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17. Juli 2011, 10:14 Uhr

Teure Flüge nach Norderney

Wulff gaukelt im Fernsehen Urlaubsidylle vor

Für die schöne Kulisse kommt der Steuerzahler auf: Bundespräsident Christian Wulff hat sich laut "Bild am Sonntag" eigens für ein Interview nach Norderney fliegen lassen. Das Gespräch sollte das Staatsoberhaupt am Urlaubsort zeigen. Der Haken: Die Ferien haben für Wulff noch gar nicht begonnen.

Hamburg - Sommerinterviews sollen in der nachrichtenarmen Ferienzeit für Stoff sorgen. Politiker sprechen in entspannter Urlaubsszenerie über Gott und die Welt. Das ZDF hat dafür einen Termin bei Bundespräsident Christian Wulff bekommen - die schöne Kulisse muss aber offenbar der Steuerzahler mitfinanzieren. Denn laut "Bild am Sonntag" ("BamS") flog Wulff für die Fernsehaufzeichnung mit dem Hubschrauber extra auf die Insel Norderney - für ein Urlaubsinterview ohne Urlaub.

Der Bundespräsident gab dem ZDF demnach am Samstag vor einer Woche ein Interview, das angeblich während seines Urlaubs entstanden ist. Der hat aber noch gar nicht begonnen. Wulff, seine Frau Bettina und ihre Kinder machen in diesem Jahr zwar tatsächlich Sommerferien auf Norderney - allerdings erst in ein paar Wochen.

Laut "BamS" flog Wulff für die Aufzeichnung mit dem Diensthubschrauber der Bundespolizei eigens nach Norderney und am Nachmittag wieder zurück. Die Kosten pro Flugstunde liegen nach Angaben der Zeitung bei etwa 2500 Euro.

"Der Bundespräsident hat Norderney vorgeschlagen"

Das Präsidialamt teilte mit, dass Wulff nach dem Interview zwar gern auf der Insel geblieben wäre, doch habe er in den nächsten Wochen noch viele dienstliche Verpflichtungen. Am kommenden Mittwoch etwa nehme der Bundespräsident in Berlin an einem Gelöbnis aus Anlass des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944 teil.

Ein ZDF-Sprecher bestätigte, dass der Tross für die Aufzeichnung eigens nach Norderney reiste. "Zum bekannten Prinzip der Sommerinterviews gehört die Aufzeichnung am jeweiligen Urlaubsort des Interviewpartners." Darauf habe das ZDF das Bundespräsidialamt hingewiesen, nachdem von dort zunächst Berlin genannt worden sei. "Der Bundespräsident hat dann Norderney vorgeschlagen, wo er den Sommerurlaub mit der Familie verbringen werde", sagte der Sendersprecher.

Dann habe sich Wulffs Terminkalender in der Woche vor dem Interview dramatisch gefüllt. Erst kurz vor der Aufzeichnung sei er von Reisen in mehrere Länder zurückgekehrt. "Angesichts dieser Entwicklung hat das ZDF angeboten, das Interview dann doch ausnahmsweise in Berlin zu führen, um dem Interviewpartner entgegenzukommen", sagte der Sprecher. "Das Bundespräsidialamt bestätigte daraufhin aber, dass das Sommerinterview, wie ursprünglich vorgeschlagen, auf Norderney stattfinden könne. Das hat das ZDF gern angenommen."

mmq

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