Extremismus in Deutschland BKA fürchtet Angriffe von Cyberterroristen

Das Bundeskriminalamt warnt nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen vor einer neuen Form des Terrors: Extremisten in Deutschland, die bisher Sprengstoff und Schusswaffen nutzten, könnten auf Hackerangriffe umschwenken. Staatsschützer untersuchen auch 3D-Drucker.

Tatort Cyberspace: Behörden fürchten Hackerangriffe
REUTERS

Tatort Cyberspace: Behörden fürchten Hackerangriffe

Von , Düsseldorf


Die mutmaßliche Verschwörerzelle von Bonn, die einen Anschlag auf den Hauptbahnhof und Morde an rechtsextremen Politikern geplant haben soll, hatte sich mit zwei Pistolen und selbst hergestelltem Sprengstoff bewaffnet. Ihre Laptops nutzten die Islamisten vor allem dazu, sich im Netz einschlägige Hassvideos anzusehen, und um Mails zu schreiben. Für ihre Art des Terrorismus brauchten die Männer um Marco G. keine Computer, sie wollten wohl ganz analog Angst und Schrecken verbreiten.

Doch diese Art von Anschlägen ist möglicherweise ein Auslaufmodell. Wie nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen aus einer vertraulichen Analyse des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, fürchten Staatsschützer künftig auch terroristische Angriffe im Cyberraum.

In ihrem "Gefährdungslagebild Politisch motivierte Kriminalität" warnen die Kriminalisten des Bundes davor, dass extremistische Hacker in sensible Netze oder kritische Infrastrukturen eindringen und dort gefährliche Manipulationen vornehmen könnten. Bislang arbeiteten vor allem ausländische Geheimdienste auf diese Weise, dennoch dürfte das Vorgehen als "Handlungsoption ideologisch handelnder Täter nicht außer Acht gelassen werden", so das BKA. Auch technische Neuerungen wie 3D-Drucker müssten darauf untersucht werden, wie sie von Terroristen missbraucht werden könnten.

"Individueller Dschihad"

Darüber hinaus zeigen sich die Beamten ob des "hohen Sicherheitsrisikos" von aus Syrien zurückkehrenden Dschihadisten und einer "anhaltenden Bedrohung" durch islamistische Terroristen alarmiert. Wie bei den verhinderten Bonner Attentätern, die laut Anklage Provokationen der rechtsextremen Partei Pro NRW rächen wollten, gewinnt dem BKA zufolge die Strategie des "individuellen Dschihads" stetig an Bedeutung. Sogenannte "Lone Offender", also einzelne Angreifer, seien nur schwer aufzuspüren, ihre Taten kaum zu verhindern.

In der rechten Szene wiederum hält das BKA "die Bildung bislang unbekannter terroristischer Gruppen" für möglich, deren "vornehmliche Ziele" Ausländer oder staatliche Repräsentanten sein dürften. Die Entdeckung des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) scheint in dieser Hinsicht zu einem Umdenken der Staatsschützer geführt zu haben.

Überhaupt sind die Neonazis dem Bundeskriminalamt zufolge generell sehr gewaltbereit. Ihre Hemmschwelle, Waffen oder Sprengstoff einzusetzen, sei niedrig. Zudem verfügten die Rechtsextremisten über "eine beachtliche Anzahl von Waffen und Munition".

Mehr als die Hälfte aller politisch motivierten Straftaten in Deutschland wird laut BKA jedoch von Linken verübt. Dazu zählten neben Brandanschlägen mit Millionenschäden auch brutale Angriffe auf Polizisten. Die Szene bestehe dennoch überwiegend aus gewaltfreien Aktivisten, nur ein kleiner Teil schrecke auch vor teilweise schwersten Gewalttaten nicht zurück. Dennoch sei derzeit "keine terroristische Dimension" erkennbar, analysiert das BKA.

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden befindet sich die Linksaußen-Fraktion in einer generellen Orientierungsphase. Abgestoßen von den ritualisierten Krawallen erlebnisorientierter Jugendlicher an den Mai-Feiertagen und zurückgedrängt von der um sich greifenden Gentrifizierung in den Großstädten, sucht die Mehrheit der Radikalen ebenso sehr nach einer Strategie wie nach einer Botschaft. Gewaltakte entstehen demnach eher spontan, als dass sie von langer Hand geplant werden.

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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
Jemand03 17.04.2014
1. Es hilft nur eins!
Zitat von sysopREUTERSDas Bundeskriminalamt warnt vor einer neuen Form des Terrors: Extremisten in Deutschland, die bisher Sprengstoff und Schusswaffen nutzten, könnten auf Hackerangriffe umschwenken. Staatsschützer untersuchen auch 3D-Drucker. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/terror-durch-hacker-bka-fuerchtet-cyberangriffe-im-internet-a-964817.html
Oh mein Gott! Ich denke da sind sich alle einig, dass EINZIGE was hier noch hilft ist lückenlose Vorratsdatenspeicherung!
fhasdorf 17.04.2014
2. Popanz
Natürlich muss man wieder einen Bedrohungspopanz aufbauen, sonst kann man die eigene Bevölkerung ja nicht überwachen.
European 17.04.2014
3. Die NSA entfaltet auf diesem Gebiet die größte kriminelle Energie
insofern ist es ein Witz was das BKA hier von sich gibt und den Interessen der Bürger dieses Landes nicht dienlich. Bitte erst einmal um den millionenfachen Rechtsbruch durch die NSA kümmern und dann um den Rest.
gog-magog 17.04.2014
4.
Zitat von sysopREUTERSDas Bundeskriminalamt warnt vor einer neuen Form des Terrors: Extremisten in Deutschland, die bisher Sprengstoff und Schusswaffen nutzten, könnten auf Hackerangriffe umschwenken. Staatsschützer untersuchen auch 3D-Drucker. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/terror-durch-hacker-bka-fuerchtet-cyberangriffe-im-internet-a-964817.html
Cyberterrorismus wird in großem Stil derzeit nur von Geheimdiensten ausgeübt, allen voran die NSA.
derigel3000 17.04.2014
5. optional
Meine Güte, was haben wir beim BKA für schlaue Leute sitzen. Im Ernst: Selbst wenn man einen ausreichend präzisen 3D-Drucker zur Verfügung hat, braucht man für so eine Waffe Munition im hierzulande eher seltenen Kaliber .380 ACP (für welche die bekannte 3D-Pistole eingerichtet ist) Munition gibts in Deutschland nur mit WBK und eingetragener Waffe in diesem Kaliber bzw Jagdschein. Dann kommt noch das (bei Leuten, die sich mit dem Thema befassen) bekannte Problem, dass die 3D-Pistole meist beim ersten Schuss dem Schützen um die Ohren fliegt. Wenn das BKA wirklich sooo Angst um selbstgebaute Waffen hat, sollten sie sich eher mal im Baumakrt umschauen, am besten in der Abteilung für Wasserrohre. Aber auch docht wieder das Problem: Ich kann mir daheim mit einer entsprechenden Werkstatt alles bauen, trotzdem wird es an der Munitionsbeschaffung scheitern. Aber was soll man beim Spiegel erwarten? Sicher keine Kompetenz, wenn es um waffentechnische und -rechtliche Themen geht.
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