Totenschändung in Afghanistan Weitere Skandalfotos aufgetaucht

Die Affäre um die mutmaßliche Totenschändung durch Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan weitet sich aus: Dem Fernsehsender RTL wurden neue Bilder zugespielt, die deutsche Soldaten in hässlichen Posen mit einem Totenschädel zeigen.


Köln - Auf einem der mit einer Digitalkamera aufgenommenen Bilder küsst den Angaben zufolge ein Unteroffizier einen Schädel, der auf dem Bizeps seines linken Oberarms liegt. Hinter ihm schaut ein weiterer Soldat zu. Auf einem anderen Foto posiert ein Soldat vor einem Jeep der Isaf, auf dessen Fronthaube ebenfalls ein Totenschädel liegt.

In der "Bild"-Zeitung wurden die ersten Fotos veröffentlicht, die deutsche Soldaten beim Posieren mit Totenschädeln zeigten. Heute folgt die Fortsetzung in RTL.
DDP

In der "Bild"-Zeitung wurden die ersten Fotos veröffentlicht, die deutsche Soldaten beim Posieren mit Totenschädeln zeigten. Heute folgt die Fortsetzung in RTL.

Die Fotos seien dem Sender aus Bundeswehrkreisen zugespielt worden und stammen angeblich vom 11. März 2004. Demnach wären sie deutlich später als die in der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Bilder entstanden, die angeblich im Frühjahr 2003 bei einer Patrouillenfahrt nahe Kabul aufgenommen wurden.

Unmittelbar nach Erhalt sei das Bildmaterial zunächst dem Bundesverteidigungsministerium mit der Bitte um Prüfung und Stellungnahme vorgelegt worden. Die Authentizität der Fotos sei nach Sichtung nicht angezweifelt worden.

Die Ermittlungen zu der Totenschändung durch deutsche Isaf- Soldaten werden künftig von der Staatsanwaltschaft München II geführt. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft werde das Verfahren umgehend dorthin abgeben, da ein Beschuldigter aus dem Zuständigkeitsbereich der Münchner Staatsanwaltschaft identifiziert worden sei, sagte ein Sprecher. Insgesamt soll jetzt gegen sieben statt bisher sechs mögliche Beteiligte ermittelt werden.

Die afghanische Regierung zeigte sich bestürzt über die Skandalfotos mit Bundeswehrsoldaten. Das Verhalten widerspreche islamischen Werten und der afghanischen Tradition, erklärte das Außenministerium in einer Stellungnahme. Die deutschen Behörden wurden aufgefordert, die Verantwortlichen zu bestrafen und sicherzustellen, dass sich so ein Vorfall nicht wiederholt.

Um die Existenz weiterer Bilder hatte es zunächst Verwirrung gegeben, ausgelöst vom Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele. Er hatte zunächst gesagt, er wisse, dass es noch weitere Bilder gebe. "So weit ich gehört habe, soll es noch viel mehr Fotos geben aus Afghanistan", sagte Ströbele in einem Interview im Hessischen Rundfunk. Doch dann relativierte Ströbele seine Aussage: "Ich habe von Journalisten und Kontaktpersonen gehört, dass es noch weitere Fotos gibt", sagte er SPIEGEL ONLINE. Am Rande des BND-Ausschusses präzisierte Ströbele, dass er von "mindestens einem halben Dutzend Leuten" wisse, dass "hunderte solche Bilder existieren sollen".

jaf/ddp/dpa/AP

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