Teurer Besuch: Schavan flog mit Flugbereitschaft zum Papst

Die Audienz war kurz, aber teuer: Bundesbildungsministerin Schavan nutzte für einen Termin bei Papst Benedikt XVI. nach SPIEGEL-Informationen die Flugbereitschaft der Bundeswehr. Rund 150.000 Euro kosteten die Hin- und Rückflüge - es gab aber auch Linienverbindungen nach Rom.

Schavan beim Papst: Drei Tage in Rom Zur Großansicht
AP/ Osservatore Romano

Schavan beim Papst: Drei Tage in Rom

Hamburg - Mit drei Begleitern reiste Annette Schavan Ende März nach Rom. Anlass der insgesamt dreitägigen Visite: eine persönliche Audienz der Bundesbildungsministerin bei Papst Benedikt XVI. Die CDU-Politikerin nahm an einer Generalaudienz teil und hatte im Anschluss daran noch ein kurzes persönliches Gespräch mit dem Heiligen Vater. Hinterher sagte die Ministerin, der Papst freue sich auf Deutschland.

Doch die CDU-Politikerin nahm für die Visite im Vatikan nach SPIEGEL-Informationen die Flugbereitschaft in Anspruch - obwohl es an den betreffenden Tagen mehrere Linienverbindungen von Berlin nach Rom gab. Rund 150.000 Euro kostete der Service der Bundeswehr. Eine Flugstunde der Luftwaffen-Challenger wird mit 17.000 Euro veranschlagt, ein Direktflug nach Rom dauert bei Linienflügen gut zwei Stunden. Bei zwei Hin- und Rückflügen am 29. März und am 31. März mit der Flugbereitschaft ergeben sich also Flugzeiten von knapp neun Stunden.

Wie aus den Fluglisten der Flugbereitschaft hervorgeht, reiste die Ministerin am 29. März, dem Vorabend ihrer persönlichen Unterredung mit dem Heiligen Vater, in einem Kleinjet der Flugbereitschaft nach Rom. Am 31. März, also am Tag nach der Audienz, holte die Flugbereitschaft Schavan wieder ab und brachte sie zum Flughafen Münster/Osnabrück, in dessen Nähe sie am Abend einen Vortrag hielt.

Nach den Richtlinien der Flugbereitschaft sind Minister aber nur dann berechtigt, auf die Flugbereitschaft zurückzugreifen, "wenn der Zweck der Reise bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder von Kraftfahrzeugen nicht erreicht werden kann oder wenn andere zwingende Amtsgeschäfte ohne Benutzung des Luftfahrzeugs der Flugbereitschaft nicht erledigt werden können".

Schavan rechtfertigt ihre kostspielige Entscheidung damit, dass sie den Empfang des deutschen Botschafters am Vorabend ihres Treffens mit einem Linienflug nicht mit Sicherheit hätte erreichen können. Die Ministerin habe an der deutschen Islamkonferenz in Berlin teilgenommen, die bis mindestens 15 Uhr angesetzt gewesen sei.

Schavans Gespräch auf Einladung des deutschen Botschafters beim Vatikan mit Vertretern von Kirche, Bildung, Wissenschaft und Kultur habe daher "aus zeitlichen Gründen" nur mit Hilfe der Flugbereitschaft erreicht werden können, so ihr Sprecher: Die Rückreise der Ministerin sei "ebenfalls aus zeitlichen Gründen" mit der Flugbereitschaft erfolgt, "weil die Ministerin im Anschluss einen Vortrag auf dem Fachforum 'Bildung als Schlüssel zur Wirtschafts- und Standortentwicklung' in Nordhorn zu halten hatte".

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insgesamt 342 Beiträge
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1. immer
janne2109 01.10.2011
es gibt fast immer Linienverbindungen und die häufige Nutzung der Flugbereitschaft endlich einmal auf den Prüfstand gestellt werden.
2. unnötig...
axel_roland 01.10.2011
Sicherlich ist es keinem Steuerzahler und Wähler vertändlich zu machen, warum der Besuch eines Politikers eines ausgerechnet sekularisierten Staates bei einem Kirchenoberhaupt so viel kosten muss, wie ein normaler Angestellter in drei oder vier Jahren (!) verdient. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Vielleicht sollte man wirklich mal die Piraten wahlen...
3. Schavan? Was arbeitet die eigentlich?
genugistgenug 01.10.2011
Zitat von sysopDie Audienz war kurz, aber teuer: Bundesbildungsministerin Schavan nutzte für einen Termin bei Papst Benedikt XVI. nach SPIEGEL-Informationen die Flugbereitschaft der Bundeswehr. Rund 150.000 Euro kosteten die Hin- und Rückflüge - es gab aber auch Linienverbindungen nach Rom. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,789430,00.html
Schavan? Was arbeitet die eigentlich? Achso Bildungsministerin, wieso weiß sie dann aber nicht das Staat und Kirche getrennt sind? Das war doch ein reines Privatvergnügen oder hat sie die Absolution für ihre Taten gebraucht oder sich neue Richtlinien abgeholt? Oder wollte sie nur ihr Ego aufpäppeln - ich kann mir mein eigenes Flugzeug bestellen und muss nicht anstehen. Der Papst war doch vor kurzen in Deutschland, hatte das keine Zeit?
4. Ganz schön dreist
nixblicker.st 01.10.2011
Frau Schavan lässt es krachen, als gäb's kein morgen! Fragt sich nur wofür?!? Mit den 150000 Euro hätte man doch sicher was Besseres anstellen können, als die hohle Eitelkeit dieser Dame aus den Taschen der dafür schwer arbeitende Bürger zu befriedigen. ICH BIB EMPÖRT!!!
5. -
propagandhi 01.10.2011
Zitat von sysopDie Audienz war kurz, aber teuer: Bundesbildungsministerin Schavan nutzte für einen Termin bei Papst Benedikt XVI. nach SPIEGEL-Informationen die Flugbereitschaft der Bundeswehr. Rund 150.000 Euro kosteten die Hin- und Rückflüge - es gab aber auch Linienverbindungen nach Rom. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,789430,00.html
Diese Privataudienz beim Oberkasper einer Sekte ist wohl eher weniger Bestandteil der Aufgaben unserer angeblich säkulären Volkszertreter. Vielmehr liegt hier der private Wunsch nach Nähe zu o.g. Sekte und deren Führung vor. Dass sich der Papst 'auf Deutschland freut', hätte sie vermutlich auch aus einem Flugblatt vom Vatikan erfahren. Es ist schon mehr als peinlich, dass Deutschlands Wissenschaftsministerin zum Papst mit seinem Hokuspokus-Programm pilgert wie ein 12-jähriger zum neuen Harry Potter-Film. Solange sie das privat macht, soll es mir egal sein, auch wenn es meinen Respekt für die Person erheblich mindert. Von der Bildungsministerin erwarte ich ein höheres intellektuelles Niveau. Aber dass sie dies auf Steuerzahlerkosten tut, und dazu noch auf die teuerste erdenkliche Art und Weise mit der Flugbereitschaft, ist eine ungeheuerliche Frechheit. Ihren wertlosen Vortrag vor irgendeinem Schwachsinnsverband hätte sie sicher ohne grössere Kollateralschäden absagen können. Und wenn nicht, muss sie eben ihr Privatvergnügen, nämlich ihre Privataudienz, hintenanstellen. Aber kein Stress. Sie hat wohl einfach nicht so weit gedacht, ist ja auch kein Wunder. Soll die gute Annette ihren Trip mit dem Flugbereitschaftsjet einfach selbst bezahlen, dann ist die Sache erledigt. Oder wir ziehen es ihr von der Rente ab.
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