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Rot-Rot-Grün in Thüringen: Die endgültige Niederlage der DDR

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Linker Ramelow: Schon bald erster Mann in Thüringen? Zur Großansicht
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Linker Ramelow: Schon bald erster Mann in Thüringen?

Nun also doch: In Thüringen läuft alles auf Rot-Rot-Grün zu. Erstmals in einem Bundesland könnte die Linkspartei das Ministerpräsidentenamt übernehmen. Die Entscheidung wäre eine Zäsur - in vielerlei Hinsicht.

Am 9. November 1989 öffneten gewohnt miesepetrig dreinschauende DDR-Grenzer die Schlagbäume an den Grenzübergängen in Berlin. Ihre Lieblingspartei, die SED, war fortan das politische Schmuddelkind, mit dem niemand sich einlassen wollte. Genau 25 Jahre später geschieht in Thüringen nun Ungeheuerliches: Die Linke, Nachfolgepartei der SED, könnte erstmals in einem Bundesland eine rot-rot-grüne Koalition anführen. Bodo Ramelow schickt sich an, Ministerpräsident zu werden - wenn die SPD-Basis und der Landtag tatsächlich mitspielen. Dies wäre eine Zäsur in der deutsch-deutschen Geschichte. Aber: Wer will sich darüber noch aufregen?

Längst ist auch die Linkspartei ein Teil der Bundesrepublik geworden, ihre Repräsentanten übernehmen an vielen Stellen Ämter und politische Verantwortung. Sie sind (zumindest überwiegend) in diesem Land angekommen, wie man so schön sagt.

Die Integration der Linkspartei in das demokratische System der Bundesrepublik ist eine Erfolgsgeschichte. Um es ausnahmsweise im alten DDR-Jargon zu sagen: Es zeigt sich einmal mehr die Überlegenheit des Systems - des westlichen wohlgemerkt. Statt auszugrenzen und Gegner zu verfolgen, wie es die SED in der DDR tat, ermöglicht die Bundesrepublik Teilhabe, Mitsprache, Demokratie - sogar für ihre einstigen Gegner. So gesehen wäre Ramelows Wahl zum Ministerpräsidenten die endgültige Niederlage der DDR.

Man stelle sich nur einmal kurz den umgekehrten Fall vor: Wenn vor 25 Jahren die DDR den Wettbewerb der Systeme gewonnen hätte, wäre die SPD heute sicher eine Fußnote der Geschichte. Und Sigmar Gabriel würde den Bürgersteig vor dem Haus der SED-Bezirksleitung Niedersachsen in Hannover fegen.

Thüringen ist ein Testfall

Für die Linke kommt es jetzt drauf an: Sie kann in Thüringen beweisen, dass sie als führende Regierungspartei verantwortliche Politik macht. Gelingt ihr dies, dann stehen ihr neue Perspektiven offen, womöglich sogar irgendwann in einer rot-roten Koalition im Bund.

Natürlich ist aber auch der umgekehrte Fall möglich: Ramelow scheitert kläglich, und die Linkspartei wird auf lange Zeit als Verlierer-Truppe dastehen. Das Risiko ist da. Denn: Zwischen Besserwissen und Bessermachen gibt es eben doch einen erheblichen Unterschied.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Nicht eine endgültige Niederlage der DDR
iketchup 20.10.2014
Es ist eine Niederlage der SPD, mit denen Seit an Seit zugehen, welche die SPD in der DDR zerschlagen haben.
2.
kimba_2014 20.10.2014
"Statt auszugrenzen und Gegner zu verfolgen, wie es die SED in der DDR tat, ermöglicht die Bundesrepublik Teilhabe, Mitsprache, Demokratie - sogar für ihre einstigen Gegner." Dies gilt natürlich nur, so lange man sich links von der CDU befindet. Alles andere ist Freiwild. Und dass die LINKE jetzt den MP stellen wird, kann man nur als Honeckers späten Sieg bezeichnen.
3. Die Linke ist die Nachfolgepartei der SPD
biberzahn 20.10.2014
Die Linke ist die Nachfolgepartei der SPD und nicht der SED zumindest im Westen. Schlechter machen wie die anderen Pappnasen können die es auch nicht,seit Schröder und Merkel wird in dem Land doch nichts besser für die Menschen.
4. Niederlage der SPD
fritzihansi 20.10.2014
Die nächsten Wahlen werden möglicherweise eine kleine Katastrophe für die SPD werden. Es sieht fast so aus, als ob sich die SPD als Volkspartei verabschieden möchte.
5. Alles Gute, Bodo
stepsi 20.10.2014
Es ist eine kleine Ewigkeit her, da war er HBV Gewerkschaftssekretär in Gießen. Auch wenn, schon damals, wir politisch nicht einer Meinung waren, wünsche ich ihm alles Gute. Eins hatte er schon immer: Dickschädel und Gradlinigkeit. Viel Glück bei der Aufgabe.
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