Terrorscanner Wie wir uns dem Attentäter menschlich nähern

Dank Körperscanner sollen Fahnder unter braven Passagieren den Attentäter sofort erkennen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Terroristen auch diese Technik austricksen können. Da hilft nur eines: Nacktflüge.

Von Henryk M. Broder

DPA

Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, dann war es die "Titanic", in der vor ein paar Jahren eine hübsche Zeichnung zum Thema "Kriminalität und wie man sie bekämpft" erschien. Da sah man einige Gangster, die nach einem Banküberfall mit einem Geländewagen davonrasen, während ihnen zwei Polizisten auf Fahrrädern nachsetzen. Sagt der eine Polizist zum anderen: "Moped müsste man haben."

Mit dem Kampf gegen den Terror verhält es sich genauso. Die Terroristen sind den Terrorbekämpfern immer um mindestens eine Nasenlänge voraus. Sie haben entweder die bessere Ausrüstung oder die besseren Einfälle. Die Attentäter von 9/11 waren mit Teppichschneidern "bewaffnet", der Nigerianer vom Delta Flug 253 hatte eine Dosis explosiven Materials in seiner Unterhose platziert. Ein junger Mann, der vor kurzem einen Anschlag auf den König von Saudi-Arabien begehen wollte, soll den Sprengsatz in einer Körperöffnung deponiert haben, die von der Natur eher als Ausgang konzipiert ist.

Nun sollen die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal verschärft werden, der Ganzkörperscanner, dessen Einsatz erst vor kurzem als mit der Menschenwürde unvereinbar abgelehnt wurde, ist wieder im Gespräch. Er soll Objekte sichtbar machen, die am menschlichen Körper versteckt wurden.

Fahnder kommen menschlich näher

Da kann man den Fahndern nur viel Erfolg und viel Spaß bei ihrer Arbeit wünschen.

Bis jetzt mussten sie nur wildfremden Menschen unter die Arme und in den Schritt greifen. Demnächst werden sie den Reisenden, die allein dadurch zu Verdachtsobjekten avanciert sind, dass sie ein Ticket gelöst haben, um von A nach B zu fliegen, menschlich noch näher kommen. Aber nur so lange, bis die Terroristen einen Weg gefunden haben, die Nacktscanner auszutricksen. Und sie werden einen Weg finden, weil sie in der taktisch und strategisch günstigeren Position sind.

Während die Terrorbekämpfer - zumindest in der Theorie - um einen Ausgleich zwischen Menschenwürde und Sicherheit bemüht sind, kommt es den Terroristen nur auf eine Sicherheit an - ihre Mission auszuführen. Die Menschenwürde ihrer potentiellen Opfer ist ihnen so egal wie die Zahl der Einzelteile, mit denen sie nach getaner Tat im Paradies ankommen.

Auch das gehört zu der Asymmetrie des Konflikts: dass man Menschen, die den Tod mehr als das Leben lieben, nicht abschrecken kann, indem man ihnen die Todesstrafe androht. Die einzige Möglichkeit, potentielle Märtyrer wie den jungen, im Wohlstand aufgewachsenen Nigerianer von ihren Mordplänen abzubringen, wäre wohl, ihnen zu versprechen, dass im Falle eines Misslingens alles getan würde, um sie am Leben zu erhalten: in einem Gefängnis mit Frauen als Aufseherinnen, die nur aus Schweinefleisch zubereitete Gerichte servieren, während im anstaltseigenen Fernsehen Videoclips von Russ Meyer und Reden von Geert Wilders als Dauerschleife laufen.

So etwas wäre natürlich mit der Menschenwürde der Attentäter nicht zu vereinbaren, die sofort den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg anrufen und mit einer Beschwerde recht bekommen würden. Andersherum ist noch kein Fall bekannt, dass ein bei einem Anschlag ums Leben gekommener Passagier mit einer Beschwerde gegen die finale Verletzung seines Rechts auf Leben Erfolg gehabt hätte. Er war eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Shit happens.

Und nun also der "Ganzkörperscanner". Seine Einführung wird Millionen kosten und neue Arbeitsplätze schaffen, was in Zeiten der Wirtschaftskrise auch als ein Beitrag zum Konjunkturbeschleunigungsprogramm gesehen werden kann. Ob die Regierungen "Bad Banks" und Auffanggesellschaften für arbeitslos gewordene Mitarbeiter von Versandhäusern einrichten oder den Sicherheitsapparat bis zum Horizont ausbauen, macht volkswirtschaftlich keinen Unterschied. Es kommt nur darauf an, dass möglichst viele Menschen beschäftigt werden, die sonst die Arbeitslosenstatistik belasten würden. Und dass die Reisenden das Gefühl haben, es werde alles für ihre Sicherheit getan. Schon heute empfinden sicherlich viele Passagiere das Abgetastetwerden nicht als eine Zumutung, sondern als ein Kompliment - welcher Rentner , der daheim nix zu sagen hat, wäre nicht geschmeichelt, wenn man ihn für einen potentiellen Terroristen hält?

Um das Fliegen wirklich todsicher zu machen, sollte man alle Passagiere nur noch vollkommen nackt an Bord gehen lassen, sie an Armen und Beinen für die Dauer des Fluges festschnallen, um sie intravenös zu ernähren, während Mario Adorf über Bordlautsprecher aus Erica Jongs Klassiker "Angst vorm Fliegen" vorliest. Dermaßen versorgt und sicher vergeht jeder Flug wie im Fluge.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
timohamburg 01.01.2010
1. Nackt fliegen?
Nackt fliegen ist eine gute Idee. Vorher besteht ja aber immer noch die Möglichkeit, wie gefordert, das Duty Free Angebot zu reduzieren. Letztendlich bleiben aber immer noch genug Möglichkeiten Dinge IM Körper zu transportieren. Sei es durch natürliche Körperöffnungen oder künstlich geschaffene. Vielleicht sollte man das Fliegen an sich verbieten. Ist auch viel besser für das Klima ;-) Die Abrechnungsprobleme mit der Flugbereitschaft des Bundes würde sich auch erledigen - und die menschliche Wärme auf den Bahnhöfen würde zunehmen. Wenn das keine Win-Win-Situation ist?!
aschu0959 01.01.2010
2. ichwillkeinentitelangebenmüssen
Zitat von sysop; " Dank Körperscanner sollen Fahnder unter braven Passagieren den Attentäter sofort erkennen. " Was heißt hier braver Passagier, ich nenne das Klimaschädling. Mal im Ernst, selten so gelacht. Endlich mal jemand der sich der Problematik von der richtigen Seite annähert.
bluedanube, 01.01.2010
3. Körperstyling für Nacktflüge....
Zitat von timohamburgNackt fliegen ist eine gute Idee. Vorher besteht ja aber immer noch die Möglichkeit, wie gefordert, das Duty Free Angebot zu reduzieren. Letztendlich bleiben aber immer noch genug Möglichkeiten Dinge IM Körper zu transportieren. Sei es durch natürliche Körperöffnungen oder künstlich geschaffene. Vielleicht sollte man das Fliegen an sich verbieten. Ist auch viel besser für das Klima ;-) Die Abrechnungsprobleme mit der Flugbereitschaft des Bundes würde sich auch erledigen - und die menschliche Wärme auf den Bahnhöfen würde zunehmen. Wenn das keine Win-Win-Situation ist?!
Da haben Sie mir aber das Thema weggenommen mit dem ich hier gerade Antwirten wollte: richtig, wir brauchen Nacktflüge UND Röntgenkontrolle. Schließlich liese sich Sprengstoff auch verschlucken oder Implantieren und dann im Fluge zünden..... Aber welch enormer Sozialdruck zum Körperstyling käme mit der Einführung von Nacktflügen auf uns zu.....die Folge wäre ein noch größerer Boom an Fitnesstudios.......???
HabeFertig 01.01.2010
4. Funktioniert auch nicht...
Hallo Broeder, Als Journalist sollte man wissen was in der "Welt" passiert und mit der folgenden Information im Hinterkopf wird der ganze Artikel und die Diskussion hinfaellig. http://www.welt.de/politik/ausland/article4687813/Ein-Prinz-und-der-Terrorist-mit-der-Bombe-im-Bauch.html 100% Sicherheit gibt es nicht-auch nicht daheim im Bett.
caraya 01.01.2010
5. DER Kompromiss
Es wird wahrscheinlich wieder an einem wohlbekannten Amerikanischen Doku-Regisseur liegen die Zusammenhaenge zwischen der Scanner herstellenden Lobby und der Nigerianischen Oberklasse aufzudecken um endlich ihre Produkte einfuehren zu koennen. In der Zwischenzeit sollte auf jedem Flugticket ca. 25% der Flaeche genutzt werden fuer die Warnung: "Fliegen gefaehrdet Ihre Gesundheit und kann Sie moeglicherweise pulverisieren" -Es wuerden spontan ca.40%weniger Leute fliegen, die Prozeduren werden wieder angenehmer, und das Klima freut sich! Frohes Neues, etc., Stefan
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