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Syrien-Gespräche: Schlacht um Aleppo überschattet Münchner Sondergipfel

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Kinder im Stadtteil el-Sakhour in Aleppo: Zerstörungen größten Ausmaßes Zur Großansicht
REUTERS

Kinder im Stadtteil el-Sakhour in Aleppo: Zerstörungen größten Ausmaßes

Während sich die Lage in Aleppo zuspitzt, soll ein Sondergipfel in München den Friedensprozess für Syrien wieder beleben. Außenminister Steinmeier will auch auf Russlands Premier Medwedew einwirken.

Die Bilder zeigen das ganze Elend des Krieges: An der syrisch-türkischen Grenze stauen sich Zehntausende Flüchtlinge, sie fliehen vor den russischen Luftangriffen auf Aleppo. Die syrische Stadt wird offenbar schwer bombardiert.

Während die Menschen fliehen, wird am Donnerstag in München ein Sondertreffen zu Syrien stattfinden. Voraussichtlich kommen die Außenminister aus fast 20 Staaten, darunter die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Die Zusammenkunft im sogenannten Wiener Format - benannt nach vorangegangenen Syrien-Treffen in der österreichischen Hauptstadt - ist dringend geboten. Erwartet werden auch Vertreter von Saudi-Arabien und Iran, die damit zum ersten Mal seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen vor rund einem Monat wieder an einem Tisch sitzen werden.

Beide sind Schlüsselstaaten bei den Bemühungen um eine Befriedung Syriens. Ob es Fortschritte geben wird, ist ungewiss. Derzeit gibt der Kampf um Aleppo den Takt vor. Syriens Präsident Baschar al-Assad hofft offenbar, mit russischer Unterstützung seine geschwächte Machtposition zunächst militärisch zu verbessern, bevor es zu ernsthaften Gesprächen mit der Opposition kommt.

Steinmeier trifft Medwedew auf Münchener Sicherheitskonferenz

Die jüngsten Angriffe der russischen Luftwaffe dürften bei dem Münchner Gipfel Thema sein. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow am Rande zusammenkommen. Es würden sich "sicherlich Gelegenheiten auch zu bilateralen Gesprächen ergeben", hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland war zuletzt durch öffentliche Äußerungen Lawrows im Falle einer angeblich vergewaltigten 13-jährigen Russin in Berlin belastet. Beide Außenminister hatten zuletzt vor eineinhalb Wochen miteinander telefoniert - aus Anlass der russischen Kritik an den Ermittlungen der deutschen Behörden.

Das Sondertreffen wird nicht die einzige Gelegenheit sein, um in dieser Woche die Lage in Syrien und weitere politische Themen zu besprechen. Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wird Außenminister Steinmeier am Freitag auf der nach dem Syrien-Gipfel unmittelbar darauffolgenden Münchener Sicherheitskonferenz auch mit dem russischen Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedew zusammenkommen.

Steinmeier hatte genau wie Kanzlerin Angela Merkel das militärische Vorgehen Russlands in Syrien zuletzt deutlich kritisiert. Der SPD-Politiker befürchtet offenbar eine Ausweitung des Konflikts. Die vergangenen fünf Jahre hätten gezeigt, "dass keine militärische Eskalation einer Seite unbeantwortet bleibt", sagte er am Montag zu SPIEGEL ONLINE. Angesichts der Lage in und um Aleppo hoffen die oppositionellen Kräfte inzwischen auf Hilfe aus Saudi-Arabien, Bahrain oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Zuletzt kamen aus Saudi-Arabien erstmals Signale, eine Bodenoffensive in Syrien zu unterstützen, sollte die US-geführte Allianz eine solche Operation starten. Auch in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es offenbar ähnliche Erwägungen, offiziell bestätigt sind diese Pläne jedoch bisher nicht. US-Präsident Barack Obama hatte die Entsendung eigener Bodentruppen in das Bürgerkriegsland bislang stets ausgeschlossen.

Video zur Lage an der türkisch-syrischen Grenze

Deutsche Hilfe für Flüchtlinge

Um den Flüchtingen an der türkisch-syrischen Grenze zu helfen, hat die Bundesregierung mit deutschen Hilfsorganisationen Soforthilfemaßnahmen für die Flüchtlinge aus Aleppo und Umgebung eingeleitet. "Die deutsche Welthungerhilfe und die Malteser leisten mit Mitteln des Auswärtigen Amts im türkischen Grenzgebiet Unterstützung bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge und helfen mit mobilen Kliniken bei der medizinischen Erstversorgung", hieß es gegenüber SPIEGEL ONLINE in Berlin. Beide Organisationen sind schon seit Längerem vor Ort engagiert und verfügen über eigene Materialreserven und Infrastruktur, die sie sofort zum Einsatz bringen konnten.

Wie SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim aus der Grenzregion berichtet, wird die Stadt Aleppo durch die kombinierten Angriffe der russischen Luftwaffe und der syrischen Regierungstruppen schwer zerstört. Ein syrischer Gesprächspartner aus Aleppo, der sich an die Grenze geflüchtet hat, berichtete telefonisch, es würden Wohnviertel angegriffen, "Schulen, Krankenhäuser, alles".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 142 Beiträge
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1. Was kann man dazu noch sagen?
gedankenvielfalt 09.02.2016
Es bleibt eine ungeheure Sprachlosigkeit. Die Russen stellen sich bekannter Maßen auf die Seite von Unrechtsregimen - Beispiel Milosevic Anfang der 1990er. Aber hier hat man es mit solch einem brachialen militärischen Eingreifen der Russen an der Seite eines brutalen Regimes. ..... wieso gibt es keinen Arzt für Putin und Co?
2. Es gibt keine Rebellen - nur Terroristen!
klugscheißer2011 09.02.2016
Das Problem des Krieges in Syrien ist, dass zu viele verschiedene Interessen eine Rolle spielen. Es gibt zu viele Fronten. Der Westen sollte auch endlich mal aufhören zu heucheln und Russland einseitig zu beschuldigen. Die Russen machen das, was zu tun ist - die Bekämpfung von Terroristen. Denn es gibt in diesem Konflikt keine guten oder gemäßigten Terroristen, die dann im westlichen Sprachgebrauch aufeinmal "Rebellen" heißen. Die "Rebellen", die von der Türkei unterstützt werden und gegen Assad kämpfen, sind in ihrem Ziel, Assad auszulöschen, Verbündete des IS, also sind sie Terroristen. Die Türkei nennt die Kurden ja auch "Terroristen", obwohl diese den IS bekämpfen. Die USA, die Briten und die Franzosen bombardieren auch Städte in Syrien, deren Koordinaten zuvor von deutschen Tornados ermittelt wurden. Auch darunter leiden unschuldige Zivilisten. Da müsste man schon fast drüber nachdenken, ob auch dass unter den Begriff Terror fällt.
3. Es ist bei vielen Syrern angekommen
Theodoro911 09.02.2016
dass die Versprechungen der "Unterstützer von Demokratie und Freiheit" nichts wert sind. Keinen Pfifferling! Deswegen legen immer mehr Vernünftige die Waffen nieder, es laufen Verhandlungen mit der angeblich so mörderischen Regierung des gelernten Arztes Assad. Vom wachsenden Erfolg dieser Verhandlungen wird hier aber nicht berichtet. Der Terror der Islamisten jeglicher Bezeichnung hat den Boden für die Reconquista der SAA bereitet. Ein Angriff der Saudis und der Türken wird scheitern weil die grosse Mehrzahl der Syrer weder Wahabiten noch Zwangstürken werden wollen. Da die ausländische Unterstützung durch Munition,Menschen und Geld jetzt unterbunden ist dürfte Aleppo in einer Woche aus dem Gröbsten raus sein. Anzumerken ist noch der seltsame Fakt dass seit 3 Tagen keine US-Luftschläge auf den IS gemeldet werden. Doch sehr verwunderlich! Es macht unglaubwürdig.
4.
stonecold 09.02.2016
Zitat von gedankenvielfaltEs bleibt eine ungeheure Sprachlosigkeit. Die Russen stellen sich bekannter Maßen auf die Seite von Unrechtsregimen - Beispiel Milosevic Anfang der 1990er. Aber hier hat man es mit solch einem brachialen militärischen Eingreifen der Russen an der Seite eines brutalen Regimes. ..... wieso gibt es keinen Arzt für Putin und Co?
Ganz anders wir im Westen, wir stehen immer nur an der Seite von Musterdemokratien. Und unserer Verbündeten erst. Stichwort Saudi-Arabien, im Jemen mit tausenden durch Bombardements getötete Zivilisten (natürlich nicht durch barbarische Fassbomben, sondern durch Präzisionsbomben aus westlicher Produktion), Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser, große Teile der Bevölkerung auf der Flucht. All das, was man Syrien und Russland vorwirft, durchgeführt von einer radikalislamischen Erbdiktatur. Allein die westliche Empörung will sich einfach nicht einstellen. Können Sie mir das erklären?
5. Außenminister Steinmeier hatte...
juergw. 09.02.2016
wohl bei seinem Besuch in Riad wenig Erfolg.Nicht nur der böse Russe ,auch die Saudis bomben den Jemen zurück in das Mittelalter.Über die tausende Tote wird nicht mehr berichtet.Auch das Vorgehen von Erdogan gegen seine kurdischen Landsleute wird hir gutgeheißen.
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