Von Flüchtlingen aus Wrack gezogen NPD-Mann bedankt sich nur halbherzig für seine Rettung

Syrische Flüchtlinge zogen einen verunglückten NPD-Mann aus seinem Autowrack. Doch der Funktionär der rechtsextremistischen Partei tut sich mit einem Dankeschön schwer.

NPD-Kommunalpolitiker Stefan Jagsch
peter-juelich.com

NPD-Kommunalpolitiker Stefan Jagsch


In der Nähe von Büdingen im hessischen Wetteraukreis fuhr der NPD-Kommunalpolitiker Stefan Jagsch gegen einen Baum. Gerettet wurde er nach Angaben der örtlichen Feuerwehr von zwei Flüchtlingen aus Syrien. Sie zogen ihn aus dem Wrack und leisteten nach Angaben der Polizei auch Erste Hilfe bei dem Verunglückten. Jagsch, bis vor Kurzem noch NPD-Landeschef in Hessen, kam mit Verletzungen in ein Krankenhaus.

Eigentlich ein Grund für den NPD-Mann, sich bei seinen Rettern zu bedanken. Doch das fällt ihm offenbar schwer. Stattdessen äußert er sich auf seiner Facebook-Seite: Er sei zum Zeitpunkt der Bergung nicht bei Bewusstsein gewesen. "Ich kann also weder bestätigen, dass es ein syrischer Flüchtling war, der mich aus dem Fahrzeug gezogen hat, noch widerlegen", schreibt Jagsch und zweifelt damit an den Angaben der Feuerwehr.

Der Hessische Rundfunk bekam den NPD-Mann ans Telefon: Er bedanke sich "bei allen, die vor Ort waren, um mir zu helfen, und bitte um Verständnis, dass ich aus gesundheitlichen Gründen zeitnah keine weiteren Stellungnahmen abgeben kann".

"Wenn es so war, ist es lobenswert, dass mir syrische Flüchtlinge geholfen haben", sagt Jagsch demnach. "Aber wenn ich das in der Zeitung lese, ist das für mich noch keine Tatsache."

Der Landesvorsitzende der NPD, Jean-Christoph Fiedler, sagte der "Frankfurter Rundschau", Jagsch gehe es "den Umständen entsprechend". Allerdings könne sich Jagsch selbst "nicht wirklich an den Unfall erinnern". Auch über die Unfallursache sei weiterhin nichts bekannt. Die Hilfe der Syrer bezeichnete der NPD-Vorsitzende immerhin als "wohl eine sehr gute, humane Leistung".

Der Wetteraukreis in Hessen gilt als eine jener Gegenden, in denen Fremdenfeinde derzeit besonders viel Erfolg haben. Bei den hessischen Kommunalwahlen landete die NPD in dem 21.000-Einwohner-Städtchen Büdingen bei satten 10,2 Prozent, im benachbarten Altenstadt waren es 10 Prozent. Seit Monaten hetzen die Rechtsextremen in der Region gegen eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

als

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.