Peinliche Werbekampagne: Deutschlands allertollster Beamter

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Manfred Schmidt: Der Behördenchef und das Jubelporträt Fotos
DPA

Eine Werbekampagne trommelt für Integration - und überhäuft den Präsidenten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge mit Lob. Der "Chef mit Teamplayer-Qualitäten" und "Hobbyfotograf auf hohem Niveau" soll Einwanderer fürs Deutschbüffeln begeistern. Das Ergebnis: eine peinliche Lobhudelei.

Hamburg - Zum Einstieg zwei Kostproben: "Seine Vorgesetzten erkannten bei ihm recht bald brillante Auffassungsgabe, Gewissenhaftigkeit, Teamfähigkeit, Einsatzeifer über normale Dienstzeiten hinaus, kommunikative Kompetenz." Und: "Wenn er sich nach gründlicher Analyse für etwas entscheidet, verfolgt er das Ziel unbeirrt. Seine 2084 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen das sehr an ihm."

Wir stellen vor: Dr. Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Schmidt trägt zwar einen Allerweltsnamen, hat aber eine einzigartige Karriere hingelegt. So beschreibt es zumindest ein Porträt, das in diesen Tagen quer durch die Republik geschickt wird. Es trägt den Titel: "Eine erstaunliche Beamtenkarriere." Ein Poster mit Schmidts Konterfei soll schon bald in Rathäusern, Volkshochschulen, Stiftungsbüros hängen - das wünschen sich die Initiatoren einer Werbekampagne für Integration.

Schmidt, 53 Jahre alt und seit Dezember 2010 Leiter der Nürnberger Behörde, ist das neue Zugpferd einer großen Plakataktion des Sprachtestanbieters Telc, der damit unter Migranten für die deutsche Sprache werben will. Schmidt ist neuer Botschafter für "Mehrsprachigkeit und Integration". Das Plakat wurde an Journalisten, Sprach- und Volkshochschulen geschickt.

Ein hehres Anliegen, doch wie sollen Plakate mit dem spröden Beamten Migranten begeistern? Man trägt dick auf. Der Behördenleiter sei ein "glaubwürdiges Vorbild für Mehrsprachigkeit und Integration", heißt es. Den Beweis soll das begleitende Porträt liefern: "Dr. Manfred Schmidt spricht Englisch, leidlich Französisch und perfekt Frankfurterisch", heißt es dort. "Für den nächsten Urlaub überlegen seine Frau und er eine Rundreise durch die Türkei." Und: "Dass die persönliche Referentin des Präsidenten - sie ist in Deutschland geboren und erstklassig ausgebildet - als Muslima ein Kopftuch trägt, macht das Gesamtbild von Dr. Manfred Schmidt stimmig."

"Eine besondere Beziehung"

Plakat der Kampagne mit Schmidt Zur Großansicht
telc

Plakat der Kampagne mit Schmidt

Selten dürfte ein Behördenleiter in einer Werbekampagne so bejubelt worden sein. Der Text erzählt die Geschichte eines steilen Aufstiegs. Vom "guten Abitur", über die Stationen im Innenministerium, wo er "auf der Karriereleiter immer höher steigen konnte", bis zum Wechsel an die Spitze des BAMF ("Manfred Schmidt hob rechtzeitig den Finger"). Und es menschelt. Der Hobbyfotograf "auf hohem Niveau" pflege "auch heute noch ein gutes Miteinander mit den Eltern".

Klingt alles etwas dick aufgetragen? Ach was, heißt es bei Initiator Telc. "Das Porträt ist positiv gehalten, weil es ermutigen soll", sagt eine Sprecherin. Bislang habe es nur positive Rückmeldungen gegeben. Und überhaupt: "Wir haben eine besondere Beziehung zum BAMF und zu Dr. Schmidt."

Das BAMF hat Telc vor Jahren beauftragt, den "Deutsch-Test für Zuwanderer" (DTZ) durchzuführen, der die Abschlussprüfung des Sprachteils des neuen Integrationskurses bildet. Die Firma, die den Test bundesweit anbietet, gewann eine Ausschreibung. Und nun also die Lobhudelei auf den Amtschef - riecht das nicht nach Kumpanei?

"Bei der Kampagne darf es menscheln"

Schmidts Behörde weist das zurück. "Ein Geschmäckle hat das nicht", sagt die Sprecherin Katrin Hirseland. "Die Ausschreibung ist ein paar Jahre her, es wird niemand benachteiligt." Zur Jubelarie, die das BAMF freigab, sagt Hirseland so viel: "Bei solch einer Kampagne darf es auch menscheln. Ob das zu viel Lob ist, kann jeder selbst entscheiden."

Bei Telc heißt es, zuvor habe man ähnlich positiv über frühere Zugpferde der Kampagne, wie Ex-Bildungsministerin Annette Schavan oder den Fußballer Cacau, geschrieben. Schmidt selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seine Sprecherin betont: "Wenn er kein guter Chef wäre, hätten wir ihn auch nicht als guten Chef dargestellt." Den Text verfasste ein Journalist im Auftrag von Telc, das BAMF hatte zuvor ein Interview mit Schmidt gewährt und nahm den Text anschließend ab.

Und immerhin, das Porträt zeigt auch, dass Schmidt einmal ein Ziel verfehlt hat. "Als er 16 war und keine Lust mehr auf Schule hatte, bewarb er sich im Frankfurter Polizeipräsidium. Dort wurde er jedoch nicht genommen. Das traf ihn wie ein Schock und er zog Konsequenzen."

Doch die Episode wirkt nur als Startschuss für die Heldengeschichte des Manfred Schmidt: "Er wiederholte die zehnte Klasse, passte fortan im Unterricht auf, machte die Schulaufgaben und lernte gewissenhaft, schaffte ein gutes Abitur, absolvierte ein Jurastudium und promovierte über Öffentliches Recht. Dieser Teil seiner Vita sagt sehr viel aus über Charakter und Durchhaltevermögen von Dr. Manfred Schmidt."

Und schließlich: "Nur mit dem Polizeipräsidenten hat es bei Manfred Schmidt nicht geklappt. Stattdessen machte er als Ministerialbeamter im Bundesinnenministerium eine noch steilere Karriere."

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insgesamt 100 Beiträge
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1. Vorübung für den nahen 1. April?
urbanibarras 27.03.2013
Es gibt keine tollen Beamten, schon gar keine allertollsten. Tolität - das paßt als Heldengeschichte - selbstredend ebenso als Berufsbezeichnung. Als redaktionelle Fingerübung für den 1. April war der Artikel interessant, jedoch viel zu offenkundig ein Sparwitz. Das geht besser, ein paar Tage Zeit sind es noch, bis zum offiziellen Datum.
2.
jonas4711 27.03.2013
Zitat von sysopDPAEine Werbekampagne trommelt für Integration - und überhäuft den Präsidenten des Bundesamts für Migration mit Lob. Der "Chef mit Teamplayer-Qualitäten" und "Hobbyfotograf auf hohem Niveau" soll Einwanderer fürs Deutschbüffeln begeistern. Das Ergebnis: eine peinliche Lobhudelei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/telc-werbekampagne-mit-jubel-portraet-ueber-bamf-chef-manfred-schmidt-a-891025.html
3. Wenn
jonas4711 27.03.2013
Zitat von sysopDPAEine Werbekampagne trommelt für Integration - und überhäuft den Präsidenten des Bundesamts für Migration mit Lob. Der "Chef mit Teamplayer-Qualitäten" und "Hobbyfotograf auf hohem Niveau" soll Einwanderer fürs Deutschbüffeln begeistern. Das Ergebnis: eine peinliche Lobhudelei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/telc-werbekampagne-mit-jubel-portraet-ueber-bamf-chef-manfred-schmidt-a-891025.html
man sonst keine Probleme hat, ist ja alles gut.
4. ich wünsche herrn schmidt alles erdenklich gute
cirus27 27.03.2013
für seinen lebensweg. möge er seine bestimmungerkennen und seine beispiellose erfolgslaufbahn alsberater in nikosia für die integration verarmter englischerund russischer investoren beschließen. vielleicht möchtendie auch deutsch lernen, um später hierher kommen zudürfen.
5. Deutsch Test
süßkartoffel 27.03.2013
Autsch - "Deutsch Test" tut doch schon beim Lesen weh (wenigstens wenn man in der Grundschule seine Muttersprache noch gelernt hat). Zur Zusammensetzung von Substantiven (für unsere Beamten vielleicht eher: "Hauptwörter") darf ich den Duden zitieren: "Die Zusammensetzung zweier Substantive zu einem neuen Wort mit einer eigenen Bedeutung ist ein besonderes Kennzeichen der deutschen Sprache. Manchmal gerät den Schreibern (vielleicht unter dem Einfluss des Englischen) allerdings aus dem Blick, dass bei dieser Zusammensetzung nicht nur ein neuer Begriff, sondern tatsächlich ein neues Wort entsteht, das dann auch zusammengeschrieben werden muss. Gerade in der Werbung oder bei Produktbezeichnungen u. Ä. begegnet man öfter Gebilden wie „Hand Creme“ oder „Kinder Jacken“, bei denen die Bestandteile einer Zusammensetzung unverbunden nebeneinander ihr Dasein fristen. Getrenntschreibung ist in diesen Fällen aber nach wie vor nicht erlaubt. Dies gilt auch dann, wenn die zusammengesetzten Substantive bzw. ihre einzelnen Bestandteile aus dem Englischen stammen. Wir begeben uns also keinesfalls in eine „Coffee Bar“ oder zum „Hair Stylisten“, auch wenn uns das entsprechende Ladenschilder so verkünden, sondern immer nur in die Coffeebar und zum Hairstylisten." Also, Herr Dr. Schmidt - fangen Sie doch erst mal vor Ihrer eigenen Türe an zu kehren!
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