Terror in Nahost Fischer soll wieder vermitteln

Als am 1. Juni die Bombe vor einer Discothek in Tel Aviv hochging, saß Joschka Fischer nicht weit davon in einem Hotel - und wurde zum Friedensvermittler per Zufall. In diese Rolle soll der Außenminister nach dem jüngsten Anschlag offenbar erneut schlüpfen.


Fischer trauert um die Opfer des Disco-Attentats vom 1. Juni
EPA/DPA

Fischer trauert um die Opfer des Disco-Attentats vom 1. Juni

Berlin - Fischer plant noch für diesen Monat eine Reise in den Nahen Osten. Das Auswärtige Amt bestätigte am Freitag eine entsprechende Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dieser sagte im ZDF, Fischer "wird im August vermutlich noch einmal eine Reise durch die Region unternehmen, um Deutschlands Stimme deutlich zu machen." Fischer stehe in ständiger Verbindung mit seinen Amtskollegen in Israel und mit den Palästinensern, sagte Schröder. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, es gebe schon seit längerem Überlegungen für eine solche Reise. Einzelheiten könne sie noch nicht nennen.

Schröder zeigte sich betroffen von dem Selbstmordanschlag eines Palästinensers, bei dem am Donnerstag in Jerusalem mindestens 15 Menschen getötet worden waren, darunter auch Kinder. Die "unglaubliche Gewalt" und "völlige Gewissenlosigkeit" vor allem mit Blick auf die Kinder bedrückten ihn sehr, sagte der Kanzler. "Das Mitgefühl eines jeden Deutschen ist, glaube ich, mit den Opfern, insbesondere mit den Kindern." Fischer hatte das Attentat bereits am Donnerstag scharf verurteilt.

Schröder bekräftigte, Europa werde sich gemeinsam mit den USA weiter um eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts bemühen. Zwar habe niemand ein Patentrezept für eine Lösung. "Doch wir dürfen uns nicht abwenden. Wir müssen alle unsere politischen Möglichkeiten nutzen, mit unseren Partnern und den Vereinten Nationen", sagte Schröder. Man müsse darauf drängen, dass die Eskalation der Gewalt durchbrochen werde und der so genannte Mitchell-Plan umgesetzt werde. Dieser Plan einer internationalen Kommission unter Vorsitz von Ex-US-Senator George Mitchell sieht einen Waffenstillstand und weitere Schritte zu neuen Friedensgesprächen vor.

Fischer hatte bei einem Besuch in Israel Anfang Juni nach einem Selbstmordattentat in Tel Aviv zwischen Israel und den Palästinensern vermittelnd gewirkt und damit dazu beigetragen, eine weitere Eskalation zunächst zu vermeiden. Er hatte seinen Einsatz ständig mit dem EU-Beauftragten für Außenpolitik, Javier Solana, abgestimmt und betont, Deutschland spiele keine eigenständige Vermittlerrolle im Nahen Osten.



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