Neue Umweltministerin Schulze Frohnatur und Generalistin

Juso-Chefin in Nordrhein-Westfalen, Abgeordnete, Landesministerin: Svenja Schulze hat eine klassische SPD-Karriere hinter sich. Jetzt wechselt sie nach Berlin ins Umweltressort. Ein Kurzporträt.

Svenja Schulze
FELIPE TRUEBA/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Svenja Schulze


Vor acht Jahren wurde Svenja Schulze schon einmal als Umweltministerin gehandelt - damals in Nordrhein-Westfalen. Stattdessen übernahm sie das Forschungs- und Wissenschaftsressort. Auf die Frage, wie sie jene überzeugen wolle, die diese Berufung skeptisch sahen, sagte sie damals den "Westfälischen Nachrichten": "Erst einmal bin ich politische Generalistin."

Überzeugen muss sie nun erneut - ab kommender Woche führt die bisherige Generalsekretärin der nordrhein-westfälischen SPD das Bundesumweltministerium.

In diesem Amt will sie die Interessen von Wirtschaft und Umwelt zusammenbringen: "Ich komme aus einem Industrieland", sagte Schulze nach ihrer Nominierung: "Und ich weiß, dass man Arbeit und Umwelt nicht gegeneinander ausspielen darf."

Sie freue sich auf die neuen Aufgaben. Umweltministerin zu sein, sei eine große Verantwortung, sagte die 49-Jährige, aber sie bringe dafür "die richtigen Dinge" mit.

Umweltschützer sind skeptischer. Greenpeace wies prompt auf Schulzes Mitgliedschaft in der Bergbaugewerkschaft IG BCE hin, die für lange Laufzeiten der deutschen Kohlekraftwerke eintritt. Auf ihrer Website spricht sich Schulze für neue Kohlekraftwerke aus, um "die Emissionen aus fossil befeuerten Kraftwerken kontinuierlich" zu reduzieren. Greenpeace rief die künftige Ministerin auf, im neuen Amt rasch ihre Unabhängigkeit von der Kohlelobby zu beweisen.

Politisch aktiv war Schulze schon vor dem Abitur: Ende der Achtzigerjahre war sie Landesschülersprecherin, im Studium in Bochum (Germanistik und Politikwissenschaft) machte sie als Asta-Vorsitzende Unipolitik.

Noch während des Studiums führte sie ab 1993 vier Jahre lang die NRW-Jusos, direkt danach wurde sie in den Landtag gewählt. Ab 2000 arbeitete Schulze als Unternehmensberaterin für verschiedene Firmen, fast zehn Jahre später war sie außerdem kurzzeitig Aufsichtsrätin für die Wirtschaftsförderung Münster.

"Sie hat Lust, die Partei zu erneuern"

Nach der Abwahl von Rot-Grün im vergangenen Juni sicherte Schulze sich rasch den Posten als NRW-Generalsekretärin, im Dezember wurde sie ins Präsidium, also den engsten Führungszirkel der Bundes-SPD gewählt. Für den Bereich Bildung und Forschung verhandelte sie den Koalitionsvertrag mit.

Daniel Stich, Generalsekretär der rheinland-pfälzischen SPD, hat in den vergangenen Monaten eng mit Schulze zusammengearbeitet. Er nennt seine Kollegin aus NRW eine "Frohnatur, die kompetent und optimistisch an die Dinge rangeht. Sie hat Lust, die Partei zu erneuern".

Auch der NRW-Landeschef Michael Groschek ist ein Unterstützer Schulzes. Schon seit Längerem wird in der SPD spekuliert, dass die Generalsekretärin ihn an der Spitze des größten Landesverbands beerben könnte. Nach ihrem jüngsten Karrieresprung dürften ihre Chancen deutlich gestiegen sein.

cte/AFP/dpa

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
daily.spiegel 09.03.2018
1. Schulze hat in NRW keine gute Arbeit geleistet
Sie hat sich vor allem für die Neuordung des Hochschulgesetzes keinen guten Namen gemacht. Das Gesetz ist durchzogen von Misstrauen gegenüber den Hochsschulen, enthält eine ganze Reihe von Beschneidungen und Regelungen, die letztlich allen schaden: Professoren haben sehr viel mehr Gremienarbeit; Studenten bekommen weniger Innovationen und stattdessen standardisierte Lehrangebote; Universitäten vertrödeln immer mehr Zeit mit Bürokratie und sowohl Lehre wie auch Forschung kommen zu kurz.
daily.spiegel 09.03.2018
2. Schulze hat in NRW keine gute Arbeit geleistet
Sie hat sich vor allem für die Neuordung des Hochschulgesetzes keinen guten Namen gemacht. Das Gesetz ist durchzogen von Misstrauen gegenüber den Hochsschulen, enthält eine ganze Reihe von Beschneidungen und Regelungen, die letztlich allen schaden: Professoren haben sehr viel mehr Gremienarbeit; Studenten bekommen weniger Innovationen und stattdessen standardisierte Lehrangebote; Universitäten vertrödeln immer mehr Zeit mit Bürokratie und sowohl Lehre wie auch Forschung kommen zu kurz.
steffen_rheinhard 09.03.2018
3. Dann hoffe ich mal,,,,
,,,,das sie mit dem nötigen Nachdruck und mit der nötigen Härte die Autoindustrie zu Hardwarenachrüstungen verpflichtet. Alles andere ist unsinn und bei 100 Millarden Gewinn der Autoindustrie ist das auch bezahlbar!
ostwald@gmx.de 09.03.2018
4. "Frohnatur, die kompetent und optimistisch an die Dinge rangeht. Sie h
Herr Stich sollte eventuell realisieren, das es beim Ministeramt nicht um die Erneuerung der SPD geht und die Aufgabenstellung eine andere ist ..
Putenbuch 09.03.2018
5. Es wird dunkel werden...
Frau Hendricks war m. E. wirklich der einzige Lichtiblick in der BuReg der letzten vier Jahre. Damit ist jetzt Schluss. Stattdessen wird eine verdeckte Wirtschaftslobbyistin das Ressort beerben. Da soll noch jemand mit dem Finger auf Trump zeigen. Auch hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. Die nächsten vier Jahre werden an allen Fronten ein Trauerspiel auf Kosten der Generationen, die nach uns kommen. RIP. :-(
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