Terrorverdächtigen überwältigt Politiker fordern Orden für mutige Syrer

Sie fesselten den Terrorverdächtigen Albakr, doch von Innenminister de Maizière gab es keinen Dank. Nun verlangen Politiker von CDU und SPD, dass die mutigen Syrer aus Leipzig ausgezeichnet werden.

Polizisten am Ort der Festnahme Albakrs in Leipzig.
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Polizisten am Ort der Festnahme Albakrs in Leipzig.


Welche mögliche Katastrophe die drei syrischen Flüchtlinge aus Leipzig verhindert haben, ist noch nicht vollständig geklärt - für viele Politiker steht aber fest: Sie haben Schlimmes verhindert, indem sie den mutmaßlichen Terroristen Jaber Albakr in Leipzig in ihrer Wohnung festsetzten und bei der Polizei meldeten. Deshalb fordern Vertreter aus der der Großen Koalition nun eine Auszeichnung für sie.

"Die jungen Männer haben das Bundesverdienstkreuz verdient", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs der "Bild"-Zeitung. "Was sie getan haben, zeugt von tiefem Respekt gegenüber ihren deutschen Gastgebern. Mehr Ankommen, mehr Integration ist kaum vorstellbar. Das ist vorbildlich."

Auch der CDU-Außenpolitiker Jürgen Klimke hält dem Bericht zufolge eine Auszeichnung der jungen Männer mit dem Bundesverdienstkreuz für angemessen. Eine solche Ehrung sei ein "starkes Signal in beide Richtungen - in die deutsche Bevölkerung und gegenüber anderen Flüchtlingen: Anerkennung, Dank und Mut lohnt sich", sagte Klimke.

Albakr hatte in einer Wohnung in Chemnitz Sprengstoff offenbar selbst hergestellt und sich die Komponenten für eine Sprengstoffweste besorgt. Außerdem soll er laut Polizei Kontakte zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gehabt haben.

Zuerst hatten deutsche Verfassungsschützer im Bund und in mehreren Bundesländern Albakr als Terrorverdächtigen identifiziert. Nachdem die Mitarbeiter des Geheimdienstes der Meinung waren, ein Anschlag könne unmittelbar bevorstehen, verständigten sie die sächsische Polizei. Bei der missglückten Festnahme in Chemnitz am Samstagmorgen gelang Albakr die Flucht.

Am Sonntag lieferten ihn in Deutschland lebende Syrer an die Polizei aus. Sie hatten Albakr eine Unterkunft angeboten und ihn anschließend in ihrer Wohnung gefesselt, ehe sie die Polizei verständigten. In der Folge hatte es Kritik an Innenminister Thomas de Maizière gegeben, weil er die drei Syrer nicht öffentlich gelobt hatte.

Zuletzt wurde bekannt, dass sich der Terrorverdächtige vor seiner Festnahme in der Nacht zum Montag mehrere Monate in der Türkei aufgehalten haben soll.

AFP/ Landeskriminalamt Sachsen

mho/dpa

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