Tapferkeitsmedaille Deutsche Soldaten bekommen künftig Ehrenkreuz

Reservisten hatten vergeblich das Eiserne Kreuz der Wehrmacht vorgeschlagen. Deutsche Soldaten bekommen stattdessen für gefährliche Einsätze eine neue Medaille: das "Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit".


Berlin - Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs können Bundeswehrsoldaten wieder mit einem speziellen Tapferkeitsorden ausgezeichnet werden. Die Einführung des Ordens wurde am Freitag im Bundesgesetzblatt verkündet, nachdem Bundespräsident Horst Köhler seine Zustimmung gegeben hatte. Das "Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit" ist eine fünfte Stufe der bislang von der Bundeswehr verliehenen Auszeichnungen.

Das "Ehrenkreuz für Tapferkeit": Auszeichnung für gefährliche Einsätze
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Das "Ehrenkreuz für Tapferkeit": Auszeichnung für gefährliche Einsätze

"Angesichts der gestiegenen neuen Forderungen in den Einsätzen, die auch Gefahren für Leib und Leben nach sich ziehen können, ist es nur konsequent, die Angehörigen der Bundeswehr nunmehr für besondere Tapferkeit im In- und Ausland auszeichnen zu können", erklärte Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Damit könnten Angehörige der Bundeswehr für Taten gewürdigt werden, die weit über das normale Maß der Pflichterfüllung hinausgehen.

Es gehe um "angstüberwindendes und mutiges Verhalten bei außergewöhnlicher Gefährdung für Leib und Leben mit Standfestigkeit und Geduld" im militärischen Auftrag, erläuterte der stellvertretende Sprecher des Verteidigungsministeriums, Christian Dienst. In einer "postheroischen Gesellschaft" könne der Orden durchaus Sinn stiften.

Die neue Auszeichnung heißt nicht Eisernes Kreuz, so wie es über 130 Jahre lang im deutschen Militär Tradition war. Der Reservistenverband der Bundeswehr hatte vergeblich vorschlagen, den Wehrmachtsorden wiederzubeleben. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Eiserne Kreuz etwa 2,3 Millionen Mal für Tapferkeit verliehen. Nach Kriegsende wurde es nicht mehr verliehen, die Grundform ist aber aktuell noch das Hoheitszeichen der Bundeswehr.

Das Ehrenkreuz für Tapferkeit gleicht auf den ersten Blick dem Goldenen Ehrenkreuz, dem bislang höchsten Orden, hat jedoch auf der Bandschnalle laut Verteidigungsministerium ein doppeltes Eichenlaub. Dieses ziert auch die dazu gehörende Ordensspange. Die Tapferkeitsauszeichnung kann verliehen werden, ohne dass der Soldat eine Mindestdienstzeit absolviert haben muss - anders als generell bei den derzeitigen Ehrenkreuzen.

Bislang gibt es vier Ehrenzeichen, die 1980 vom damaligen Verteidigungsminister Hans Apel eingeführt wurden. Sie werden für treue Dienste und beispielhafte soldatische Pflichterfüllung verliehen. Die Ehrenmedaille gibt es frühestens nach sieben Monaten Dienstzeit. Das Ehrenkreuz in Bronze, Silber und Gold wird nach jeweils fünf, zehn oder 20 Jahren Dienstzeit verliehen. Die ersten Einsatzmedaillen händigte der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe 1996 aus.

Die Ehrenkreuze in den verschiedenen Stufen tragen auf der Vorderseite den Bundesadler im Lorbeerkranz. Das in den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold gehaltene Band ist mit einer Spange zur Kennzeichnung des Auslandseinsatzes versehen. Bisher gibt es 32 Spangen für 32 Auslandsmissionen, darunter den Einsatz im Kosovo, am Horn von Afrika und in Afghanistan.

als/AP/ddp



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