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Thüringens CDU-Hoffnung Mohring: Der Trickser

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CDU-Mann Mohring: Führt er die Thüringer CDU zurück aus der Krise? Zur Großansicht
imago/ Jens Jeske

CDU-Mann Mohring: Führt er die Thüringer CDU zurück aus der Krise?

Nach dem Abgang von Christine Lieberknecht in Thüringen will Mike Mohring der neue starke Mann der CDU werden. Das passt nicht allen in seiner Partei. Zu oft hat er getrickst. Jetzt hat Mohring Ärger mit der Spitze der Bundes-CDU.

Berlin/Erfurt - Die Wahl gewonnen, aber die Macht voraussichtlich verloren - die CDU Thüringen durchlebt gerade schwierige Tage. Während Rot-Rot-Grün sich formiert, ist bei den Christdemokraten der Machtkampf um die Nachfolge von Noch-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in vollem Gange. Im Zentrum: Mike Mohring, 42, langjähriger Rivale Lieberknechts und Chef der Landtagsfraktion. Kommende Woche will er zum neuen Landesvorsitzenden gewählt werden.

Lange sah es so aus, als könnte Mohring der große Profiteur des Machtverlustes nach 24 Jahren sein. Doch Mohring ist nicht nur ein schlauer Stratege, er ist auch ein Trickser - und jetzt werden manchem Parteifreund seine Methoden zu viel.

Mittwochmorgen, Fraktionssitzung der CDU. Mohring berichtet seinen Kollegen, dass es bei der Ministerpräsidentenwahl am Freitag nun doch keinen CDU-Kandidaten gegen den Linken-Politiker Bodo Ramelow geben soll, jedenfalls nicht im ersten Wahlgang. Mohring gilt als Befürworter eines eigenen Kandidaten. Aber er konnte sich offenbar nicht durchsetzen in der entscheidenden Sitzung der CDU-Oberen am Abend zuvor. Zu gering erschienen die Erfolgschancen, noch dazu hätte man auf die Stimmen der AfD hoffen müssen. Die zeigt Sympathie für Mohring, den "jungen Stürmer", wie deren Fraktionschef Björn Höcke schwärmte.

Die Bundespartei warnt Mohring und die Thüringer davor, sich auf die AfD einzulassen. CDU-Chefin Angela Merkel ist gegen einen eigenen Kandidaten, Generalsekretär Peter Tauber wurde noch deutlicher: "Der Bundesvorstand, in dem Mike Mohring sitzt, hat klar erklärt: keine Zusammenarbeit mit der AfD. Das gilt auch für Thüringen." Bundes-Vize Thomas Strobl meint: "Mit dieser Partei ist kein Staat zu machen." Er warne "scharf davor, auch nur den Eindruck einer Kooperation zu erwecken".

Mohring schimpft über die Einmischung aus dem Bund

Als Mohring nach der Fraktionssitzung von Taubers Rüffel hört, ruft er seine Abgeordneten zurück in den Sitzungssaal, per SMS, Telefon und E-Mail. Mohring und mehrere Abgeordnete schimpfen, weil sich die Bundespartei in Thüringen einmischt.

Dabei hat Mohring nicht nur im Bundesvorstand, sondern auch im Landesvorstand einen klaren Beschluss gegen die AfD vor der Landtagswahl mitgetragen. Dieses Verhalten wird Mohring oft von seinen Kritikern vorgeworfen: erst für einen Kurs stimmen, später doch dagegen schießen.

So lautet auch die Kritik des Ex-Koalitionspartners SPD: Mohring habe die Zusammenarbeit systematisch torpediert. Erst im Kabinett Projekte gestützt - und sie später in der Fraktion bekämpft. Im Vertrauen hört man auch aus der CDU, Mohrings Kurs habe Schaden angerichtet. Es ist ein Grund, warum die SPD keine Fortsetzung der Koalition wollte.

Mohring hat sich viele Gegner gemacht - deshalb ist es wohl kein Zufall, dass vergangene Woche eine anonyme Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Erfurt einging, in der ihm vorgeworfen wird, Mitgliederlisten in seinem Kreisverband gefälscht zu haben: 119 nicht mehr existente Mitglieder seien dort geführt - darunter 19 Verstorbene. Den Fall soll nun eine CDU-Kommission prüfen.

Sollten die Vorwürfe stimmen, wäre Mohring nicht nur blamiert, er könnte auch strafrechtlich belangt werden, da höhere Mitgliederzahlen den Kreisverbänden finanzielle Vorteile bringen. Zwar argumentiert Mohring, er selbst habe keinen Zugriff auf seine Mitgliederkartei, nur seine Geschäftsstelle. Doch das reicht sogar Parteifreunden nicht aus. "Jeder Kreisvorsitzende trägt Verantwortung für die Arbeit der Geschäftsstelle und arbeitet mit dem Kreisgeschäftsführer eng zusammen", sagt Tankred Schipanski, CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Freistaat.

Rüffel von Merkel

Es ist auffällig, dass niemand seine schützende Hand über Mohring hält. Zu oft hat er Parteifreunde düpiert - sogar die Kanzlerin. Wegen Mohrings fragwürdigem AfD-Kurs tadelte sie ihn schon einmal: "Wir sind doch beide über 18." Auf Merkelisch ein heftiger Rüffel.

Auch dass sich Mohring in den vergangenen Jahren immer wieder öffentlich um den konservativen CDU-Markenkern bemühte, kaufen ihm viele Parteifreunde nicht ab. Wer ihn kennt, hat das Gefühl, hier habe einer aus taktischen Gründen eine Nische gesucht, um sich zu profilieren.

Noch als Generalsekretär der Thüringer CDU vor fünf Jahren gab sich Mohring moderner und pragmatischer als die meisten Christdemokraten. Erst als er 2008 Fraktionschef wurde, begann seine Konservativ-Werdung. So konnte er sich von Vorgängerin Lieberknecht abheben, vom Kurs der Bundeskanzlerin, vom Partei-Mainstream.

Aber: Mohring ist eben auch der einzige in der Thüringer CDU, der nach Lieberknecht das Format zum Ramelow-Gegenspieler hat. Das ist sein größter Trumpf. Um die Partei wieder schlagkräftig zu machen, muss er jedoch weniger tricksen und mehr integrieren.

Und Mohring weiß jetzt, dass seine Gegner von ihm gelernt haben.

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insgesamt 62 Beiträge
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1. Bloß nicht - Mohring
maxxi12 04.12.2014
Ein hervorragender Artikel - hoffentlich bleibt Thüringen jetzt und in aller Zukunft von diesem Partei - Karrieristen als MP verschont.
2. Was wirft man ihm vor?
turuk 04.12.2014
dies etwa: " Dieses Verhalten wird Mohring oft von seinen Kritikern vorgeworfen: Erst für einen Kurs stimmen, später doch dagegen schießen." Genau das macht doch seine Kanzlerin jahrelang!
3. Ein seltsamer Artikel!
traurigeWahrheit 04.12.2014
Anstatt Rot-Rot-Grün zu attackieren, wird die wahrscheinliche Opposition in Thüringen angegriffen. Dabei ist die zukünftige Ramelow Regierung mehr als kritikwürdig. Die SPD und die Grünen lassen sich von den Linken am Stöckchen vorführen. Was wohl die ehemals inhaftierten Sozialdemokraten und Bürgerrechtler sagen?.... Was ist Mohrings Fehler? Das er, notfalls auch mit derAFD, unter allen Umständen eine postkommunistische Regierung verhindern will? Oder gehört er einfach nur zu den konservativen Politikern, die es in der Presselandschaft schon immer schwer hatten? Die CDU Basis befürwortet in grosser Mehrheit jedenfalls die Annäherung zur AFD. Das darf nur Frau Merkel und Herr Tauber nicht wissen....
4. wenn solche leute
viceman 04.12.2014
die hoffnungsträger der cdu sind, dann kann man sich nur einen mp ramelow wünschen. der name des schwarzen "riesen" passt natürlich auch prima zum aufgezeigten charakter.
5. Mohring ist sicherlich nicht der Einzige, welcher die CDU führen könnte,
h-i-2224 04.12.2014
er war lediglich der einzig Gepäppelte und derjenige, der am wenigsten Rückrat besitzt. Das ist ein gewaltiger Unterschied.
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