stadt Aleppo teil.

Das Verfahren gegen Lau war zunächst abgetrennt und an die Staatsanwaltschaft Stuttgart zurückgegeben worden. Jetzt hat sich der Generalbundesanwalt erneut der Sache angenommen.

Lau ist einer der Lautsprecher der stetig wachsenden salafistischen Szene. Der frühere Feuerwehrmann leitete in seiner Heimatstadt Mönchengladbach eine Moschee und war Vorsitzender des fundamentalistischen Vereins "Einladung zum Paradies". Verfassungsschützer und Kriminalbeamte beobachten den Extremisten seit Jahren. Für einen Hetzer oder Hassprediger hält ihn eigentlich kaum jemand, geifernde Reden sind seine Sache nicht. Laus Masche ist eher die Kumpeltour. Er macht auf großer, weiser Bruder - was nicht weniger gefährlich sein muss.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) begrüßte die Festnahme des Islamisten: "Lau gilt als einer der führenden Köpfe der salafistischen Szene in Nordrhein-Westfalen, der mutmaßlich viele junge Leute in den Extremismus gelockt hat." Der Zugriff mache deutlich: "Der Rechtsstaat wehrt sich gegen Gewalt und Extremismus", so Jäger.

SPIEGEL TV Magazin (2010)

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