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Bürgermeisterwahl auf Sylt: Pauli will Meer

Gabriele Pauli: Bayerische Rebellin auf Sylt Fotos
DPA

Sie hat Stoiber mit zu Fall gebracht, die CSU verloren - eine neue politische Heimat aber nicht gefunden. Jetzt will die parteilose Rebellin Gabriele Pauli Bürgermeisterin von Sylt werden.

Westerland - Die 13.000-Einwohner-Gemeinde Sylt wählt am Sonntag einen neuen Bürgermeister: Fünf Kandidaten und eine Kandidatin bewerben sich um das Verwaltungsamt auf der Ferieninsel im hohen Norden Deutschlands - dort, wo die Schönen und Reichenso gern ihre Urlaube verbringen.

Die Kandidatin heißt Gabriele Pauli. Nach der Landtagswahl 2013 hatte die Ex-CSU-Rebellin, bekannt durch Latex-Fotos, ihr Mandat verloren und musste damit auch ihre politische Karriere in Bayern beenden. Sie will nun nach vielen Niederlagen einen politischen Neuanfang starten. Die 57-Jährige bewirbt sich als unabhängige Politikerin für das Bürgermeisteramt (Lesen Sie hier die Geschichte im SPIEGEL). Pauli wohnt inzwischen in einer kleinen Mietwohnung in Tinnum, der zentralsten der Sylter Gemeinden, und macht seit Wochen Wahlkampf.

"Sylt ist paradiesisch", schwärmte Pauli, als sie sich im August erstmals den Bürgerin der Nordsee-Insel präsentierte. "Wer sich hier verliebt hat, der bleibt." Mancher war damals verwundert: An die Politikerin mit Glamourfaktor erinnerte nicht mehr viel. Stattdessen setzt die promovierte Politologin auf Sachkompetenz in der Kommunalpolitik. Die hat sie sich in ihren 18 Jahren als CSU-Landrätin in Fürth erworben. Den Posten hatte sie 1990 als Außenseiterin gewonnen.

Als Erfolg darf Pauli verbuchen, dass ihre Bürgermeisterkandidatur auf Sylt mittlerweile ernst genommen wird. Ob sie ein Begrüßungsgeld von 5000 Euro für Neugeborene als Mittel gegen den fehlenden Nachwuchs oder eine effizientere Verwaltung fordert - was Pauli sich in ihrem Wahlprogramm überlegt hat, wird diskutiert.

Bekannt wurde sie 2006: Damals war sie noch CSU-Landrätin - und ging offen Edmund Stoiber an. Pauli ließ wenige Gelegenheiten aus, dem CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Seitenhiebe zu verpassen. Stoiber bekam seine schärfste Kritikerin nicht mehr in den Griff. Als diese kurz vor Weihnachten 2006 im CSU-Vorstand öffentlich machte, dass Stoibers Büroleiter über ihre Männergeschichten und mögliche Alkoholprobleme geschnüffelt habe, beschleunigte sich das politische Ende Stoibers. Kurz darauf wurde er in Wildbad Kreuth gestürzt, Pauli wähnte sich schon auf dem Weg nach ganz oben.

Sie sah sich schon als Ministerin, stellvertretende CSU-Chefin wollte sie werden. Doch die neue CSU-Führung ließ die Rebellin abblitzen. Auf die Ablehnung ihrer Partei reagierte Pauli mit weiteren Provokationen: Sie ließ sich in gewagten Posen mit Latex-Handschuhen fotografieren. Danach kandidierte sie um den CSU-Vorsitz. Bevor sie Ende September 2007 klar gegen Erwin Huber und den damals zweitplatzierten Horst Seehofer verlor, sorgte sie erneut für Aufregung: Pauli forderte, die Dauer von Ehen auf sieben Jahre zu begrenzen.

Damals führende CSU-Politiker erklärten Pauli zum Fall für den Psychiater. Diese wechselte zu den Freien Wählern und zog 2008 mit einem sehr guten Ergebnis in den Landtag ein. Doch die Zusammenarbeit endete schnell im Streit, Pauli war den größten Teil ihrer fünfjährigen Abgeordnetenzeit fraktionslose Hinterbänklerin im bayerischen Landtag.

Nun will sie über Westerland zurück ins Rampenlicht.

heb/dpa/AFP

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insgesamt 16 Beiträge
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1. recht so
ch.weichberger 12.12.2014
pauli ist genau die richtige...sie kann auch aufgrund ihrer biografie und erfahrung hier gutes bringen ..die insulaner werden es nicht schaffen ...wie gehabt ...den knotenaus koruption und vorteilsnahme der einschlaegigen parteien zu zerschlagen...nen versuch ist es wert ...sonst geht es weiter wie bisher
2. Hübsch, mondän und geheimnisvoll...
mainzelmännchen 1 12.12.2014
...die perfekte Mischung für Sylt.
3.
BruceWayne 12.12.2014
Wunderbar! Jeder bekommt was er braucht. Auch Sylt. Frau Pauli kann einem jetzt schon leid tun. Ich spreche aus Erfahrung wenn ich behaupte, dass Frau Pauli in Kürze feststellen wird, dass die Urlaubsinsel Sylt - die der Urlauber durchschnittlich 12 Tage im Jahr kennenlernen kann, nichts, aber auch garnichts mit dem täglichen, sehr korrupten, Sylt zu tun hat. Gegenüber Sylt ist Palermo quasi basisdemokratisch regiert....
4. Flatrate-Urlaub auf Sylt,
sir wilfried 12.12.2014
und dazu noch anständig Kohle - sehr verlockend.
5. Die Fetischistin
Coemgen2 12.12.2014
Dann erfreut sie die Pensionsgäste und Bürger auf Wahlveranstaltungen mit Elastik-Bikinis und Piepsstimme. Copyright bei "La Cicciolina".
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