Totenmesse in Berlin Erzbistum überdenkt Filbinger-Gottesdienst

Die St.-Hedwigs-Domgemeinde in Berlin will in einem Gottesdienst des verstorbenen CDU-Politikers Filbinger gedenken. Der frühere Marinerichter hatte während der NS-Zeit einen Priester vor der Hinrichtung bewahrt. Doch die aktuelle Debatte um Filbingers Todesurteile setzt die Kirche unter Druck.


Berlin - Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wird im Erzbistum der katholischen Kirche in Berlin derzeit darüber debattiert, ob der für Dienstagabend vorgesehene Gedenkgottesdienst in der ursprünglich vorgesehenen Form stattfinden wird. Für den frühen Nachmittag wird mit einer offiziellen Erklärung des Erzbistums gerechnet.

St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin: Wirbel um Gedenkgottesdienst für Hans Filbinger
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St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin: Wirbel um Gedenkgottesdienst für Hans Filbinger

Geplant war, dass in der Domgemeinde St. Hedwig am Bebelplatz am Dienstagabend um 18 Uhr der Historiker und Prälat Wolfgang Knauft an einen Fall aus dem Leben des früheren Marinerichters Hans Filbinger erinnern wollte: an den katholischen Priester Karl Heinz Möbius. Dieser war von Filbinger 1944 vor der Todesstrafe wegen "Zersetzung der Wehrkraft" bewahrt worden.

Doch nach den massiven öffentlichen Protesten, die die Trauerrede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) für seinen Amtsvorgänger Filbinger in der Öffentlichkeit ausgelöst haben, ist auch die katholische Kirche unter Druck geraten.

Schon am Wochenende hatte es in Berlin von Seiten mehrerer Parteien massive Kritik an dem Gedenkgottesdienst für den verstorbenen CDU-Politiker, ehemaligen Ministerpräsidenten und früheren Marinestabsrichter gegeben. So sprachen die Berliner Grünen davon, die Ehrung sei "makaber", die FDP nannte sie ein "Desaster", die SPD "nicht nachvollziehbar", die Linkspartei/PDS "ziemlich unerträglich". Allein von Seiten der Berliner CDU erklärte deren Generalsekretär Frank Henkel, Filbinger sei eine "differenziert zu betrachtende Persönlichkeit".

Die Initiative zu dem Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Filbinger, der in der NS-Zeit an Todesurteilen mitgewirkt hat, geht auf den mittlerweile pensionierten Prälaten Knauft und die Domgemeinde zurück. Bereits am Wochenende hatte ein Sprecher des Erzbistums erklärt, die Todesurteile Filbingers würden im Gedenkgottesdienst nicht beschönigt werden.

sev



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