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Terror in Deutschland: Ex-RAFler lasten Wisniewski Mord an Buback an

Von Helmar Büchel

Wer erschoss Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter? Jetzt haben ehemalige Kämpfer gegenüber SPIEGEL TV Stefan Wisniewski als Attentäter benannt - und Verena Becker entlastet.

Anschlag auf Generalbundesanwalt Buback am 7. April 1977: 30 Jahre Schweigen Zur Großansicht
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Anschlag auf Generalbundesanwalt Buback am 7. April 1977: 30 Jahre Schweigen

Wenige Tage vor Prozessauftakt gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker wegen mutmaßlicher Beteiligung am Anschlag auf Siegfried Buback haben frühere Mitkämpfer die inzwischen 58-jährige Angeklagte durch neue Angaben entlastet.

Verena Becker sei nicht die Schützin auf dem Rücksitz des Motorrades gewesen. Dies berichteten übereinstimmend die früheren RAF-Mitglieder Silke Maier-Witt und Peter-Jürgen Boock in exklusiven Interviews mit SPIEGEL TV (SPIEGEL TV Magazin, Sonntag, 3.10.2010, 22:35 Uhr auf RTL). Beide belasten stattdessen den ehemaligen RAF-Kämpfer Stefan Wisniewski als den Mörder Siegfried Bubacks. Das Tatmotorrad sei damals von Günter Sonnenberg gesteuert worden.

Silke Maier-Witt brach ihr über 30-jähriges Schweigen zu den Tätern von Karlsruhe. Nach ihren Angaben hat Stefan Wisniewski nach erfolgreicher Flucht vom Anschlagsort, noch am 7. April 1977, per Telefon das Gelingen der Operation durchgegeben.

Boock sagte SPIEGEL TV: "Die Codeworte waren: 'Dem Onkel geht es wieder gut!'" Boock selbst sei dabei gewesen, als Brigitte Mohnhaupt, die damalige Anführerin der zweiten RAF-Generation, den Anruf Wisniewskis in einer konspirativen Wohnung in Amsterdam entgegengenommen habe.

Mohnhaupt habe anschließend Sieglinde Hofmann über das Telefonat unterrichtet, da Hofmann als damalige Geliebte Wisniewskis in großer Sorge um ihren Freund gewesen sei. Sieglinde Hofmann wiederum habe ihr von den Details berichtet, bestätigte Silke Maier-Witt SPIEGEL TV. Die damals 27-Jährige befand sich nach eigenen Angaben gemeinsam mit Boock, Mohnhaupt und Hofmann im Amsterdamer Unterschlupf. Maier-Witt: "Ich weiß es deshalb, weil Sieglinde Hofmann, die Wisniewski sehr nahestand, ganz erleichtert war, dass er damals gut weggekommen ist."

Ein in dieser Woche bekannt gewordener Geheimvermerk des Bundesamtes für Verfassungsschutz, wonach Verena Becker am Tattag gemeinsam mit Brigitte Mohnhaupt nicht in Europa, sondern in der irakischen Hauptstadt Bagdad gewesen sei, bezeichneten sowohl Maier-Witt als auch Boock als falsch. Boock sagte dazu: "Das ist absoluter Humbug!"

Gegen Stefan Wisniewski, 57, ermittelt die Bundesanwaltschaft seit 2007 wegen einer möglichen Beteiligung am Buback-Attentat. Bisher allerdings ohne Ergebnis.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 209 Beiträge
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1. .
K1llaH 27.09.2010
..oder sucht da jemand nur Gehör, weil diesen Irren keiner mehr zuhören will und die Presse nimmt es Dankend an ?
2. Wen
hilfloser, 27.09.2010
interessieren noch diese alten Kamellen? Haben keine anderen Probleme im Land?
3. Haben wir
pirx64 27.09.2010
Zitat von hilfloserinteressieren noch diese alten Kamellen? Haben keine anderen Probleme im Land?
Ja, haben wir, trotzdem: Mord verjährt nicht.
4. Sind die nicht untereinander zerstritten?
DerDodga 27.09.2010
Ich meine mich zu entsinnen grade der Boock und der Wisnewski haben doch schon ein paar "unterschiedliche Ansichten" zu RAF - Fällen geäussert. Ob da nur einem eine reingewürgt werden soll? Ich habe leider grade die Personen / Zeiten nicht im Kopf, aber wenn die beiden Zeugen zum Zeitpunkt des Anschlags noch aktiv waren, könnte man ja auch vermuten es dient nur der Rettung des eigenen Kopfes?
5. Noch hilfloser
Teebeutelchen 27.09.2010
Zitat von hilfloserinteressieren noch diese alten Kamellen? Haben keine anderen Probleme im Land?
Was für eine bescheuerte Frage. "Mord verjährt nicht." Schon mal was von diesem rechtsstaatlichen Prinzip gehört? Wir hätten noch ganz andere Probleme im Land, wenn wir Grundsätze wie diesen über den Jordan schicken würden.
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RAF: Verena Becker und der Buback-Mord
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Terrorjahr 1977: "Sechs gegen 60 Millionen"

Hintergrund
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Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader galten als führende Köpfe der Roten Armee Fraktion (RAF).

Baader und Ensslin legten 1968 Brände in zwei Kaufhäusern in Frankfurt am Main, mit dieser Aktion begann der RAF-Terror in Deutschland.

Nach Mord- und Bombenanschlägen wurden Baader, Ensslin, Raspe und zwei weitere RAF-Mitglieder im Juni 1972 gefasst. Ihre Gesinnungsgenossen machten weiter und ließen sich von palästinensischen Freischärlern ausbilden.

1977 erreichte die Terrorwelle ihren Höhepunkt: Palästinensische Terroristen kaperten die Lufthansa-Maschine "Landshut" und wollten die Freilassung inhaftierter RAF-Leute erpressen. Eine Sondereinheit der GSG 9 stürmte das Flugzeug. Alle Geiseln überlebten, drei der vier Entführer wurden erschossen.

Wenige Stunden nach Bekanntwerden der Befreiungsaktion begingen Baader, Ensslin und Raspe im Hochsicherheitsgefängnis von Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Einen Tag nach der Obduktion begann Bildhauer Georg Halbritter seine Arbeit an den Leichen und fertigte Totenmasken an.
Sie sind auf der Flucht
BKA
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