Thüringen Gericht lockert Alkoholverbot bei Neonazifest

Der Landkreis wollte Alkohol komplett verbieten, doch ein Gericht entschied anders: Beim Rechtsrock-Konzert im thüringischen Themar gibt es nun doch Bier und andere Getränke.

Erneut Rechtsrock in Themar (Archivbild)
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Erneut Rechtsrock in Themar (Archivbild)


Ab 20 Uhr dürfen die Veranstalter des Neonazi-Festivals im südthüringischen Themar Alkohol verkaufen: Das hat das Verwaltungsgericht Meiningen entschieden und kassiert damit das Alkoholverbot, das der Landkreis Hildburghausen verhängt hatte.

Gegen die Entscheidung hatten die Veranstalter geklagt. Die Behörden rechnen mit bis zu 1500 Besuchern aus der rechtsextremen Szene, die ab dem heutigen Freitag zu dem Treffen anreisen könnten. 1000 Polizisten sollen an diesem Wochenende für Sicherheit sorgen.

Im vergangenen Jahr hatten etwa 6000 Rechte aus ganz Europa das Festival besucht. Es galt als das größte Rechtsrockkonzert in Deutschland. Während der Veranstaltung sollen Besucher und Bandmitglieder "Sieg Heil" gerufen haben. Außerdem sollen damals indizierte Lieder gespielt und der Hitlergruß gezeigt worden sein.

Zentraler Kopf hinter der Veranstaltung ist Tommy Frenck, der nahe der Stadt Themar einen eigenen Gasthof betreibt.

Vor einer Woche hatte das Verwaltungsgericht bereits ein Verbot für die Veranstaltungsfläche aufgehoben. Zunächst hatte der Landkreis unter Verweis auf seltene Vögel das Fest für die vorgesehene Wiese nicht freigegeben, die Veranstaltung dort untersagt. Das Gericht sah aber keine ausreichenden Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

"Kein Bett für Nazis"

Wie im vergangenen Jahr auch wehrt sich das örtliche "Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit" gegen den Ansturm der Rechten. Sie kündigten Gegendemonstrationen an und wollen auf die Opfer rechter Straftaten aufmerksam machen. In einem offenen Brief riefen sie unter dem Motto "Kein Bett für Nazis" zudem Hoteliers, Gastronomen und Campingplatzbetreiber auf, den Rechten keine Unterkunft zu bieten.

Die Zahl rechtsextremer Konzerte nimmt seit Jahren zu - und ist so hoch wie seit 2005 nicht mehr. Die mit Abstand meisten rechtsextremen Musikveranstaltungen finden laut Bundesinnenministerium in Sachsen und Thüringen statt. Das bestätigte kürzlich erneut eine Anfrage der Linken.

mho/dpa



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