Tod eines Syrers nach Zellenbrand NRW-Innenminister Reul räumt schweren Fehler ein

Ein inhaftierter Syrer stirbt nach einem Brand in der JVA Kleve. Dann kommt heraus: Er hätte nicht in der Zelle sitzen dürfen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Reul hat sich nun bei der Familie entschuldigt.

Herbert Reul
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Nach dem Tod eines unschuldig inhaftierten Syrers hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) einen schweren Fehler in seinem Verantwortungsbereich eingeräumt. Polizisten hätten es entgegen geltender Regeln versäumt, die Identität des 26-Jährigen näher zu überprüfen, sagte Reul.

Der 26-Jährige war nach einem Feuer in seiner Gefängniszelle in Kleve am vergangenen Wochenende in einer Klinik gestorben. Er hatte bei dem Brand schwerste Verbrennungen erlitten. Zehn weitere Menschen trugen Rauchvergiftungen davon.

Die Behörden hatten danach eingeräumt, dass der Syrer mehr als zwei Monate lang zu Unrecht im Gefängnis saß. Er sei verwechselt worden. Der tatsächlich Gesuchte, ein Mann aus Mali, habe mit dem Inhaftierten keine Ähnlichkeit, sagte Reul.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Beamte

Der nordrhein-westfälische Innenminister bat die Familie des Verstorbenen deshalb um Entschuldigung. "Wir müssen alles daran setzen, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt."

Die Staatsanwaltschaft Kleve hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung gegen mehrere Beamte der Kreispolizeibehörde Kleve eingeleitet. Es müsse geklärt werden, wie es zu der Identitätsverwechslung kommen konnte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Der Vorgang beschäftigt auch den nordrhein-westfälischen Landtag. Innen- und Rechtsausschuss des Parlaments kamen zu einer Sondersitzung zusammen. "Wir müssen uns selbstkritisch fragen, was schiefgelaufen ist. Denn dass etwas schiefgelaufen ist, steht fest", sagte Justizminister Peter Biesenbach (CDU).

asa/dpa



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