Dutzendfacher Hitlergruß Erhobene Arme bei rechtem Rockkonzert - Polizei ermittelt

Das Video ist eindeutig: Es zeigt Dutzende Besucher des Rechtsrockfestivals im thüringischen Themar, die den Arm zum Hitlergruß heben. Die Polizei will gegen die Neonazis vorgehen.

Neonazis beim Festival "Rock gegen Überfremdung"
REUTERS

Neonazis beim Festival "Rock gegen Überfremdung"

Von Madeleine Janssen


Nach dem Rechtsrockfestival im südthüringischen Themar ermittelt die Polizei: Zahlreiche Teilnehmer hatten den Hitlergruß gezeigt und waren dabei gefilmt worden.

"Wir wissen noch nicht, um wen es sich dabei handelt", sagte ein Sprecher der Thüringer Landespolizeidirektion dem SPIEGEL. Die Ermittler versuchten, an das Originalvideo zu kommen. Die Polizei selbst durfte im Zelt, in dem die Bands auftraten, nicht durchgängig filmen. So sähen es die Regeln zur Begleitung öffentlicher Veranstaltungen durch die Polizei vor, hieß es bei der Landespolizei.

Der Veranstalter sei im Vorfeld darauf hingewiesen worden, dass er das Zeigen des Hitlergrußes und andere Straftaten zu unterbinden habe. Auf Twitter kursiert eine Aufnahme, auf der keine Gesichter zu erkennen sind - der strafbare Hitlergruß, also das Hochrecken des ausgestreckten Armes, aber umso deutlicher.

Der Hitlergruß wurde in Deutschland und Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg verboten und nach Paragraf 86a des Strafgesetzbuches (Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen) und Paragraf 130 (Volksverhetzung) unter Strafe gestellt. Das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden.

Die Rechtsextremismus-Expertin und Abgeordnete der Linken im Thüringer Landtag, Katharina König-Preuss, kritisierte auf Twitter, dass die Polizei nicht eingeschritten sei. Insgesamt seien an dem Tag 43 Strafanzeigen unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bedrohung, Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz gestellt worden, teilten die Beamten mit.

Drei Menschen wurden in Gewahrsam genommen, von 440 weiteren wurde die Identität festgestellt. Die Abreise der Konzertbesucher nach Mitternacht verlief problemlos. Die Polizei war mit rund 1000 Beamten aus Thüringen und anderen Bundesländern im Einsatz.

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Rechtsrock in Thüringen: Tausende Neonazis, Dutzende Gegner

Am Samstag waren 6000 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Russland, Ungarn und Tschechien für das Rechtsrockfestival in den 3000-Einwohner-Ort Themar gekommen. Redner und Bands traten in einem Zelt auf einer großen Wiese am Rande des Ortes auf. Polizei und Ordner durchsuchten die Teilnehmer am Eingang auf verbotene Symbole und Gegenstände.

Der Andrang auf das Gelände war so groß, dass die Veranstalter das mit Bauzäunen abgetrennte Areal am Nachmittag vergrößern mussten. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Rock gegen Überfremdung". Einwohner hatten zum Protest aufgerufen (lesen Sie hier eine Reportage über den Umgang der Bürger von Themar mit den Neonazis).

Mit Material von dpa

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