AfD-Erfolge in Brandenburg und Thüringen Triumph der Nervensägen

Zweistellige Ergebnisse sind möglich: Die AfD setzt ihren Siegeszug fort und zieht auch in Brandenburg und Thüringen in den Landtag ein. Die Regierungsbildung in Erfurt wird schwierig. Die Blitzanalyse der Landtagswahlen.

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Berlin - Brandenburg setzt an der Spitze auf Kontinuität, in Thüringen ist nach den ersten Hochrechnungen ein Machtwechsel nicht ausgeschlossen, die Alternative für Deutschland mischt weiter die politische Landschaft auf - und der Untergang der FDP ist nicht aufzuhalten. Die Landtagswahlen von diesem Sonntag in der schnellen Analyse:

Wer regiert künftig in Thüringen?

In Thüringen dürfte die Regierungsbildung schwierig werden. Die CDU von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht kann im Vergleich zu 2009 zulegen und bleibt klar stärkste Kraft. Trotzdem ist die Fortsetzung des Regierungsbündnisses mit der SPD kein Selbstläufer - nicht nur, weil es selten rund lief zwischen Union und Genossen. Die ersten Hochrechnungen sehen wegen der deutlichen Verluste für die SPD bisher nur eine hauchdünne Mehrheit von einem Sitz für Schwarz-Rot.

Noch unsicher ist, ob es für einen Machtwechsel zu Rot-Rot-Grün reichen könnte. Die Sozialdemokraten haben im Vorfeld klargemacht, gegebenenfalls auch den Spitzenkandidaten der starken Linken, Bodo Ramelow, zum Regierungschef zu wählen. Er wäre der erste Ministerpräsident der Linkspartei in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch selbst wenn die rot-rot-grüne Mehrheit rechnerisch möglich wäre - die Schwäche der SPD würde den Machtwechsel nach 24 Jahren CDU-Herrschaft kompliziert machen. Die SPD wird sich die Frage stellen müssen, ob die Offenheit nach links viele Wähler abgeschreckt hat.

Wer regiert künftig in Brandenburg?

Dietmar Woidke bleibt in Brandenburg Ministerpräsident. Die Frage ist, mit wem der SPD-Mann künftig regiert. Wahrscheinlich ist, dass er die Koalition mit der Linkspartei fortsetzt. Die Linke muss zwar Verluste hinnehmen, die Mehrheit wäre aber immer noch komfortabel. Die leicht verbesserte CDU hofft immer noch, dass die SPD sich für eine Große Koalition entscheidet, die schon von 1999 bis 2009 das Land regierte.

Was bedeuten die Erfolge der AfD?

Die AfD hat den Rückenwind aus Sachsen genutzt, sie zieht auch in Potsdam und Erfurt in die Landtage ein und sitzt nun in drei ostdeutschen Parlamenten. In beiden Ländern können die Eurokritiker sogar auf zweistellige Ergebnisse hoffen. In Thüringen liegt die Partei fast auf Augenhöhe mit der SPD.

Die Frage, ob sich die AfD damit dauerhaft in der deutschen Parteienlandschaft etabliert, wird wohl erst im nächsten oder gar übernächsten Jahr beantwortet, wenn die erste Euphorie vorüber ist und auch in westdeutschen Bundesländern wieder gewählt wird. Bis dahin muss die Protestpartei beweisen, dass sie im Parlament ordentliche Arbeit leisten kann und sie nicht über kurz oder lang das Schicksal der Piraten ereilt.

Darauf setzen die etablierten Parteien, allen voran die CDU. Doch gerade den Christdemokraten werden die fulminanten AfD-Erfolge neue Debatten bescheren. Wie soll die Union mit der Partei umgehen, die vor allem im bürgerlichen Lager wildert? Ist die AfD mittelfristig ein denkbarer Koalitionspartner? Es sind Diskussionen, die Angela Merkel am liebsten gar nicht führen würde. Die Aufsteiger werden es genießen, der Kanzlerin derart auf die Nerven zu gehen.

Haben die Wahlen Auswirkungen auf die Große Koalition in Berlin?

Wenn die SPD in Thüringen tatsächlich der Linkspartei zur Macht verhilft - vorausgesetzt der Machtwechsel ist rechnerisch möglich -, dann wird das für Verwerfungen in Berlin sorgen. Die Union hat den Sozialdemokraten im Vorfeld zu verstehen gegeben, dass sie das nicht als vertrauensfördernd betrachten würde.

Aber auch ein ganz anderes Szenario ist denkbar, das Konsequenzen für die Arbeit von Angela Merkel hätte: Bleibt es bei Schwarz-Rot in Thüringen, nimmt sich die SPD in Brandenburg die CDU zum Partner und finden auch in Sachsen Union und SPD zusammen, dann hätte Schwarz-Rot im Bundesrat eine Mehrheit. Die Kanzlerin könnte durchregieren.

Was wird aus der FDP?

Was soll man da noch sagen? Der Untergang geht weiter, die Zeit der gelben Balken in den Diagrammen der Wahlforscher neigt sich dem Ende entgegen. Die FDP sitzt nun noch in sechs Landtagen. Die Parteispitze um Christian Lindner hofft auf einen Umschwung bei der Wahl Anfang 2015 in Hamburg. Bis dahin helfen nur Durchhalteparolen.



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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
L!nk 14.09.2014
1. Triumph der Nervensägen?
Trifft wohl eher auf die CDU zu, diese Headline.
pirx64 14.09.2014
2. Rechts
Jetzt muss der Osten nicht mehr offen (NPD) rechts wählen, er kann es unter dem Deckmantel (AFD) machen. Der Osten war schon immer braun
xxbigj 14.09.2014
3.
Super Headline:) Und die glauben doch tatsächlich, das sie mehr als eine Protestpartei wären...niedlich. In Thüringen ist die CDU nach der letzten Hochrechnung abgewählt R/R/G kann regieren!!
freespeech1 14.09.2014
4.
Das Schicksal der Piraten teilt vor allem die FDP, die Grünen sind noch mal mit einem blauen Auge davongekommen, haarscharf. Warum jetzt ausgerechnet die AfD, die in Thüringen auf Augenhöhe mit der SPD ist, das Piratenschicksal erleiden soll, ist nicht nachvollziehbar. Die AfD wird professionell geführt und erhält Zulauf aus allen demokratischen Parteien, von links bis rechts.
rosskal 14.09.2014
5. Aklternative konsequent
Vielleicht keine schlechte Alternative zu den Europisten der etablierten Parteien.
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