Tag II: Alles rund um den Castor

Von Hubertus von Hörsten, und

21.05 Uhr:

Der Zug ist in der Verladestation in Dannenberg angekommen. Die Tore haben sich hinter ihm geschlossen.

20.58 Uhr: Nahezu geräuschlos setzt der Castor-Transport seinen Weg fort.

20.45 Uhr: Die sechs Castoren stehen hintereinander auf dem Gleis. Direkt an der Verladestation gibt der Pressesprecher der Polizei, Kai Scholl, unter heftigem Gepfeife und Gegröhle ein TV-Interview.

20.40 Uhr: Vor den Toren der Verladestation macht gerade das erste Zwischenergebnis des Fußballspiels Griechenland - Deutschland (0:1) unter den Demonstranten die Runde. Das muntert etwas auf.

20.27 Uhr: An der Einfahrt zum Verladebahnhof stehen inzwischen rund 400 Demonstranten, es werden stetig mehr. Die Stimmung ist weiter gedrückt. Drei Atommüllbehälter sind inzwischen direkt hintereinander gekoppelt.

20.12 Uhr: Das Rangiermanöver auf zwei Gleisen ist eine deutlich langwierige Aktion - jetzt wird der zweite Castor abgehängt. Im gleißenden Scheinwerferlicht glänzen die silbernen Castoren.

20.06. Uhr: Der erste Castor-Waggon ist abgehängt - aus dem Zug werden jetzt die Waggons, die zwischen den Castoren hängen, abgekoppelt.

20.04 Uhr: Einen gelbes Schienenfahrzeug rollt dem Castor entgegen. Aus weiter Entfernung hört man Pfiffe.

20.02 Uhr: Noch 150 Meter

20.00 Uhr: Der Castor fährt im Schritttempo weiter.

19.57 Uhr: Die Polizei wirft den Castor-Gegner auf der Esso-Wiese vor, Straßen beschädigt und Pflastersteine herausgebrochen zu haben. Dennoch ist die Stimmung relativ ruhig.

19.55 Uhr: Auf der Esso-Wiese hat die Polizei den Ring um die Demonstranten enger gezogen.

19.50 Uhr: Die Stimmung unter den Demonstranten an der Zufahrt zum Verladekran ist deutlich frustriert und traurig. Einige haben Tränen in den Augen. Insgesamt hier rund 200 Castor-Gegner.

19.40 Uhr: Auf der Esso-Wiese hat die Polizei die rund tausend noch verbliebenen Demonstranten von den Gleisen abgeschirmt.

19.36 Uhr: Vom Verladekran aus ziehen Polizeieinheiten an den Gleisen entlang auf die Esso-Wiese zu. Der Castor nähert sich in langsamstem Schritttempo seinem heutigen Ziel. 300 Meter noch.

19.34 Uhr: Auf der Esso-Wiese, 500 Meter vor dem Verladekran, brennen kleinere Barrikaden. Die Polizei setzt Wasserwerfer ein. Bislang kommt es nicht zu direkten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

19.33 Uhr: Hubschrauber kreisen nahe vor dem Verladekran über den Schienen. Noch ist von hier aus nichts zu sehen vom Castor.

19.30 Uhr: Das Schienenräumfahrzeug hat kurz vor der Verladestation die Gleise verlassen.

19.25 Uhr: Auf der Wiese neben dem Kran ist ein Konvoi Mannschaftswagen mit Blaulicht aufgefahren.

19.21 Uhr: Der Castor-Transport ist in Dannenberg an der sogenannten Esso-Wiese angekommen. Bislang ist alles ruhig. Es sind noch knapp 500 Meter bis zum Verladekran.

19.18 Uhr: Quer über die Wiese am Verladekran kommt eine Hundertschaft Polizei auf die Gleise zumarschiert.

19.13 Uhr: Der Berliner Konvoi ist in Dannenberg in Richtung Lüchow abgebogen - das ist nicht die Richtung zum Verladekran.

19.07 Uhr: Die Polizisten auf den letzten hundert Metern vor dem Verladebahnhof haben die Ankündigung bekommen: "Es geht gleich los!"

18.59 Uhr: Die von Demonstranten gefürchteten Polizeikräfte aus Berlin sind jetzt auf dem Weg nach Dannenberg. Rund 100 Transporter, Wasserwerfer und Räumfahrzeuge fahren derzeit im Konvoi durch Metzingen.

18.50 Uhr: Die seit Tagen am Verladebahnhof parkenden Polizeifahrzeuge nehmen auf den letzten dreihundert Metern neben den Gleisen Aufstellung.

18.47 Uhr: Am Verladebahnhof in Dannenberg sind bereits die Hubschrauber zu sehen, die den Castor begleiten.

18.42 Uhr: Der Castortransport hat inzwischen Hitzacker passiert. Voraus fahren ein gelbes Schienräumfahrzeug und ein Vorauszug. Er fährt jetzt weiter Richtung Dannenberg.

18.40 Uhr: Der Castor-Transport hat sich inzwischen wieder in Bewegung gesetzt. Es sind jetzt noch rund fünf Kilometer bis Dannenberg. In Hitzacker ist es weiter relativ ruhig.

18.35 Uhr: An vielen Stellen auf der verbleibenden Strecke stehen kleinere Trüppchen auf den Gleisen. Unklar ist, mit welchem Ziel.

18.30 Uhr: Auf der sogenannten Esso-Wiese in Dannenberg sind rund 3000 Castor-Gegner versammelt. Auch hier stehen inzwischen Wasserwerfer und viel Polizei. Die Stimmung ist aggressiv.

18.20 Uhr: Der Castor steht angeblich wieder zwischen Leitstade und Harlingen. Dort soll es eine ausgehebelte Schiene geben.

18.10 Uhr: Zwischen Hitzacker und Seerau sind Wasserwerfer aufgefahren. Auch BGS-Beamte mit Schlagstöcken sind jetzt dort. Vermummte Demonstranten versuchen trotz der Polizeikette immer wieder auf die Gleise zu gelangen. Bislang bleibt es bei kleineren Geplänkeln mit der Polizei.

18.05 Uhr: Die Polizeikette ist inzwischen nahezu dicht - vom Zug noch keine Spur.

17.50 Uhr: Die Polizei hat damit begonnen zwischen der Eisenbahnbrücke in Hitzacker und Seerau eine Kette beiderseits der Gleise zu bilden.

17.40 Uhr: In Hitzacker ist inzwischen das SEK im Einsatz. Die Beamten prügeln die Demonstranten von den Gleisen. Viele der Castor-Gegner dort wissen offenbar noch gar nicht, dass der Zug inzwischen wieder rollt.

17.35 Uhr: Letzte Versuche, den Transport auf der Schiene zu behindern: In Hitzacker sitzen etwa 300 Castor-Gegner nahe der Gleise.

17.30 Uhr: Inzwischen ist der Castor-Zug deutlich näher - ca 15 Kilometer noch bis Dannenberg. Er hat den Bahnhof in Göhrde passiert.

17.20 Uhr: In der Pressestelle des niedersächsischen Innenministeriums laufen die Telefone heiß. Alle wollen wissen, warum der Innenminister erzählt, der Castor fahre nicht mehr heute und der Zug dann kurz drauf doch losfährt. Es gibt noch keine Antwort auf diese Frage.

17.10 Uhr: Der Castor-Zug rollt defintiv. Er hat inzwischen Süschendorf passiert.

16.55 Uhr: Derzeit ist die Lage schwer verwirrend. Aus Dahlenburg gibt es Meldungen, dass der Castor-Zug doch abgefahren ist.

16.40 Uhr: Die Blockade auf den Schienen bei Süschendorf ist geräumt. Von Hubschraubern aus stürmten vermummte Beamte eines Sondereinsatz-Kommandos das Terrain. Viele Demonstranten flüchteten angesichts des beängstigenden Szenarios.

16.25 Uhr: Auf der PK des niedersächsischen Innenministers Heiner Bartling und der Bezirksregierung heißt es, die Polizei habe nicht genügend Einsatzkräfte, um die Sicherheit des Transportes zu gewährleisten. Die Hälfte schlafe, die andere Hälfte sei fertig.

16.20 Uhr: In Lüchow läuft derzeit eine Pressekonferenz: Der Castor wird demnach heute nicht mehr bewegt.

16.10 Uhr: Bei der Polizei heißt es, die Gleise zwischen Dahlenburg und Dannenberg sollen zwei Mal überprüft werden. Der erste Check laufe jetzt.

16.00 Uhr: Der Himmel hat sich zugezogen. Es wird noch kälter.

15.50 Uhr: An der Absperrung zur Verladerampe in Dannenberg stehen ein paar Atomgegner - vielleicht 15. Es sind Mütter mit kleinen Kindern, ein Teeny-Mädchen im gelben Ölzeug mit einem dicken X auf dem Rücken, Männer aus dem Ort. Hinter der Straßensperre stehen Polizisten, rauchen und plaudern - es sind vielleicht auch 15. Über die Sperre hinweg fällt kein Wort, man ignoriert sich irgendwie.

15.40 Uhr: Notstand für die Handy-Telefonierer: Manche Netze funktionieren gar nicht mehr. Das macht die Kommunikation für Demonstranten, Polizisten und Journalisten gleichermaßen schwierig.

15.10 Uhr: In Süschendorf blockieren inzwischen rund 600 Castor-Gegner die Gleise. Weil auf beiden Seiten der Bahnstrecke die Böschung relativ hoch ist, haben die Polizisten Probleme, die Demonstranten fortzutragen. Vermutlich wird auch wieder - wie gestern in Wendisch-Evern - ein Zug herangefahren werden müssen, um die in Gewahrsam Genommenen aus Süschendorf wegzubringen. Normale Transporter können die Strecke nicht erreichen.

15.00 Uhr: Die 16-jährige Marie wird im Krankenhaus von Lüneburg vor der Presse abgeschirmt. Ein Sprecher der Polizei sagt zu SPIEGEL ONLINE, dass sie wegen der Blockade in Süschendorf nach ihrem Krankenhausaufenthalt auf jeden Fall zunächst in Haft kommen wird.

14.30 Uhr: Die Castoren werden nach Polizeiangaben heute "defintiv" nicht mehr nach Gorleben gebracht. Der Zug schaffe höchstens noch die 25 Kilometer von Dahlenburg bis nach Dannenberg. Für den Rest der Bahnstrecke bis zur Umladestation braucht der Zug - wenn nichts mehr dazwischen kommt - eine drei viertel Stunde.

14.10 Uhr: Weitere Polizeikräfte sind auf dem Weg nach Süschendorf. Auch der letzte Castor-Gegner ist jetzt aus dem Beton befreit.

14.00 Uhr: Inzwischen haben rund 300 Demonstranten die Gleise in Süschendorf besetzt. Die Polizei konnte die Aktion nicht verhindern - zu wenig Personal dort.

13.50 Uhr: Das Mädchen Marie ist aus den Gleisen befreit. Die Polizei schirmte die 16-Jährige ab, sie wird jetzt ins Krankenhaus nach Lüneburg gebracht. Dort soll sie untersucht werden. Wie es ihr derzeit geht, ist unklar.

12.40 Uhr: Der Sprecher der Brennelemente Gorleben GmbH, Jürgen Auer, kommentiert gegenüber SPIEGEL ONLINE die Blockaden der Castor-Gegner mit dem Satz: "Der Wunsch der Bürgerinitiative wird nicht aufgehen, den Transport so teuer zu machen, dass er unbezahlbar wird."

12.30 Uhr: Der Betonsockel, in dem die Castor-Gegner in Süschendorf stecken, ist 1,5 Meter tief ins Erdreich neben den Schienen eingelassen.

12.15 Uhr: In Süschendorf ist die Strecke nach wie vor nicht frei. Der Einsatzleiter des Bundesgrenzschutzes vor Ort, Peter Hoppe, sagt gegenüber SPIEGEL ONLINE, es sei jetzt klar, dass die Aktion dort nicht spontan gestern abend zustande gekommen sei. "Die Beschaffenheit des Betons lässt darauf schließen, dass das von langer Hand vorbereitet wurde." Eigentlich hatten die seit Wochen entlang der Strecke patrouillieren Polizisten genau das verhindern sollen.

12.00 Uhr: In Dahlenburg werden die Polizisten, die den Castor bewachen, ausgetauscht.

11.40 Uhr: Als Reaktion auf die Ausschreitungen in der Nacht will die Polizei gewalttätige Atomkraftgegner nun doch in mobilen Gewahrsamszellen festhalten. Diese Gitterkäfige seien im Vorfeld des Castor-Transportes nach Gorleben eigentlich "als Zeichen der Dialogbereitschaft" demontiert worden, sagte Gesamteinsatzleiter Hans Reime. In der Nacht habe es fünf verletzte Beamte gegeben.Einer soll von seinen Kollegen mit dem Auto überfahren worden sein.

Das Mädchen, dass in Süschendorf noch im Beton an den Gleisen feststeckt, ist erst 16 Jahre alt. Nach Angaben des Rot-Kreuz-Einsatzleiters ist ihr Gesundheitszustand kritisch. Die Mutter ist dort, hat ihrer Tochter Essen mitgebracht, kommt aber nicht direkt bis zu ihr vor.

11.30 Uhr: An der Verladestation in Dannenberg patrouillieren seit Stunden Hundestaffeln an den Gleisen entlang. "Die Tiere brauchen Auslauf", heißt es.

11.15 Uhr: In Dahlenburg parkt der Castor-Zug seit heute Nacht nur wenige Meter von einem Wohngebiet entfernt. Die Anwohner machen sich große Sorgen wegen der Strahlung.

11.05 Uhr: Der Bundesgrenzschutz sagt, die drei Schienenblockierer bekommen eine Anzeige wegen schweren Eingriffs in den Schienenverkehr und werden auf freien Fuß gesetzt, sobald sie aus den Gleisen befreit sind. Ob sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist noch unklar.

10.55 Uhr: Mit Presslufthämmern wird jetzt versucht, die beiden in Süschendorf noch festbetonierten Castor-Gegner aus den Schienen zu holen. Um möglichen Erfrierungen vorzubeugen, werden die Gleise mit Heißluft geheizt. Es weht ein eiskalter Wind im Wendland.

10.45 Uhr:Einer der Einbetonierten ist frei. Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele ist vor Ort und konnte mit den Aktivisten sprechen. Es gehe ihnen mental gut, sagte er zu SPIEGEL ONLINE. "Mein Herz schlägt mit den Demonstranten." Die Ärzte fürchten, dass sich die beiden Männer und eine Frau an den einbetonierten Armen Erfrierungen zugezogen haben.

10.30 Uhr: In der Polizeipressestelle heißt es, dass nach dem Ende der Blockade in Süschendorf schweres Gleisbaugerät die gesamte Strecke abfahren wird. In Süschendorf sind größere Reparaturen nötig.

10.15 Uhr: Rund 50 Polizisten und Sanitäter stehen bei der Blockade in Süschendorf. Die noch einbetonierten Castor-Gegner liegen in Decken eingehüllt auf den Gleisen. Niemand weiß, wann der Atommüll-Transport weiterfahren kann.

10.00 Uhr: Der Castor-Transport steht noch immer in Dahlenburg, circa 30 Kilometer vor Dannenberg. Er hatte in der Nacht wegen einer Gleisblockade bei Süschendorf zurückrollen müssen. Dort hatten sich gegen 22 Uhr vier Anti-AKW-Aktivisten an die Gleise gekettet und einbetoniert.

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