Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Krieg in Syrien: Russland-Lob von Ex-Bundeswehrgeneral irritiert Berlin

Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr Kujat: Lob für den Kreml Zur Großansicht
picture alliance/ ZB

Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr Kujat: Lob für den Kreml

Harald Kujat, der Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, hat Russlands Bombenkrieg in Syrien gelobt. In der Bundesregierung heißt es, die Äußerungen gehörten "in Talk-Shows", politisch seien sie nicht ernst zu nehmen.

Die lobenden Worte für Russland des früheren Generalinspekteurs der Bundeswehr, Harald Kujat, sind in der Bundesregierung mit Kopfschütteln aufgenommen worden. "Darauf verwenden wir keine Zeit", heißt es aus dem Umfeld von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Die plakativen Thesen des früheren Top-Generals hätten "ihren Platz in Talk-Shows", aber nicht auf der ernsthaften politischen Bühne, so die Kritik.

Kujat hatte die Rolle Russlands im Syrien-Konflikt gelobt. "Die Russen haben mit ihrem militärischen Eingreifen den Friedensprozess erst ermöglicht", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Weder die Amerikaner noch die Europäer hatten eine Strategie für ein friedliches Syrien und waren auch nicht bereit, sich massiv zu engagieren. Die Russen haben es gemacht und damit ein Fenster für eine politische Lösung aufgestoßen", so der Ex-Bundeswehrgeneral.

Russland hatte Ende September angefangen, Luftangriffe in Syrien zu fliegen. Sie richten sich gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), aber auch gegen Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Bei den Einsätzen der russischen Luftwaffe sollen nach Darstellung von Amnesty International Tausende Menschen ums Leben gekommen sein, darunter Hunderte Zivilisten.

Ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien ist bisher nicht in Sicht. Kujat widersprach im Interview der Vermutung, der russische Präsident Wladimir Putin habe mit den Bombardements in Aleppo gezielt versucht, die Lage zu verschärfen. Russland gehe in Syrien vielmehr nach einem strategischen Plan vor: "Putins Ziel lautet, den Vormarsch der syrischen Truppen in Richtung IS-Gebiet zu unterstützen. Aleppo ist auf diesem Weg bisher wie ein Sperrriegel gewesen, weil die Stadt von der syrischen Opposition gehalten wurde."

Seit Wochen bombardieren russische Kampfflugzeuge Aleppo. Es soll dort keine reguläre Wasserversorgung mehr geben, Gebäude sind zerstört, Zehntausende Menschen auf der Flucht. Der Westen kritisierte die Angriffe scharf: Moskau spiele damit dem IS direkt in die Hände, sagte der US-Sonderbeauftragte für den Kampf gegen die IS-Miliz, Brett McGurk.

vek/mgb/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 189 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Geht auch schlimmer
Bueckstueck 12.02.2016
Der lupenreine Demokrat in Moskau hält sich einen deutschen Ex-Kanzler als Chef-Lobbyist in Deutschland - da kann ein Ex-Generalinspektor der Bundeswehr nicht gegen anstinken.
2. Fachmann gegen Politik-Zirkus
bobrecht 12.02.2016
Hier spricht ein langjähriger Fachmann und dessen Meinung wird aber vom Berliner Politik-Zirkus heruntergewürdigt. Er liefert eine kenntnisreiche Analyse, Frau von der Leyen hingegen sagt nix. Man fragt sich, warum das so ist.
3. Hören
Ossifriese 12.02.2016
"...'Darauf verwenden wir keine Zeit', heißt es aus dem Umfeld von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Die plakativen Thesen des früheren Top-Generals hätten 'ihren Platz in Talk-Shows', aber nicht auf der ernsthaften politischen Bühne, so die Kritik. ..." Witzig. Auf welche Thesen verwendet denn das UvdL-Umfeld seine Zeit? Was ist von dort bis jetzt an diskussionsfähigen Inhalten gekommen, die der Wirklichkeit entsprechen und die vor allem umgesetzt werden könnten? Ich erinnere mich da an nichts. Halt, doch: Stationierung von Flugabwehrraketen in der Türkei. Haben was gebracht? Nichts. Waffenlieferungen an die Kurden - zum Frieden in Syrien sind die aber auch völlig unerheblich. Also, welche Vorschläge zu einem Friedensprozess in Syrien hat das deutsche Verteidigungsministerium? Keine? Dann sollte man dem Ex-General besser zuhören!
4. Recht hat er!!!
majkusz 12.02.2016
Ohne Wladis Einsatz wäre gar nix möglich. Schlimm, daß weiter Menschen sterben, aber 1. hat sich das heillos zerstrittenene syrische Volk es sich großteils selber eingebrockt, 2. ist der Westen durch permanente Einmischung nicht ganz unschuldig, und drittens wollte der Westen wieder mal einen Verbündeten Russlands knacken. Die Rechnung zahlen nun alle, beherzter Einsatz kann die Kosten drücken und evtl. Waffenruhe schaffen, selbst wenn das dann nicht in eine Wunsch-Demokratie nach EU-Vorstellungen mündet. Aber auch damit müssen wir dann leben...konnten wir ja vorher auch.
5. Alles, was nicht von der Nato
ixfueru 12.02.2016
und unseren Freunden von der anderen Seite des großen Teiches gesagt wird, ist wahrscheinlich für Talk-Shows geeignet. Wäre auch unmöglich, wenn jemand eine andere Meinung hätte, die sich als richtig erweisen würde. Das darf einfach nicht sein.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Syrien-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: