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Terrorismus: Erstes Mitglied der Sauerland-Gruppe aus dem Gefängnis entlassen

Er hatte mit fünf Jahren Haft die kürzeste Strafe bekommen und ist nun wieder auf freiem Fuß: Attila Selek, einer der Terrorhelfer der "Sauerland-Gruppe". Doch schon droht ihm der nächste Prozess. Nun soll er seinen deutschen Pass verlieren.

Attila Selek mit seinen Anwälten: seit vergangener Woche frei Zur Großansicht
dpa

Attila Selek mit seinen Anwälten: seit vergangener Woche frei

Ulm/Düsseldorf - Attila Selek ist wieder in Freiheit. Der 26-Jährige wurde auf Beschluss des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) Mitte vergangener Woche auf Bewährung entlassen, weil er zwei Drittel seiner Strafe abgesessen hat. Einen entsprechenden SWR-Bericht bestätigte eine OLG-Sprecherin am Montag. Zuletzt war Selek in Freiburg in Haft.

Selek klagt derzeit vor Gericht gegen den Entzug seiner deutschen Staatsangehörigkeit. An diesem Mittwoch beginnt vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen der Prozess. Der in Ulm geborene Türke hatte 2005 die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen - vor rund einem Jahr hatte die Ausländerbehörde diese Entscheidung aber widerrufen. Medienberichten zufolge soll dabei auch politischer Druck eine Rolle gespielt haben. Selek würde durch den Verlust seines deutschen Passes staatenlos, weil er seinen türkischen Pass bei der Einbürgerung in Deutschland abgegeben hat. Ob er persönlich an dem Prozess in Sigmaringen teilnehmen wird, ist unklar.

Die " Sauerland-Gruppe" hatte 2007 schwere Terroranschläge auf Discotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland geplant. Im März 2010 wurde Selek wegen Unterstützung der Terrorgruppe zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zuvor saß er in Untersuchungshaft, die angerechnet wurde.

Die übrigen Angeklagten in dem Prozess hatten deutlich längere Strafen erhalten. Zu zwölf Jahren Haft verurteilte das Gericht den Anführer der Zelle, Fritz Gelowicz. Auch Daniel Schneider erhielt zwölf Jahre Gefängnis, weil er bei der Festnahme versucht hatte, einen Polizisten zu erschießen. Ein Jahr weniger bekam Adem Yilmaz, der im Prozess aber dafür sorgte, dass alle Angeklagten Geständnisse ablegten. Selek war als einziger nicht der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt, sondern nur der Unterstützung, weil er die Zünder beschafft hatte.

ler/dpa

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1. typisch DE :)
priuskanada 18.07.2011
ich erinner mich noch an die geschehnisse in mallorca vor ein paar woche als ein paar teenager einen obdachlosen zusammengeschlagen haben .. ergebnis wenige tage nach der tat .. mehr als 5 jahre aufenthalt in einer geschlossenen anstalt :-) .. und in DE kommt wer binnen kürzester zeit frei .. das ist das zeichen welches die täter hier echt brauchen .. ich könnte kotzen .. in den usa wäre der glatt adhoc auf den stuhl gekommen und ende ..
2. Prozess
Lindener2001 18.07.2011
Unglaublich, das der schon wieder raus ist... Und jetzt noch ein Prozess, wie schön... Das so jemand auch noch das recht hat, zu klagen, gibt mir sehr zu denken!
3. <3
wischmopp 18.07.2011
Zitat von Lindener2001Unglaublich, das der schon wieder raus ist... Und jetzt noch ein Prozess, wie schön... Das so jemand auch noch das recht hat, zu klagen, gibt mir sehr zu denken!
Wollen Sie etwa deutschen Staatsbürgern das Recht auf den Rechtsweg nehmen? o.0
4. xxx
Schleswig 18.07.2011
Zitat von wischmoppWollen Sie etwa deutschen Staatsbürgern das Recht auf den Rechtsweg nehmen? o.0
Haben sie Belege für die These das er Deutscher Staatsbürger ist?
5. ...
Talent 18.07.2011
Zitat von SchleswigHaben sie Belege für die These das er Deutscher Staatsbürger ist?
aus dem artikel "Der in Ulm geborene Türke hatte 2005 die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen - vor rund einem Jahr hatte die Ausländerbehörde diese Entscheidung aber widerrufen. "
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Sauerland-Terrorprozess
Die Gruppe
Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf mussten sich vier Mitglieder der terroristischen Sauerland-Gruppe verantworten. Es handelt sich um den zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz, den Neunkirchener Daniel Schneider, den Deutsch-Türken Attila Selek und den türkischen Staatsbürger Adem Yilmaz. Gelowicz und Schneider erhielten eine Haftstrafe von jeweils zwölf Jahren, der türkische Staatsbürger Yilmaz wurde zu elf Jahren Haft verurteilt. Als Helfer des Trios muss der Deutsch-Türke Selek fünf Jahre hinter Gitter.

Die Angeklagten hatten vor Gericht zugegeben, im Auftrag der Islamischen Dschihad Union (IJU) in Deutschland Anschläge geplant zu haben. Die IJU unterhält auch Kontakte zum Terrornetzwerk al-Qaida.

Der Plan
Von der Gruppe sei eine "ungeheure Bedrohung" ausgegangen, sagte der Richter in Düsseldorf. Gelowicz und Yilmaz wurden unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Verabredung zum Mord verurteilt, Schneider zusätzlich wegen versuchten Mordes. Bei Selek sah das Gericht den Vorwurf der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung als bewiesen an.

Nach Ansicht der Richter wollten die vier Islamisten aus religiöser Verblendung in der Bundesrepublik ein Blutbad anrichten. Ihnen wurde vorgeworfen, im Jahr 2007 Autobombenanschläge auf US-Einrichtungen in mehreren deutschen Großstädten geplant zu haben. Als mögliche Ziele galten Gaststätten, Pubs, Discotheken und Flughäfen. Ermittlern zufolge hätte es einer der blutigsten Anschläge der Nachkriegsgeschichte werden können, schlimmer als die Anschläge von London und Madrid.

Die Festnahme
Eine großangelegte Polizeiaktion führte am 4. September 2007 zur Verhaftung von Fritz Gelowicz, Daniel Schneider und Adem Yilmaz. Dutzende zivil gekleidete BKA-Beamte und Mitglieder der Eliteeinheit GSG 9 stürmten ein Ferienhaus im sauerländischen Oberschledorn. In der Wohnung fanden sie unter anderem militärische Sprengzünder aus Syrien und 60 Liter Wasserstoffperoxid. Die Bestandteile waren offenbar für drei Autobomben gedacht. Später wurde noch Attila Selek festgenommen - er soll die Zünder für die Bomben besorgt haben.


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