Tod auf der "Gorch Fock" Marine-Magazin verunglimpft Frauen an Bord

Es ist ein erstaunlicher Rückfall in sexistische Denkmuster: In einem Offiziersblatt der Marine kritisiert ein Autor die "Feminisierung" der Bundeswehr. Soldatinnen seien weniger leistungsfähig, schadeten dem Standard der Truppe - deshalb sei auch die Kadettin an Bord der "Gorch Fock" gestorben.

"Gorch Fock": Frauen würden "Standards senken"
Getty Images

"Gorch Fock": Frauen würden "Standards senken"


Berlin - Auf der Titelseite ist Thomas de Maizière zu sehen, mit einem Fernglas in der Hand an Bord der Fregatte "Brandenburg". Das "Marineforum" berichtet in seiner neuen Ausgabe über den Besuch des Verteidigungsministers, der sich an Bord einen "Eindruck über diese Teilstreitkräfte" verschafft habe.

Doch das offizielle Fachblatt der Marine-Offizier-Vereinigung enthält einen wesentlich brisanteren Beitrag als die Visite des CDU-Politikers: "Gleichstellung um jeden Preis?" ist die Überschrift eines Artikels, in dem sich der Autor Erik Lehnert "über den Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten und die Schlussfolgerungen, die sich für die Bundeswehr-Gesellschaft daraus ergeben könnten" auslässt. In dem Beitrag beschäftigt sich der Verfasser, Geschäftsführer des Instituts für Staatspolitik mit Sitz in Albersroda (Sachsen-Anhalt), also mit Frauen beim Militär - und geht auch auf den Tod der jungen Rekrutin an Bord der "Gorch Fock" ein.

Die deutsche Armee, heißt es in dem Artikel, sei "Experimentierfeld einer Gleichheitsideologie, mit allen Konsequenzen, … zu denen nicht zuletzt der Tod der Kadettin auf dem Segelschulschiff 'Gorch Fock' im November 2010 gehört". Weiter heißt es in dem Beitrag, der SPIEGEL ONLINE vorliegt: "Frauen zwingen den männlichen Kameraden faktisch ihre eigenen physischen Beschränkungen auf, indem sie Standards senken und Forderungen nach Veränderungen stellen."

"Feminisierung der Streitkräfte"

Der Dienst beim Militär liege "jenseits der körperlichen Fähigkeiten der meisten Frauen". Der Kampfeinsatz zum Beispiel bleibe immer noch eine "außergewöhnliche physische und psychische Herausforderung. Die Natur hat Frauen und Männer diesbezüglich unterschiedlich ausgestattet". Mit Blick auf die "Tatsache, dass Kampf und Krieg ein gewisses Maß an Aggression erfordert, sind die meisten Frauen in dieser Hinsicht denkbar ungünstig ausgestattet", heißt es weiter in dem Beitrag, in dem der Autor eine "Feminisierung" der Streitkräfte beklagt.

Man habe "jungen Frauen vorgegaukelt, ihr Geschlecht sei nur eine Konstruktion, und es bedürfe nur der Überwindung dieses Vorurteils, um es den Männern in allen Belangen gleichzutun". Die beiden toten Kadettinnen seien deshalb "Opfer einer Ideologie, die aus vermeintlich guter Absicht die Konsequenzen der Gleichberechtigung verschwiegen hat".

Das "Marineforum" erscheint monatlich, kostet 6,75 Euro und hat eine Auflage von 8500 Exemplaren. Chefredakteur Jürgen Kratzmann legt gegenüber SPIEGEL ONLINE Wert darauf, dass es bei dem Beitrag "auch nicht ansatzweise" um eine "Verhöhnung" der tödlich verunglückten Kadettin gehe, wie die "Bild"-Zeitung getitelt habe.

Der Autor selbst rechtfertigt sich ausgerechnet in der rechtslastigen "Jungen Freiheit" für seinen Beitrag. "Mir ist es schleierhaft, wie die Bild-Zeitung zu dieser Unterstellung kommt. Mir geht es nicht um Verhöhnung, sondern um eine ernsthafte Diskussion, die an das Verantwortungsbewusstsein der politischen und militärischen Führung appelliert." Es käme auch beim Boxen "niemand auf die Idee, Männer und Frauen gegeneinander antreten zu lassen".

als

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 734 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Bre-Men, 08.07.2011
1. Was ist daran sexistisch?
Darf man Fakten nicht mehr benennen? Schnell eine Untersuchung in Auftrag geben, die mit dem Ergebnis endet, ohne Frauen kein Erfolg.
Moxxo 08.07.2011
2. -
Man habe "jungen Frauen vorgegaukelt, ihr Geschlecht sei nur eine Konstruktion, und es bedürfe nur der Überwindung dieses Vorurteils, um es den Männern in allen Belangen gleichzutun". Die beiden toten Kadettinnen seien deshalb "Opfer einer Ideologie, die aus vermeintlich guter Absicht die Konsequenzen der Gleichberechtigung verschwiegen hat." Der Spiegel täte gut daran, sich mit diesen Argumenten auf sachlicher Ebene auseinander zu setzen. Dass ein Schiff wie die Gorch Fock erhöhte körperliche Anforderungen an die Mannschaft stellt, ist bekannt. Daraus einen möglichen Zusammenhang zu dem Unfall abzuleiten, hat nichts mit "Verhöhnung des Opfers" zu tun, wie hier seitens der Redaktion impliziert wird.
Radioaktives_Sushi 08.07.2011
3. Gleichberechtigung und Gleichmachung um jeden Preis!
Ich fordere noch mehr Quotenregelungen. Ab sofort 50% der Maurer weiblich. Und 50% der Leihmütter männlich. Gegen Diskriminierung!
entreotto 08.07.2011
4. .
in meiner Zeitung damals stand, vor allen Dingen auch übergewichtig, und irgendwie über Beziehungen zum Job gekommen. Klar müssen die Standards für die Frauen gesenkt werden. Bei der Polizei der Lauftest kann fast jede Hobbyjoggerin bestehen, ein Mann muss dagegen überdurchschnittlich gut laufen können.
Lebostein 08.07.2011
5. Sportunterricht
Wahrscheinlich hat er Recht. Warum sonst haben Mädchen und Jungen im Sportunterricht unterschiedliche Bewertungstabellen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.