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Tiefe Rezession: Wirtschaftseinbruch schürt Angst vor sozialen Konflikten

Deutschlands Wirtschaft bricht massiv ein, jetzt wächst die Sorge vor sozialen Unruhen. Nach DGB-Chef Sommer warnt auch SPD-Präsidentschaftskandidatin Schwan vor wachsender Wut bei den Betroffenen. Am Vormittag legen die führenden Wirtschaftsinstitute ihr Frühjahrsgutachten vor - mit dramatischem Inhalt.

Berlin - Internationaler Währungsfonds, Bundesregierung und führende Wirtschaftsinstitute sind sich einig: Deutschland steckt in der tiefsten Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren. Immer mehr führende Köpfe warnen nun vor sozialen Unruhen. "Ich kann mir vorstellen, dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte", sagte die SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, dem "Münchener Merkur". Wenn es bis dahin keine Hoffnung gebe, dass sich die Lage verbessere, könne die Stimmung explosiv werden. Zuvor hatte schon DGB-Chef Michael Sommer vor sozialen Unruhen gewarnt.

IG-Metall-Protest in Duisburg: Politiker und Gewerkschafter fürchten soziale Unruhen
REUTERS

IG-Metall-Protest in Duisburg: Politiker und Gewerkschafter fürchten soziale Unruhen

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sprach von der "schlimmsten Depression" seit der Weltwirtschaftskrise. Allerdings sprach er der Bundesregierung ein Lob für ihre Politik aus. Die Bundesrepublik sei der "größte Stabilisierungsfaktor" in der Weltwirtschaftskrise, sagte Sinn der "Frankfurter Rundschau". Mit ihren Sicherungssystemen und den zwei Konjunkturpaketen habe sie eine Nachfrage von hundert Milliarden Euro auf den Weltmärkten ausgelöst. "Der Stoß kam aus den USA. Deutschland wirkt als Stoßdämpfer", sagte Sinn. "Das ist ein Konjunkturprogramm für die Welt, was wir hier machen", sagte er mit Blick auf die starken Importe des Exportweltmeisters.

Am Donnerstagvormittag legen in Berlin die führenden Wirtschaftsinstitute ihr mit Spannung erwartetes Frühjahrsgutachten vor. Was im Vorhinein daraus bekanntgeworden ist, hört sich düster an. Demzufolge rechnen die Experten mit einem Wirtschaftseinbruch von 6,0 Prozent - so stark wie noch nie seit der Weltwirtschaftskrise vor fast 80 Jahren.

Am Mittwoch hatten in Berlin Spitzenvertreter von Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften die schwierige Lage beraten. Die Bundesregierung wehrte Forderungen der Gewerkschaften nach einem dritten Konjunkturpaket ab. Die bisherigen Maßnahmen mit einem Volumen von 80 Milliarden Euro müssten erst einmal wirken.

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz, der an den Beratungen im Kanzleramt teilgenommen hatte, sagte dem "Mannheimer Morgen": "Jetzt müssen wir erst mal die beiden anderen, vor allem das zweite, wirken lassen." Franz, der auch Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist, betonte, dass die in der Krise gesunkenen Energie- und Nahrungsmittelpreise mit einem Volumen von rund 30 Milliarden Euro im Jahr fast wie ein drittes Konjunkturpaket wirken würden.

ler/dpa/ddp

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