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Kommentar zu Thüringen: Ramelows wichtigste Aufgabe

Ein Kommentar von

Bodo Ramelow will als neuer Ministerpräsident in Thüringen einen fairen Umgang mit seinen politischen Gegnern. Hoffentlich ist es keine Maskerade.

Es gibt in der Politik zwei Arten von Siegern: Die, die übermütig mit lautem Triumphgeheul feiern. Sie stehen meist bald selbst als Verlierer da. Und es gibt jene, die nach dem Sieg Demut zeigen. Sie wissen um die Größe der Aufgabe und sie kennen sich aus mit der Vergänglichkeit des Ruhms.

Bodo Ramelow hat in Thüringen gesiegt. Im Erfolg zeigt er Bescheidenheit. Er bietet seinen politischen Gegnern einen fairen Umgang an, er entschuldigt sich bei den Opfern des DDR-Regimes. Das ist eine wichtige Geste. Hoffentlich ist es nicht nur Maskerade.

Ramelows Koalitionsprojekt hat Wunden aufgerissen, es gibt puren Hass, zwischen alten SED-Kadern und ihren Opfern, zwischen Linken und Rechten. Wenn die politische Kultur in Thüringen nicht weiter Schaden nehmen soll, muss Ramelow dauerhaft als Versöhner auftreten - und seine Gegner müssen das Angebot annehmen.

Ob die Versöhnung gelingt, ist fraglich: Ramelows Partei ist keine Ansammlung von reformfreudigen Superstars, sondern sie ist zum Teil eben auch ein rückwärtsgewandter, stockkonservativer Grantler-Klub. Es ist in Ordnung, wenn 25 Jahre nach dem Fall der Mauer ein Linker Ministerpräsident in einem Bundesland wird. Das ist ein Stück politische Normalisierung. Deutschland geht nicht unter und Thüringen auch nicht. Aber jene, die der Linken vorwerfen, ihre DDR-Vergangenheit nicht ernsthaft zu verarbeiten, haben auch einen Punkt.

Es ist schön, wenn Ramelow das versteht. Der Rest der Partei sollte es aber auch langsam kapieren.

Grund zum Übermut gibt es für Ramelow und seine Anhänger ohnehin nicht: Die Mehrheit im Landtag ist denkbar knapp. Das hat die Zitterwahl des Ministerpräsidenten gezeigt. Das mit viel Tamtam ausgerufene rot-rot-grüne Reformprojekt ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Der gelernte Gewerkschafter wird nur dann Erfolg haben, wenn er es nicht nur bei großen Ankündigungen belässt. Er braucht bald Erfolge, und seine Politik muss möglichst viele Menschen ansprechen. Spalter gibt es schon genug.

Und auch nur so kann eine rot-rot-grüne Koalition für den Bund vorstellbar werden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 191 Beiträge
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1. Maskerade?
emobil 05.12.2014
"Hoffentlich ist es keine Maskerade." Was'n Unfug! Wie stellen Sie sich denn diese Maskerade vor? So a la "Iron Sky"? Die ganze Stasi und die Partei haben sich in den Tiefen der thüringischen Wälder nur verborgen gehalten und warten nun auf das Signal des teuflischen Rammelow (Nomen est Omen!) um losschlagen zu können und erst Thüringen und dann dem Rest der Welt die "Diktatur des Proletariats" über zu stülpen? Ja, so stellt sich das vielleicht ein Biermann in seinen feuchten Träumen vor - der SPIEGEL sollte doch in seinen politischen Analysen etwas seriöser und abgekühlter sein!
2. Wird es nicht geben
hp22 05.12.2014
Einen fairen Umgang wird es nicht geben. Für die CDU wäre eine erfolgreiche Arbeit einer linken Regierung der Super-Gau bzgl. zukünftiger Machtoptionen. Man wird Ramelow mit allen Mitteln bekämpfen, die erste Schmutzkampagne der Bild-Zeitung steht wahrscheinlich schon in den Startlöchern.
3. Lasst ihn machen...
herzblutdemokrat 05.12.2014
Die einzige Partei die ihre Demokratiefeindliche Fratze zeigt ist die CDU. Anstatt sie einfach mal die Größe hat anzuerkennen das sie versagt hat wird nur gehetzt. Man muss sich mal vorstellen es gab sogar Demonstrationen gegen die Linke?! Geht es noch peinlicher? Es gab einen demokratischen Prozess der zu einem Ergebnis führte. Warum kann man das nicht anerkennen? Trotzdem meinen herzlichen Glückwunsch an Bodo Ramelow die Zeit des Wandels ist gekommen.
4. Nicht zu fassen
lockvogel100 05.12.2014
Denen ist nicht zu helfen. Jetzt sind die gleichen Leute, die den Karren in den Dreck gefahren haben, wieder am Steuer und versuchen es wieder mit den gleichen Parolen. Watnglück, dass ich da nicht wohnen muss.
5. Er
carlo02 05.12.2014
scheint mir ein Narzisst zu sein. Schöne Worte findet er. Aber er wird sie nicht anwenden.
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