Demos zum 1. Mai Schwere Krawalle in Paris, Dutzende Festnahmen in Istanbul

Weltweit demonstrieren Hunderttausende Menschen zum 1. Mai für mehr Gerechtigkeit. In Deutschland bleibt es bisher weitgehend friedlich, anders als in Frankreich und der Türkei.

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Während der Mai-Demonstration in Paris hat es schwere Krawalle gegeben. Mehr als tausend Vermummte lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichten. Die Demonstranten griffen die Beamten im Osten der französischen Hauptstadt mit Wurfgeschossen an, zertrümmerten Autos und Fensterscheiben und steckten Fahrzeuge in Brand. Einige plünderten eine McDonald's-Filiale. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern.

Die Polizei gab die Zahl der Vermummten mit rund 1200 an. Innenminister Gérard Collomb verurteilte "mit Nachdruck" die "Gewalt und Sachbeschädigungen" am Rande der Demonstration zum Tag der Arbeit.

Die Pariser Polizei hatte zuvor mit Ausschreitungen gerechnet. "Extremistische Gruppen" wollten den Tag zu einem "großen revolutionären Treffen machen", hatte sie erklärt. In Frankreich war in den vergangenen Wochen der Zorn vieler Arbeitnehmer über die Reformen von Präsident Emmanuel Macron gewachsen.

In anderen französischen Städten blieb es bei den traditionellen Mai-Demonstrationen der Gewerkschaften zunächst ruhig.

"Überwiegend gut gelaunt"

Ebenfalls friedlich verliefen die Kundgebungen in Berlin. "Bisher ist die Lage stabil, wir haben alles im Griff", erklärte die Polizei am Nachmittag. Obwohl bekannte Kreuzberger Straßenfeste wie das "Myfest" und das "MaiGörli" bereits am frühen Nachmittag sehr gut besucht gewesen seien, habe es keinen Anlass für Sperrungen oder Auflösungsaktionen gegeben. "Die Leute sind überwiegend gut gelaunt, die Stimmung ist entspannt", erklärte ein Polizeisprecher.

Am Abend begannen über 1500 linke Aktivisten ohne Anmeldung bei den Behörden ihre traditionelle sogenannte Revolutionäre Demonstration zum 1. Mai in Berlin-Kreuzberg. In Hamburg versammelten sich rund 2200 Teilnehmer zu einem Straßenumzug. Bis zum späteren Abend blieben die Veranstaltungen weitestgehend friedlich.

Rauchbomben und bengalische Feuer in Hamburg

In Hamburg gingen an der Spitze des Zuges zahlreiche schwarz gekleidete und vermummte Demonstranten. Es wurden Böller und bengalische Feuer gezündet. Auch Fahnen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und Bilder ihres inhaftierten Anführers Abdullah Öcalan waren zu sehen.

Auf Transparenten forderten die Demonstranten unter anderem "Befreiung & Solidarität International", "Festung Europa einreissen - Bleiberecht für alle" und "Rüstungsexporte stoppen".

Nach dem Ende der Veranstaltung wurden vereinzelt Flaschen in Richtung von Polizisten geworfen, es gab auch Gerangel zwischen Einsatzkräften und Demonstranten. Zudem wurden Rauchbomben gezündet. Einige Demonstranten seien auch festgenommen worden. Nach Beobachtung von Augenzeugen war das Ausmaß der Ausschreitungen aber deutlich geringer als in den Vorjahren.

In der Vergangenheit war es immer wieder zu Ausschreitungen in Berlin und Hamburg gekommen. Schon in den vergangenen Jahren verliefen die Proteste jedoch weitgehend friedlich. Aufgrund der früheren Gewaltausbrüche war die Polizei mit starken Kräften präsent, allein in Berlin mit 5300 Beamten.

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Mai-Demonstrationen: Schlachten in Paris, Pyros in Berlin

Rechtsextreme Demonstrationen in Ostdeutschland

Die Gewerkschaften machten bei ihren Maikundgebungen die Umwälzungen in der Arbeitswelt zum Thema. Notwendig seien mehr Mitbestimmung und Tarifverträge für alle Beschäftigten, betonten führende Gewerkschaftsvertreter auf zahlreichen Kundgebungen zum "Tag der Arbeit". Nur so lasse sich die Digitalisierung meistern.

An den rund 500 Veranstaltungen zum Mai-Feiertag nahmen nach DGB-Angaben bundesweit rund 340.000 Menschen teil - etwa 20.000 weniger als vor einem Jahr, als die Bundestagswahl bevorstand.

In mehreren Städten Ostdeutschlands verbanden Gewerkschaften die Kundgebungen zum Mai-Feiertag mit Protesten gegen Auftritte rechtsextremer oder rechtspopulistischer Gruppen, so zum Beispiel in Erfurt, Cottbus und Chemnitz.

Harter Polizeieinsatz in Istanbul

Auch in anderen Ländern demonstrierten Menschen am 1. Mai. In Moskau forderten rund 130.000 Menschen eine bessere Sozialpolitik. In Athen protestierten nach Polizeiangaben 15.000 Menschen gegen die Sparpolitik der Regierung.

In Istanbul ist die türkische Polizei mit großer Härte gegen Demonstranten vorgegangen. Tausende versammelten sich im asiatischen Stadtteil Maltepe außerhalb des Stadtzentrums. Der zentrale Taksim-Platz hingegen war abgesperrt.

Die Polizei nahm mehr als 80 Menschen in Gewahrsam, die meisten, als sie in Richtung Taksim-Platz unterwegs waren, wie die Nachrichtenagentur DHA meldete. Im Zentrum Istanbuls sind Demonstrationen am 1. Mai seit 2014 - als Reaktion des Staates auf die regierungskritischen Gezi-Proteste - verboten.

Viele der Festgenommenen waren von Polizisten zunächst übermannt, auf den Boden gedrückt und gefesselt worden. Die Polizei hatte rund 26.000 Beamte im Einsatz.

Der 1. Mai gibt in Istanbul traditionell Anlass zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, allerdings verstärkten die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen zuletzt massiv. Grund sind die innenpolitischen Spannungen nach der Ankündigung vorgezogener Parlaments- und Präsidentschaftswahlen für den 24. Juni durch Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

wal/dpa/AFP



insgesamt 15 Beiträge
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taanuu 01.05.2018
1. Wie sich die Bilder gleichen
In Istanbul nahm die Polizei Leute auf dem Weg zum Taksim-Platz in Gewahrsam und in Essen? Das ist aber für SPON keine Nachricht.
panzerknacker 51 01.05.2018
2. Randale in Frankreich?
Gut so! In Deutschland ist sowas ja nicht denkbar. Wie sagte Lenin so treffend: Wenn Du einem deutschen Revolutionär sagst, er möge den Bahnhof stürmen, kauft der sich erst einmal eine Bahnsteigkarte.
kobold17 01.05.2018
3. Uns geht es gut!!!
Die Schmerzgrenze der Deutschen ist schon so groß geworden, weil sie mit einem Kreuz bei den Wahlen glauben alles im Griff zu haben. Die suggestive Macht von Frau Merkel scheint zu wirken allein schon mit dem Satz „Uns geht es gut“. Saft- und kraftlos schaut die Bevölkerung lieber das ganze auf der Couch Zuhause im Fernseher an. Mit der Ice-Challenge 2014 hatten sie sich allerdings übertroffen. Das ganze würde sich noch steigern lassen mit einer Autofreien Woche. 80% der arbeitenden Bevölkerung einfach mal Urlaub machen und das ganze auch noch im TV anschauen. Friedlicher kann man seinen Frust nicht mehr zum Ausdruck bringen und die ganzen Akademiker hätten endlich mal ihre Ruhe von dem Pöbel der Strasse. Das wäre mal ein Flashmob oder Smart Mob der sogar mich überzeugen würde.
brazzo 01.05.2018
4. @panzerknacker 51
Und Sie glauben tatsächlich, daß diese französischen ?Demonstranten?, mit ihren praktischen Gasmasken, das geknechtete Proletariat vertreten? Gibt ja ein schönes neues Wort für diese Leute. Erlebnisorientiert... Mir fielen noch so einige andere ein, aber das wird dann wieder nicht freigeschaltet. Übrigens hat Lenin, von der von Ihnen erwähnten deutschen Eigenheit, ja durchaus profitiert. Ihm wurde ja nicht nur eine Fahrkarte, sondern gleich ein ganzer Zug gekauft. Großer Fehler, wie wir heute wissen. Und nein, der Wahnsinn ging nicht erst mit Stalin los. Der hat das nur perfektioniert. Btw bin auch immer noch links, nur nicht mehr so verblendet. Meistens zumindest.
bluebro89 01.05.2018
5. Unpolitisch
Jedes Jahr das gleiche Randalsüchtige nutzen den Tag der Arbeit um ihren Frust gewaltsam Ausdruck zu verleihen. Ach und jedes Auto was der Autonomme in brandsteckt is ein weiter Gewinn für die Autokonzerne. Also Leute nicht anstecken sondern zerkratzen so werden wenigstens die Lakierer und Beulendoktoren gefördert. Und warum bitte werden Mitbürger angegriffen die nichts anderes tun als ihren Job. Den niemand möchte einen Plasterstein an den Kopf bekommen.
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