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Teure Flüge nach Norderney: Wulff gaukelt im Fernsehen Urlaubsidylle vor

Für die schöne Kulisse kommt der Steuerzahler auf: Bundespräsident Christian Wulff hat sich laut "Bild am Sonntag" eigens für ein Interview nach Norderney fliegen lassen. Das Gespräch sollte das Staatsoberhaupt am Urlaubsort zeigen. Der Haken: Die Ferien haben für Wulff noch gar nicht begonnen.

Christian Wulff: Der sanfte Strippenzieher Fotos
Getty Images

Hamburg - Sommerinterviews sollen in der nachrichtenarmen Ferienzeit für Stoff sorgen. Politiker sprechen in entspannter Urlaubsszenerie über Gott und die Welt. Das ZDF hat dafür einen Termin bei Bundespräsident Christian Wulff bekommen - die schöne Kulisse muss aber offenbar der Steuerzahler mitfinanzieren. Denn laut "Bild am Sonntag" ("BamS") flog Wulff für die Fernsehaufzeichnung mit dem Hubschrauber extra auf die Insel Norderney - für ein Urlaubsinterview ohne Urlaub.

Der Bundespräsident gab dem ZDF demnach am Samstag vor einer Woche ein Interview, das angeblich während seines Urlaubs entstanden ist. Der hat aber noch gar nicht begonnen. Wulff, seine Frau Bettina und ihre Kinder machen in diesem Jahr zwar tatsächlich Sommerferien auf Norderney - allerdings erst in ein paar Wochen.

Laut "BamS" flog Wulff für die Aufzeichnung mit dem Diensthubschrauber der Bundespolizei eigens nach Norderney und am Nachmittag wieder zurück. Die Kosten pro Flugstunde liegen nach Angaben der Zeitung bei etwa 2500 Euro.

"Der Bundespräsident hat Norderney vorgeschlagen"

Das Präsidialamt teilte mit, dass Wulff nach dem Interview zwar gern auf der Insel geblieben wäre, doch habe er in den nächsten Wochen noch viele dienstliche Verpflichtungen. Am kommenden Mittwoch etwa nehme der Bundespräsident in Berlin an einem Gelöbnis aus Anlass des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944 teil.

Ein ZDF-Sprecher bestätigte, dass der Tross für die Aufzeichnung eigens nach Norderney reiste. "Zum bekannten Prinzip der Sommerinterviews gehört die Aufzeichnung am jeweiligen Urlaubsort des Interviewpartners." Darauf habe das ZDF das Bundespräsidialamt hingewiesen, nachdem von dort zunächst Berlin genannt worden sei. "Der Bundespräsident hat dann Norderney vorgeschlagen, wo er den Sommerurlaub mit der Familie verbringen werde", sagte der Sendersprecher.

Dann habe sich Wulffs Terminkalender in der Woche vor dem Interview dramatisch gefüllt. Erst kurz vor der Aufzeichnung sei er von Reisen in mehrere Länder zurückgekehrt. "Angesichts dieser Entwicklung hat das ZDF angeboten, das Interview dann doch ausnahmsweise in Berlin zu führen, um dem Interviewpartner entgegenzukommen", sagte der Sprecher. "Das Bundespräsidialamt bestätigte daraufhin aber, dass das Sommerinterview, wie ursprünglich vorgeschlagen, auf Norderney stattfinden könne. Das hat das ZDF gern angenommen."

mmq

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1. Brauchen wir einen Bundespräsidenten?
reinhard_m, 17.07.2011
Zitat von sysopFür die schöne Kulisse kommt der Steuerzahler auf: Bundespräsident Christian Wulff hat sich*laut "Bild am Sonntag" eigens für ein Interview nach Norderney fliegen lassen. Das Gespräch sollte*das Staatsoberhaupt am*Urlaubsort zeigen.*Der Haken:*Die*Ferien*haben für Wulff noch gar nicht begonnen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,774892,00.html
Ein Bundespräsident, der als Windbeutel à la Münchhausen potemkinsche Dörfer baut und für unser Geld heile Welt spielt sollte uns zu teuer sein.
2. Schade, Herr Wulff
dirk.kunkel.ronnenberg 17.07.2011
Mal eben mit dem Polizeihubschrauber nach Norderney obwohl das ZDF das Interview auch in Berlin aufgezeichnet hätte....? So voll kann der Terminkalender des armen Herrn Wulff ja gar nicht sein. Und diese Selbstbedienungsmentalität hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Das tut weder der Person Wulff noch dem Amt, das er inne hat, besonders gut. Traurig.
3. Der taugt nichts...
Roueca 17.07.2011
...und wird niemals tauglich werden, egal was er tut. Schickt ihm die Rechnung für seinen Ausflug und dem ZDF dazu, denn warum denken die das das Volk in der Sommerpause Dummschwätzer mit ihren Gebühren bezahlen wollen?
4. Unverständlich.
hauptkommissartauber 17.07.2011
Wollte das ZDF den Zuschauer davor bewahren, einen Bundespräsidenten zu sehen, der nicht im Urlaub ist? Warum wird so viel Geld ausgegeben für den Schein?
5. Ist dem Bundespräsidenten die Adresse Mallorca zu heiß geworden
Roßtäuscher 17.07.2011
Zitat von sysopFür die schöne Kulisse kommt der Steuerzahler auf: Bundespräsident Christian Wulff hat sich*laut "Bild am Sonntag" eigens für ein Interview nach Norderney fliegen lassen. Das Gespräch sollte*das Staatsoberhaupt am*Urlaubsort zeigen.*Der Haken:*Die*Ferien*haben für Wulff noch gar nicht begonnen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,774892,00.html
Hat ihm seine private Nähe zum mehr als zweifelhaften Freund Marschmeyer seine Ferienziele verhagelt? Also auch Wulff ist ein Verwüster von Steuergeldern. Kein Wunder, seine Job-Besorgerin Merkel verwüstet Gelder in großem Stil.
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Der deutsche Bundespräsident
Das Amt
DPA
Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz weist dem obersten Repräsentanten zwar viele Aufgaben zu, aber deutlich weniger politische Befugnisse als etwa in Präsidialdemokratien wie Frankreich oder den USA. Er soll sein Amt unparteiisch führen, ist jedoch nicht auf repräsentative Aufgaben beschränkt.
Die Aufgaben
AFP
Das Staatsoberhaupt vertritt den Bund völkerrechtlich und schließt im Namen des Bundes Verträge mit anderen Staaten. Zu den normalen Geschäften zählen Staatsbesuche und Empfänge von Diplomaten. Er kann durch Reden und Reisen politische Akzente setzen.

Zu den Aufgaben und Rechten gehört die Mitwirkung bei der Regierungsbildung. Der Präsident schlägt dem Bundestag einen Bundeskanzler zur Wahl vor und ernennt ihn. Falls der Kandidat keine Mehrheit findet, kann der Präsident das Parlament auflösen. Er ernennt und entlässt auch die Minister, allerdings auf Vorschlag des Kanzlers. Gesetze können erst wirksam werden, wenn der Präsident sie unterschrieben hat. Seine Unterschrift kann er nur aus verfassungsrechtlichen Gründen verweigern.
Das Wahlverfahren
Reuters
Anders als in Frankreich, Österreich oder Polen wird das deutsche Staatsoberhaupt nicht direkt vom Volk, sondern von einem Wahlgremium (Bundesversammlung) gewählt. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist nur einmal möglich. Der Präsident kann nur durch das Bundesverfassungsgericht und nur bei vorsätzlichen Verstößen gegen das Grundgesetz oder andere Bundesgesetze seines Amtes enthoben werden.


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