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Thüringen: Althaus macht Wahlkampf mit Skiunfall

Thüringens Ministerpräsident Althaus hat an die anderen Parteien appelliert, seinen schweren Skiunfall im Wahlkampf nicht zum Thema zu machen. Doch gleichzeitig philosophiert der CDU-Mann über die Bedeutung des Unglücks für seine Ehe, Vergebung und seine persönlichen Sympathiewerte.

Hamburg - Er ist wieder ganz der Alte - so zumindest lautet die Überschrift über einem Interview mit Dieter Althaus, das jetzt in der "Bild am Sonntag" erschienen ist. Darin äußert Thüringens Ministerpräsident (CDU) die Hoffnung, dass sein Skiunfall vor sieben Monaten nicht Thema im Wahlkampf wird. "Linkspartei und SPD haben zugesagt, dass sie den Unfall im Wahlkampf nicht thematisieren wollen. Ich hoffe, dass das so bleibt."

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dpa

Wahlkämpfer Althaus in Meiningen: "Das versteht meine Frau"

Gleichzeitig macht der CDU-Politiker den Unfall, bei dem am Neujahrsmorgen eine 41-jährige Mutter ums Leben kam, selbst zum Thema: Durch das Unglück habe er seine Gefühle für seine Ehefrau Katharina neu entdeckt. "Ich habe mich noch einmal neu in meine Frau verliebt. Unsere Ehe hat einen wichtigen zusätzlichen Impuls bekommen."

Seit 1990 hätten er und seine Frau eine Ehe auf räumlicher Distanz geführt. "Im Krankenhaus haben wir nach den Jahren der Fernbeziehung wieder viel Zeit und Nähe miteinander verbracht. Das war für unsere Liebe gut und wichtig", so Althaus.

Für die Zukunft habe er seiner Frau und sich selbst versprochen, "meine freie Zeit so zu organisieren, dass wir beide etwas mehr davon haben". Das Ehepaar habe sich vorgenommen, "dass ich ein Wochenende im Monat für uns frei halte". Doch im Wahlkampf sei das schwierig. "Da steht auch an allen Wochenenden die Arbeit im Mittelpunkt", so Althaus, aber: "Das versteht meine Frau."

Bei der Verarbeitung des Unfalls sei seine Frau eindeutig die wichtigste Gesprächspartnerin. Über Schuldgefühle sagte Althaus: "Sehr früh habe ich die Verantwortung für meine Schuld übernommen. Das ist selbstverständlich. Ich habe um Vergebung gebeten und sie auch erfahren. Vergebung durch meine Frau, durch meine Töchter, in Gesprächen mit Kirchenvertretern und mit Freunden."

Auf die Frage der "Bams", ob bei den Umfragewerten von 40 Prozent für die CDU ein Mitleidsbonus eine Rolle gespielt habe, sagte Althaus der Zeitung: "Das vermag ich nicht zu sagen. Aber es war in den vergangenen Jahren immer so, dass meine persönlichen Werte über denen der Thüringer Union lagen. Das hat sich jetzt bestätigt."

Wenn er einen einzigen Wunsch frei hätte, wünsche er sich: "dass sich Thüringen so erfolgreich weiterentwickelt wie in den letzten knapp 20 Jahren - zum Wohle der Menschen".

Bei dem Unfall am 1. Januar 2009 erlitt Althaus selbst schwere Schädelverletzungen. Vom Bezirksgericht im österreichischen Irdning wurde der Ministerpräsident im März wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 33.000 Euro verurteilt.

jul/ddp/AFP

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