De Maizière 520 islamistische Gefährder in Deutschland

Die Zahl der islamistischen Gefährder ist in Deutschland laut Thomas de Maizière so hoch wie nie zuvor. In einem Interview warnt der Innenminister vor "fanatisierten Einzeltätern".

Innenminister de Maizière
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Innenminister de Maizière


Innenminister Thomas de Maizière hat vor islamistischen Gefährdern in Deutschland gewarnt. "Ihre Zahl ist mit über 520 Personen so hoch wie nie zuvor", sagte der CDU-Politiker der "Bild".

Dabei handele es sich um Menschen, "bei denen bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung begehen werden", so de Maizière. Weitere 360 Menschen würden von den Bundesländern als sogenannte relevante Personen eingestuft - also als mögliche Unterstützer von schweren politischen Straftaten.

Die Terrorgefahr geht aus Sicht von de Maizière sowohl von sogenannten Hit-Teams aus dem Ausland als auch von fanatisierten Einzeltätern aus Deutschland aus. "Hit-Teams werden konspirativ nach Europa geschleust und bereiten dann ihre Taten - wie bei den Anschlägen von Paris und Brüssel geschehen - oft unbemerkt vor", sagte de Maizière.

Muslime nicht unter Generalverdacht stellen

Noch schwerer seien für die Sicherheitsbehörden allerdings, die Einzeltäter zu entdecken. Sie würden sich mit Propaganda aus dem Internet radikalisieren. "Beide Bedrohungen sind heute leider sehr real", sagte de Maizière.

In dem Interview warnte der Innenminister jedoch davor, angesichts islamistischer Gewalttaten Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Es sei ein Missbrauch der Religion, sich für Mordanschläge auf den Islam zu berufen, sagte de Maizière. Der islamistische Terrorismus habe zwar etwas mit dem Islam zu tun. Aber der Islam trage "keineswegs den Keim des Terrorismus in sich".

De Maizière verwies darauf, dass die meisten Opfer des islamistischen Terrorismus selbst Muslime seien. Zugleich appellierte er an die Muslime, sich von Taten islamistischer Terroristen zu distanzieren. Es sei wichtig, "dass sie in ihren Moscheegemeinden auf die Radikalisierungsverläufe einzelner Personen achten und rechtzeitig einschreiten", sagte der Politiker.

Mehr Frauen und Mädchen radikalisieren sich

Unter denjenigen, die sich in Deutschland radikalisieren, sind offenbar auch immer mehr junge Frauen. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Demnach ging es 2015 in der Hälfte der Beratungsfälle um Mädchen - zuvor seien es etwas mehr als ein Viertel gewesen.

Der Trend setze sich in diesem Jahr fort. Seit der Freischaltung ihrer Hotline 2012 gingen bei der Beratungsstelle mehr als 2500 Anrufe ein. Nach Einschätzung von Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück sind "bereits 13-Jährige unter den Mädchen, die sich radikalisieren". Die Altersgrenze verschiebe sich immer weiter nach unten.

brk/dpa



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