Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Terrorismus: Al-Qaida feiert vereitelte Paketbomben-Anschläge

Kleiner Aufwand, große Wirkung: Das Terrornetzwerk al-Qaida verkauft die fehlgeschlagenen Paketbomben-Anschläge als Erfolge. Mit 3000-Euro-Apparaten, so behaupten die Terroristen, sei es gelungen, dem Westen Milliardenkosten aufzubürden.

Paketbombe aus dem Jemen: "Der Feind soll ausgeblutet werden" Zur Großansicht
dpa

Paketbombe aus dem Jemen: "Der Feind soll ausgeblutet werden"

Washington - Zwei Nokia-Handys, zwei HP-Drucker, eine Ausgabe eines Charles-Dickens-Klassikers sowie Transport und Diverses - mehr brauchte es nicht, um den Westen in Aufregung zu versetzen. So jedenfalls rechnet der jemenitische Zweig der al-Qaida und unterschlägt in seiner Propaganda-Kalkulation die Kosten des Sprengstoffs.

Ihre fehlgeschlagenen Anschläge mit zwei Paketbomben verkaufen die Terroristen nämlich nun als großen Erfolg und Beispiel einer neuen Strategie. Die Operation, die gerade mal 4200 Dollar (knapp 3000 Euro) gekostet habe, zwinge den Westen zu Milliardenausgaben für neue Sicherheitsmaßnahmen, so der al-Qaida-Ableger in seinem englischsprachigen Magazin "Inspire".

Wie daraus die auf Überwachung islamistischer Gruppen spezialisierte US-Organisation Intelcenter am Sonntag berichtete, seien die beiden im Oktober in Dubai und Großbritannien abgefangenen Bomben Teil der "Operation Blutsturz" gewesen, die wiederum zu der neuen "Strategie der 1000 Schnitte" gehöre.

Fotostrecke

5  Bilder
Bundespolizei: Mehr Präsenz an Flughäfen und Bahnhöfen
"Um Amerika in die Knie zu zwingen, müssen wir nicht groß zuschlagen", so der Qaida-Ableger. "In einem Umfeld der Sicherheitsphobie, die Amerika erfasst (...), soll der Feind ausgeblutet werden", zitierte Intelcenter. Entsprechend werde jetzt eine Strategie der wirtschaftlichen Schäden verfolgt, anstatt dem Westen wie bisher menschliche Verluste zuzufügen. Damit würden die Feinde "zu erhöhten Sicherheitsmaßnahmen gegen unsere Sprengsätze" gezwungen, die wiederum "eine schwere Belastung für eine bereits stagnierende Wirtschaft" wären.

So würden die beiden Paketbomben, in die al-Qaida nach eigenen Angaben insgesamt 4200 Dollar investiert hatte, "Amerika und den Westen zweifellos einige Milliarden Dollar für neue Sicherheitsmaßnahmen kosten". "Das nennt sich Hebelwirkung", schrieb al-Qaida weiter.

Angesichts dieser Veröffentlichung zeigte sich Intelcenter-Leiter Ben Venzke beeindruckt. "Wir haben noch nie erlebt, dass eine Dschihadisten-Gruppe in der Qaida-Welt jemals eine derart genaue Darstellung ihrer Philosophie, des Einsatzverlaufs, ihrer Absichten und der nächsten Schritte veröffentlicht", sagte Venzke. Entsprechend hielt er "weitere innovative und wechselnde Anschläge" des jemenitischen Zweigs der al-Qaida für wahrscheinlich.

Die Qaida hatte die Verantwortung für die beiden Ende Oktober entdeckten Paketbomben aus dem Jemen übernommen. Die Pakete waren an jüdische Einrichtungen in den USA adressiert. Sie enthielten Druckerpatronen, in denen der Sprengstoff PETN versteckt war.

Laut "New York Times" befand sich in einer Sendung auch eine Ausgabe des Charles-Dickens-Werkes "Große Erwartungen". Das habe man dort platziert, weil die Gruppe sehr optimistisch gewesen sei, schrieb al-Qaida nun.

jdl/dpa/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Ist Deutschland ausreichend vor Terror geschützt?
insgesamt 4767 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
boell 18.11.2010
Zitat von sysopDie Terrorwarnung von Innenminister de Maizière hat eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Ist der Terrorschutz in Deutschland ausreichend?
Der Terrorismus hat sein Ziel auf ganzer Linie erreicht: Selbstterorisierung spart eigene Kräfte, eine alte militärische Lehre.
2. "der Terrorist mit der Bombe unterm Arm" ist schon unterwegs
DerkurzeEugen, 18.11.2010
Und wer oder was ist Schuld daran ? Natürlich, wir alle, die wir uns gegen den Polizeistaat wehren, die wir z.B. die Vorratsdatenspeicherung verhindert haben. Uhl: "Ohne Vorratsdatenspeicherung können die Menschen nicht mehr geschützt werden. Das ist völlig undenkbar." Ich frage mich, wie es uns so lange ohne Vorratsdatenspeicherung gelungen ist, das Land vor den Terror-Bombern zu schützen !? Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall, lieber Herr Uhl und ich hoffe es bleibt - wie bisher - dabei, dass wir keine Daten auf Vorrat speichern UND keinen Terror im Lande haben.
3.
peter-bömmler 18.11.2010
Das sehe ich genauso ... de Maizière: ".. die Bürger sollen wachsam sein.." hä, worauf soll ich denn GENAU aufpassen ?
4.
plumperquatsch 18.11.2010
Sehr erfeulich ist aber, daß offensichtlich kaum noch einer der Foren Nutzer auf die gefakten "Terror" Warnungen hereinfällt. Betrüblich ist jedoch, die zunehmende Gleichschaltung der Medien. Alles wird gut...
5. Einladung an Terroristen aus dem Jemen
helmers 18.11.2010
Warum hat man schon wieder voreilig die Sperre des Flugverkehrs mit dem Jemen aufgehoben, diese Frage muss die Bundesregierung und die Kanzlerin beantworten, wenn dies hier in unserem Land für Sicherheit sorgen soll, dann ist dies hundert Prozent der falsche Schritt gewesen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Interaktive Grafik
Zeitleiste: Islamistischer Terror seit 2001
Interaktive Karte
SPIEGEL ONLINE
Interaktive Grafik: al-Qaidas wichtigste Kader


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: