Tag III: Alles rund um den Castor

Von Hubertus von Hörsten, und

11.50 Uhr:

Matthias Edler von der Bürgerinitiative in Dannenberg sagt in seiner Bilanz des Atommüll-Transports gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir haben den Castor so lange aufgehalten wie noch nie. Mehr konnten wir nicht erreichen."

11.40 Uhr: Der Gesamt-Einsatzleiter der Polizei, Hans Reime, sagt in Lüchow, er sei dankbar, dass der Castor-Transport so glimpflich abgelaufen sei. Besonderes Lob hatte er für die Konfliktmanager, die "alles getan haben, um den Castor friedlich ins Zwischenlager zu bringen".

11.25 Uhr: Der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling hat die Pressekonferenz in Lüchow mit den Worten eröffnet, er sei erleichtert. Außerdem bedankte er sich, wie man das bei solchen Gelegenheiten macht, bei der Polizei. Anschließend verurteilte er die beiden Grünen Rebecca Harms und Hans-Christian Ströbele, weil sie Sympathie für die Robin-Wood-Aktion in Süschendorf gezeigt hätten.

11.00 Uhr: In dem Ort Trebel bei Gorleben ist eine Pressekonferenz der Castor-Gegner zu Ende gegangen. Die zusätzlich zu den Journalisten rund 150 dort erschienenen Sympathisanten sind sichtlich zufrieden, dass sie die Castoren so lange aufhalten konnten. Ganz besonders feierten sie die Vertreter der Umweltschutzorganisation Robin Wood, unter deren Regie die 17-stündige Blockade-Aktion in Süschendorf gestanden hatte.

Weniger spaßig war der Termin für die Fraktionschefin der niedersächsischen Grünen, Rebecca Harms. Sie wurde mit Pfiffen und "Austreten, Austreten"-Rufen empfangen.

10.50 Uhr: Wenige Minuten vor Beginn der Pressekonferenz in einem Speiseraum der Polizeiinspektion Lüchow: Der Gesamteinsatzleiter des Castor-Transportes, Hans Reime, schüttelt in Siegermanier eine Flasche Sekt und stößt mit der Regierungspräsidentin und dem Innenminister an. Sein Trinkspruch dazu: "Das war der Castor 2001." Vor zwei Wochen hatte er bei SPIEGEL ONLINE angekündigt, sich nach dem Einsatz "einen in die Birne zu kippen".

10.45 Uhr: Die Polizei hat seit dem Start des Castor-Transportes in Frankreich bis heute insgesamt fast 700 Demonstranten in Gewahrsam genommen. Die Zahl der Verhaftungen liegt bei 120. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Demonstranten wurden nach Polizeiangaben 28 Beamte verletzt, zwei davon schwer. Die Zahl der verletzten Demonstranten wird auf mindestens 60 geschätzt.

10.30 Uhr: Im Landkreis Lüchow-Dannenberg geht auf den Straßen nur noch wenig. Die abziehenden Polizeikräfte behindern den Verkehr. In einer Pressekonferenz um 11 Uhr wollen das niedersächsische Innenministerium, der BGS und der Regierungsbezirk ihre Bilanz des Castor-Transportes vorstellen.

10.00 Uhr: Der Physiker Udo Jentzsch sagt zu SPIEGEL ONLINE, dass er bei der Einfahrt des Castor-Transportes in die Verladestation gestern Abend höhere Strahlung als angekündigt gemessen hat. Er hat gemeinsam mit Kollegen in einem Gebäude rund 20 Meter von den Gleisen entfernt für die Bürgerinitiative die radioaktive Strahlung überwacht. Genaues will er noch nicht sagen, zunächst müssten die Werte seriös ausgewertet werden.

09.00 Uhr: Die ersten Hundertschaften der Polizei sind bereits auf dem Heimweg. Als Erste fahren die Bayern zurück - sie haben schließlich den weitesten Weg. Insgesamt wird sich der Abzug der Polizisten über zwei bis drei Tage hinziehen. In der Polizeipressestelle heißt es, man sei sehr zufrieden mit dem Verlauf heute Morgen. "Der frühe Vogel fängt den Wurm," sagt der Sprecher und grinst.

08.12 Uhr: Deutlich sichtbare Entspannung bei den Polizisten. In kleinen Grüppchen stehen einige am Verladekran zusammen. Zigarettenschachteln machen die Runde, Taschen werden gepackt, Castor 2001 ist erledigt.

08.08 Uhr: Rund 50 Demonstranten sind auf die letzte Sekunde am Zwischenlager eingetroffen und pfeifen und buhen. Der Atommüll verschwindet hinter den Toren der Brennelemente Gorleben GmbH.

08.05 Uhr: Der Castor-Transport hat das Zwischenlager Gorleben erreicht.

08.00 Uhr: Am Zwischenlager Gorleben warten Polizei und Presse auf die Castoren - bislang ist dort kein einziger Demonstrant zu sehen.

07.55 Uhr: Der Castor-Transport ist bereits am Ortseingang von Gorleben. Es sind jetzt noch etwa zwei Kilometer bis zum Zwischenlager.

07.45 Uhr: Der Castor fährt Richtung Langendorf. Der Einsatzleiter der Polizei aus dem niedersächsischen Nienburg, an dem der Transport bereits vorbeigefahren ist, ist zufrieden mit dem bisherigen Verlauf.

07.40 Uhr: Anwohner der Strecke zeigen sich wenig überrascht von dem bisher reibungslosen Ablauf des Transportes. Bei der massiven Polizeipräsenz hätten sie nichts anderes erwartet, sagen sie.

07.35 Uhr: Es hat angefangen zu regnen im Wendland. Manche sagen hier, es regne immer, wenn der Castor kommt.

07.30 Uhr: Reporter, die dem Konvoi folgen, werden unter Androhung von Gewalt aufgefordert, ihre Handys auszuschalten.

07.25 Uhr: Über dem Atommüll-Transport kreisen weiträumig im Tiefflug Hubschrauber. Die Lastwagen mit den Castoren kommen zügig voran. Lediglich kurz vor Quickborn, nach etwa vier Kilometern zurückgelegter Strecke, gab es bislang einen kurzen Zwischenstopp wegen einer kleineren Blockade, die schnell aufgelöst wurde.

07.20 Uhr: Mathias Edler aus dem Vorstand der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg sagt zu SPIEGEL ONLINE, dass ihn der frühe Abfahrtstermin nicht überrascht hat. "Wir hatten sogar schon gegen 5 Uhr damit gerechnet." Die Ankündigung der Polizei von gestern, von nur einer Stunde Fahrtzeit, halte er allerdings für nicht einhaltbar.

07.12 Uhr: Ein Polizist ruft über Lautsprecher den wenigen Demonstranten im Schlepptau des Transportes zu: "Jetzt haben wir euch aber ein Schnippchen geschlagen, was ?"

07.00 Uhr: Vor einer Viertelstunde hat der Castor-Transport die Verladestation in Dannenberg verlassen. Er rollt nun das letzte Stück nach Gorleben über die von Tausenden Polizisten abgeriegelte Straße weiter. Der Castor nimmt die so genannte Nord-Route über Quickborn. Viele Demonstranten sind von dem frühen Abfahrtstermin überrascht worden.

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