Von Sebastian Fischer, Florian Gathmann, Severin Weiland und Philipp Wittrock
Wo es bei Schwarz-Gelb trotz konkreter Machtperspektive schon taktisch hapert, da liegen im Jahr 2009 bei Rot-Grün Absprachen noch weit ferner. "Die SPD ist nicht paktfähig", sagt Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Ein Beispiel: Stuttgart-Süd. Dort tritt der grüne Bundeschef Cem Özdemir an, der sich "gute Chancen" auf ein Direktmandat ausrechnet. Das klingt nicht zu verwegen, denn die Grünen konnten bei der Kommunalwahl in Stuttgart Anfang Mai gut 25 Prozent der Stimmen holen - und waren damit stärker als CDU und SPD. Da Özdemir auf der Landesliste nicht abgesichert ist, seine SPD-Gegenkandidatin Ute Vogt als Spitzenkandidatin ihrer Partei dagegen ohnehin im nächsten Bundestag sitzen wird, hätten hier die Sozialdemokraten "liefern können", wie es unter Grünen heißt. Aber Vogt - angeblich sogar gegen das Anraten der Bundes-SPD - macht da nicht mit.
In Sachsen wiederum gibt es einen Grünen-Kandidaten, der für die Erststimme an seinen SPD-Kontrahenten wirbt und diesen auch selbst wählen will: Hubertus Grass animiert die Wähler im Wahlkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge dazu, "ihre Stimmen klug einzusetzen" und den SPD-Mann zu unterstützen. Ein anderer Genosse machte einen Deal mit den Grünen, wurde von seiner Partei aber offenbar umgehend zurückgepfiffen: Wolfgang Wodarg, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Flensburg/Schleswig, hatte zunächst in einer mit den Grünen gemeinsam verfassten Presseerklärung dazu aufgerufen, mit der Erststimme ihn und mit der Zweitstimme die Grünen zu wählen. Davon aber distanzierte sich Wodarg schließlich mit dem Satz: "Ich stelle klar, dass es mir fernliegt, SPD-Wählerinnen und -Wähler von ihrer Zweitstimme für die SPD und Frank-Walter Steinmeier abzuhalten."
Eine skurrile Episode im Stimmen-Kampf ereignete sich Anfang September in Bayern. Die CSU-Zentrale stellte einen Wahlaufruf ins Internet, in dem es hieß: "Erst- und Zweitstimme sind gleich wichtig, denn diese werden zur Ermittlung des Wahlergebnisses zusammengezählt." Bei bayerischen Landtagswahlen ist dies tatsächlich der Fall, doch die Zusammensetzung des Bundestags errechnet sich dann doch ein bisschen anders. "Wählertäuschung" sei das, polterte die FDP. Ein CSU-Sprecher dagegen erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass es sich um ein "redaktionelles Versehen" gehandelt habe. Man habe den Fehler selbst bemerkt und das Papier nach kurzer Zeit wieder von der Seite genommen.
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