Terrorserie in Paris Ermittlungen gegen deutschen Waffenhändler 

Bei den Anschlägen in Paris sind womöglich Waffen verwendet worden, die von einem Händler aus Deutschland stammen. Laut "Bild"-Zeitung wurde ein Waffenhändler aus Baden-Württemberg verhaftet.

Gedenken vor dem Bataclan: Für die Attentate wurden womöglich auch Waffen bei einem deutschen Händler besorgt
AFP

Gedenken vor dem Bataclan: Für die Attentate wurden womöglich auch Waffen bei einem deutschen Händler besorgt


Bei den Ermittlungen nach den Pariser Terroranschlägen spielt nun offenbar auch ein Waffenhändler aus Deutschland eine Rolle. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte am Freitag, dass ein Ermittlungsverfahren gegen einen 34 Jahre alten Mann laufe.

Unter Berufung auf Unterlagen deutscher Behörden schreibt die "Bild", der Mann habe Anfang November nach einer Internetbestellung vier Sturmgewehre verkauft. Bei den Waffen handele es sich um zwei Sturmgewehre vom Typ AK-47 aus chinesischer Produktion und zwei Sturmgewehre vom Typ Zastava M70 aus jugoslawischer Produktion.

Vier E-Mails auf seinem Smartphone sollen dem Bericht zufolge belegen, dass die Waffen an einen "Araber in Paris" verkauft wurden. Nach Informationen des Blatts gehen französische Ermittler davon aus, dass die Waffen bei den Terroranschlägen in Paris benutzt worden sein sollen. Der Waffenhändler sitzt in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim.

Eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft sagte, "er soll legale Schreckschusspistolen umgebaut haben zu Schusswaffen und diese dann im Internet verkauft haben". Einen Bezug zu den Terroranschlägen von Paris wollte sie zunächst nicht bestätigen.

Islamistische Terroristen hatten vor zwei Wochen an mehreren Orten in der französischen Hauptstadt 130 Menschen getötet, unter anderem mit Sturmgewehren des Typs Kalaschnikow. Frankreich gedenkt am Vormittag der Opfer. Mehr als 1000 geladene Gäste werden zu einer Zeremonie am Invalidendom erwartet, darunter zahlreiche Angehörige der 130 Toten.

Bei der nationalen Gedenkfeier wird Präsident François Hollande eine Rede halten. Die Franzosen sind aufgerufen, ihre Häuser und Wohnungen mit der blau-weiß-roten Landesflagge zu schmücken.

Im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die sich zu der Mordserie bekannt hatte, schmiedet Hollande weiter an einer internationalen Koalition inklusive Russland. Von einem Besuch in Moskau brachte er kleine Zugeständnisse mit. Hollande dankte zugleich Deutschland für militärische Zusagen im Anti-IS-Kampf. Belgiens Hauptstadt Brüssel befindet sich nach fast einwöchiger höchster Terrorwarnstufe auf dem Weg zur Normalität.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen rechtfertigte die zugesagte deutsche Beteiligung am militärischen Vorgehen gegen den IS. Es sei eine notwendige Lehre aus den Taten der Dschihadistenorganisation. Die bittere Erfahrung der vergangenen Monate sei, "dass, wenn wir weiter untereinander nicht einig sind, dass dann nur der IS davon profitiert", sagte von der Leyen den ARD-"Tagesthemen". Es sei "ein Sieg der Diplomatie", dass nun alle zusammen am Verhandlungstisch säßen, fügte die Ministerin mit Blick auf die Abstimmung zwischen dem Westen und Russland über ihre Militäreinsätze gegen den IS in Syrien hinzu.

ler/dpa/Reuters

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