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Terrorvideo: Al-Qaidas Werber aus dem Rheinland

Von Yassin Musharbash

"Abu Talha", der Mann, der in einem Qaida-Video Deutschland bedroht, ist offenbar ein gebürtiger Marokkaner aus Nordrhein-Westfalen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE stieß der 32-Jährige 2007 zu dem Terrornetzwerk.

Berlin - Deutschland wird nicht ungeschoren bleiben, tönt "Abu Talha, der Deutsche" in dem Video, das al-Qaidas Propagandaabteilung am Wochenende veröffentlichte. Über sich selbst verrät er, dass er schon "seit 1993" den Wunsch habe, sich "in die Luft zu sprengen".

Sein Gesicht zeigt "Abu Talha" nicht: Screenshot aus dem Qaida-Video
AFP

Sein Gesicht zeigt "Abu Talha" nicht: Screenshot aus dem Qaida-Video

Das 30-Minuten-Band ist das erste aus der Produktionswerkstatt al-Qaidas, das sich ausschließlich an Deutschland richtet. Passend zu dieser Botschaft wählten die Produzenten von al-Sahab (zu Deutsch: Wolken) einen deutschsprachigen Islamisten aus, um die Botschaft zu übermitteln. Wer aber ist der Mann, der jetzt als Sprecher des Terrornetzwerks auftritt?

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelt es sich um den 32-jährigen Beqay H., der 1977 in Marokko geboren wurde, aber schon länger in Nordrhein-Westfalen lebte. Deutschen Sicherheitskreisen ist er offenbar schon länger unter dem Kampfnamen "Abu Talha al-Maghribi" bekannt, was "der Marokkaner" oder "der Maghrebiner" bedeutet.

Im Jahr 2007, so glauben deutsche Behörden, setzte H. sich ins Krisengebiet am Hindukusch ab. Angeblich soll er dort eine Ausbildung in einem Trainingslager al-Qaidas durchlaufen haben. In dem auf Oktober 2008 datierten Video vom Wochenende nennt H. seinen Aufenthaltsort selbst nicht. Deutsche Behörden vermuten ihn im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.

Insgesamt wird davon ausgegangen, dass sich einige Dutzend Islamisten aus Deutschland bei verschiedenen Terrorgruppen in Afghanistan oder Pakistan aufhalten.

H. ist jedoch der erste, der ein Video mit dem Logo von al-Sahab veröffentlichte, das seit Jahren nur offiziellen Verlautbarungen al-Qaidas vorbehalten ist. Andere bisher bekannte Botschaften von aus Deutschland ins Krisengebiet eingesickerten Islamisten wurden von der Islamischen Dschihad-Union und der Islamischen Bewegung Usbekistan veröffentlicht.

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Qaida-Drohung: "Abu Talhas" Botschaft


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