Parteiinterne Kritik an Merkels Kurs "Die Menschen erwarten mehr als ein Wortspiel"

Nicht nur die Sozialdemokraten hadern mit ihrem eigenen Kurs. Auch in der Union gibt es Ärger. Thüringens CDU-Chef Mohring mokiert sich über die Strategie seiner Partei.

Mike Mohring
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Mike Mohring


Angela Merkel steckt noch mitten in den Verhandlungen zu einer neuen Großen Koalition. Geht alles gut, wird sie auch die neue Regierung als Kanzlerin anführen, das ist klar. Doch hinter den Kulissen ihrer eigenen Partei wird bereits kräftig spekuliert: Wer könnte Merkels Nachfolge übernehmen?

In der Vergangenheit ist die Unzufriedenheit über Merkels Kurs gewachsen. Hauptkritikpunkt: Die Vorsitzende habe mit ihrer stets auf Ausgleich bedachten Linie das konservative Profil der CDU verwässert. In eine ähnliche Richtung stößt nun auch die Kritik von Mike Mohring, Landeschef der Union in Thüringen.

In einem Gastbeitrag für den "Focus" kritisiert Mohring die inhaltliche und strategische Ausrichtung seiner Partei. Die Menschen erwarteten "mehr als ein Wortspiel über ein Land, in dem wir gut und gerne leben", schrieb er. Dahinter verbirgt sich offensichtlich ein Angriff gegen Merkel. Das Wahlprogramm der Union für die jüngste Bundestagswahl stand unter der Überschrift "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben". Der häufig als belanglos kritisierte Spruch stand auf zahlreichen Wahlplakaten. Mohring schrieb in dem Beitrag weiter: "Die Menschen wollen wissen, welches Bild von Deutschland ihre Politiker haben: in zehn, in 20, in 30 Jahren. Als Gesellschaft, als Staat, als Nation."

Indirekt attackierte Mohring auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber, indem er sich detailliert zu den Anforderungen für einen potenziellen Nachfolger auf dem strategisch bedeutenden Parteiposten äußerte: "Die Erwartung vieler an den nächsten Generalsekretär ist, dass er diese Entwicklung nach Kräften fördert, die Wahrnehmbarkeit der Union auch in der Großen Koalition gewährleistet - und dass er die Freiheit bekommt, dies auch umzusetzen", sagte Mohring. Tauber ist seit Ende 2013 CDU-Generalsekretär und derzeit noch bis Ende 2018 gewählt. Als potenzielle Nachfolgerin wird etwa CDU-Vize Julia Klöckner gehandelt.



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kev/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
kladderadatsch 02.02.2018
1. Einfach mal gegen Merkel kandidieren!
Warum traut sich niemand auf einem CDU-Parteitag gegen Merkel anzutreten, die ganz offensichtlich nicht zum konservativen Flügel der CDU passt? Ein Ministerpräsident könnte sich das doch erlauben.
IMOTEP 02.02.2018
2. Wendig
Mohrig kritisiert Merkels Linie die auf Ausgleich bedacht ist? Die Wahrheit ist, Merkel ist eine Opportunistin reinsten Wassers die jedem alles verspricht um nur ja an der Macht zu bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen ist sie bereit jeden und im Zweifel alles zu opfern was im Wege steht, sosehr sie es auch schmerzt und tief bedauert. Mit dieser Tour hat sie es immerhin geschafft 12 Jahre an der Macht zu bleiben, sich durchzu Merkeln. Für so viel Wendigkeit, fast schon Respekt.
olaf.lieser 02.02.2018
3. wer sollte gegen Merkel kandidieren?
Zitat von kladderadatschWarum traut sich niemand auf einem CDU-Parteitag gegen Merkel anzutreten, die ganz offensichtlich nicht zum konservativen Flügel der CDU passt? Ein Ministerpräsident könnte sich das doch erlauben.
Moring ist ja kein Ministerpräsident. Diejenigen, die im Amt sind, sind entweder voll auf ihrer Linie, also auch nicht konservativ (Günther, Schleswig-Holstein; Kramp-Karrenbauer, Saarland; Laschet, NRW, oder zu alt (Bouffier, Haseloff). Es gibt wenig konservatives Personal in der CDU, sie wurden von Merkel weggebissen oder haben sonstwie das Weite gesucht.
macjackson 02.02.2018
4. Die warten vermutlich alle...
Zitat von kladderadatschWarum traut sich niemand auf einem CDU-Parteitag gegen Merkel anzutreten, die ganz offensichtlich nicht zum konservativen Flügel der CDU passt? Ein Ministerpräsident könnte sich das doch erlauben.
bis die Frau sich selbst demontiert. Zum Beispiel wenn die GroKo platzt. Zum jetztigen Zeitpunkt könnte man damit nichts gewinnen außer sich vermutlich die Finger zu verbrennen. Wenn man jetzt damit kommt und die GroKo dann platzt ist man ein guter Sündenbock, zumal eine Abstimmung auch kaum Aussicht auf Erfolg hätte da man sich in einer strategisch bedeutenden Phase befindet. Da würde wohl kaum einer mit einem Nestbeschmutzer stimmen. Schließlich geht es für viele um 4 weitere Jahre an den Fleischtrögen der Nation. So etwas muss gemacht werden, wenn die Partei komplett am Boden liegt. So also wie es Merkel damals bei Kohl gemacht hat. Ich denke mal wenn überhaupt, dann wird so etwas entweder passieren wenn die GroKo platzt oder spätestens nach 4 Jahren, wenn CDU und SPD dann ihr schlechtestes Wahlergebnis aller Zeiten von 2017 noch einmal toppen. Frau Glöckner als Ablösung von Herrn Tauber ist ja auch nicht gerade eine glückliche Wahl. Intellektuell gesehen sind das beides keine Fixsterne. Man sollte vielleicht auch bedenken, dass die SPD in RLPF nicht an der Macht ist, weil sie da so gute Arbeit geleistet hat, das absolute Gegenteil war der Fall. Die wurden einfach wieder gewählt, weil Frau Glöckner so schlecht war.
haresu 02.02.2018
5. Ja, sagt den Menschen wie es in 30 Jahren aussehen soll
Sagt ihnen doch mal wie groß euer "konservativer" Einfluss auf die Realität ist und woraus der bestehen soll. Das Blöde ist ja auch, dass man daran gemessen werden könnte.
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